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Isis
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Alter: 49
Anmeldungsdatum: 07.09.2002
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BeitragVerfasst: Sa 25 Jul, 2009 12:44  Titel:  [Reisebericht] Mit dem Boot durch die Wüste  Antworten mit ZitatNach untenNach oben

Ingrid Maria hat folgenden Bericht geschrieben:



ich schreibe hier mal auf bitte des users "Ingrid Maria" ihren bericht von der lake nasser tour den sie verfasst hat.

Mit dem Boot durch die Wüste

Eine Kreuzfahrt der besonderen Art auf dem Lake Nasser im Dezember 2008

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Vom Lake Nasser grüße ich ganz herzlich alle User und Leser!


Unsere Reise begann wirklich unter einem guten Stern! Als wir, Hermann, Hannelore und ich auf dem Bahnhof in Luxor den Zug nach Assuan erwarteten, erschienen die noch ganz jungfräuliche Mondsichel und Venus am dunkelblauen Abendhimmel in einer wunderschönen Konstellation…

Da der Zug aus Kairo wie immer etwas Verspätung hatte, wanderten wir auf dem Bahngleis auf und ab. Auf einer Bank saßen zwei weitere Europäer mit einem Ägypter. Als ich dort vorbeischlenderte, hörte ich das Wort „Lake Nasser“ und wurde neugierig. Nun, um es kurz zu machen: Es stellt sich schnell heraus, dass auch Erika und Hansruedi aus der Schweiz auf dem Weg nach Assuan und ausgerechnet zum gleichen Boot der Company „Lake Nasser Adventure“ waren wie wir. Ein schöner Zufall, so waren wir schon „fast“ komplett und konnten uns schon etwas beschnuppern. In Assuan sollte sich dann nur noch Miriam, ebenfalls aus der Schweiz, zu uns gesellen.

Hannelore, Hermann und ich hatten uns in Assuan für die Übernachtung das kleine Hotel „Keylany“ ausgesucht, und es war eine gute Wahl. Es liegt relativ ruhig ganz am Ende des Souks gegen Süden, das Personal sehr freundlich, die Zimmer sauber und ordentlich und das Frühstück, auf dem Dachgarten serviert, war hervorragend. Für 80 LE pro Person sehr günstig. Das Hotel hat auch eine Website, findet man beim googeln.

Am nächsten Morgen um 8 Uhr war Treffen und Abholung aller Gäste am „Sara-Hotel“, wo die anderen Mitreisenden genächtigt hatten (auch sehr zu empfehlen, etwas teurer und ziemlich ausserhalb gelegen, aber dafür mit einem atemberaubenden Blick über die Katarakte, Swimming Pool und natürlich mehr Komfort).

Pünktlich um 8Uhr kam der kleine Abhol-Bus um die Ecke gesaust und Steven sprang heraus: Steven Mayor, Mitinhaber der Firma Lake Nasser Adventure und Schweizer Landsmann, würde die Tour leiten. Wir luden unser Gepäck nach der Begrüssung ein und los gings zum Hafen hinter dem Saad al Ali, dem Staudamm. Dort lag unser Schiff vor Anker. „Das ist aber ein kleines Bötli“, unkten die Schweizer Reisefreunde lachend. Und in der Tat: Die „Ganub“ (das heisst „Süden“) ist wirklich ein kleines Schiff, aber dieses Boot hatte es in sich, das sollten wir bald herausfinden. Wir luden unser Geraffel aufs Oberdeck und während uns Steven das Boot erklärte, wurden auch schon die Leinen gehisst und los gings: gen Süden!!!

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Unser "Bötli" und schwimmendes Zuhause auf dem See.

Wir waren so ungefähr 10 Minuten geschippert und hinter uns verschwand langsam der High Dam und das Staudamm-Monument. Irgendwie dachten wohl alle Reisenden plötzlich das Gleiche und ein lautes vielstimmiges „Hurra! Wir sind wirklich auf dem Lake Nasser!“-Jubelgeschrei ging los. Es war wirklich ein denkwürdiger Moment: Alle hatten soooo lange von dieser Tour geträumt und nun wurde der Traum war. Soviel sei vorweg gesagt: Es wurde eine wirkliche Traumreise, eine Reise wie nach Utopia, hinein in eine Landschaft so irreal vor lauter Schönheit, dass man es kaum beschreiben kann.

Sicherlich kann man über den Lake Nasser aus ökologischer Sicht geteilter Meinung sein. Aber der See ist nun mal da und er wird auch nicht wieder verschwinden, jedenfalls nicht so bald… Die einzigen, die aber meines Erachtens wirklich das Recht haben, über die Entstehung des Sees zu klagen, sind jedoch die Nubier. Sie haben nämlich ihre Heimat und ihre Dörfer verloren, die unwiederbringlich in den Fluten des aufgestauten Nils versunken sind. Aber sie haben sich damit wohl abgefunden, denn auch unsere so freundliche, vornehm zurückhaltende, stille nubische Bootsbesatzung (Mohamed der Kapitän, Ramadan der Koch und Sadat der Smutje), haben den See lieben und schätzen gelernt – und das nicht nur, weil er ihnen Brot und Arbeit gibt

Aus der rückblickenden Sicht kann man nur sagen, dass dieser See und die Bilderbuchwüstenlandschaft drumherum die wohl schönste Symbiose eingehen, die man sich nur vorstellen kann, sicher einmalig auf der ganzen Welt – ein von Menschenhand geschaffenes Gesamtkunstwerk – eben Utopia.

Nach etwa 2 Stunden flotter Fahrt auf den blanken See hinaus– die Ganub, unser kleines „Bötli“und Zuhause für die nächsten Tage, legte sich mächtig ins Zeug – erreichten wir die Gegend des Gazal-Archipels auf der Westseit des Sees mit seinen zahllosen kleinen und grossen Inseln. Auf der Fennek-Insel legten wir zu unserem ersten „Landgang“ an. Steven, unser Führer, gab uns einige Verhaltensmassregeln mit: Nicht mit den Händen unter Steine fassen (wegen der Skorpione), um Büsche oder niedriges Bodengewächs einen Bogen machen (weil sich dort gerne Schlangen über Tag aufhalten), bei grösseren Spuren von Waranen oder Krokodilen erstmal die Umgebung sondieren, und immer wieder Pausen einlegen, um genügend zu trinken. Dann marschierten wir los und querten die Insel. Unser Bötli tuckerte währenddessen auf die andere Seite der Insel weiter und wartete dort auf uns.

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Abendwanderung auf einer Halbinsel des Gazal-Archipels


Steven, der den See und die Landschaft kennt wie seine Westentasche, legte einen flotten Schritt vor, machte aber immer wieder Pausen, um uns auf Tierspuren oder ähnliches aufmerksam zu machen. Und er wollte uns unbedingt gleich am ersten Tag ein Krokodil zeigen. Was ihm auch gelang! Unter uns in einer Bucht erblickten wir ein etwa 4 Meter langes Exemplar, das aber sofort auf Tauchstation ging, als es uns bemerkte.

Die Krokodile am Lake Nasser sind sehr scheu. Sie werden sehr gross und sehen furchterregend aus, aber wie gesagt, sobald sie Geräusche hören, sind sie blitzartig weg. Wir haben insgesamt nur drei Krokodile gesehen, und an keins kamen wir richtig nahe heran. Aber war ja vielleicht auch besser so….

Und ausserdem gibt es unzählige andere interessante und nicht so gefährliche Tiere zu sehen, vor allem Vögel. Pelikane und die stets paarweise auftretenden Nilgänse sollten bald unsere ständigen Wegbegleiter werden, ebenso Unmengen an riesigen Milanen, Komoranen, und etliche andere kleinere und grössere Vogelarten. Viele dieser Vogelarten überwintern am Lake Nasser. Dort gibt es reichlich Futter und die Winter sind mild. Und die Rufe der Nilgänse waren manchmal in den Nächten das einzige Geräusch weit und breit.

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Traumlandschaft, wo auch immer man hinguckt


Nach einer ersten schönen etwa 2-stündigen Wanderung durch karge Fels- und Wüstenlandschaft erreichten wir wieder unser schwimmendes Zuhause. Dort hatte die Besatzung inzwischen ein superleckeres Mittagessen für uns in einer winzigen Kombüse vorbereitet. Wir sollten in den nächsten Tagen noch oft staunen, was an Köstlichkeiten aus dieser winzigen Küche so alles herauskam. Unter Deck war der Tisch gedeckt, dort nahmen wir von nun an unsere Mahlzeiten ein. Unter Deck gibt es auch geschützte Liegeplätze für die Seereisenden. Noch während des Mittagessens legten wir ab und fuhren weiter, immer Richtung Süden. Nach dem Essen war Relaxen angesagt, wir verteilten die Schlafplätze untereinander, einige wollten lieber oben auf dem offenen Deck nächtigen. Für jeden gab es eine dicke Matratze, den Schlafsack mussten wir selbst mitbringen. Nachdem wir uns „eingerichtet“ hatten, genossen wir für die nächsten Stunden einfach - mit offenem Mund vor lauter Staunen - die Landschaft. Inzwischen hatten wir uns auch schon mit dem Schiff vertraut gemacht,. Es gab eine Toilette und eine Dusche, die Dusche haben wir jedoch auf der ganzen Fahrt nicht benutzt, da wir immer im See baden gingen und uns dort mit biologisch abbaubarer Seife und Shampoo wuschen. Das Wasser des Sees ist glasklar, sauber und es hatte im Dezember eine noch sehr angenehme Temperatur. Und es ist seidenweich…Und was gab es Schöneres, als nach einer schweisstreibenden Wanderung an einem wunderschönen Sandstrand direkt in die Fluten zu springen. Wir hatten keine Angst vor den Krokodilen, denn unser Steven und die Besatzung inspizierten vor jeder Landung die Gegend auf Spuren. Und wenn die Jungs sagten, ok, hier ist alles in Ordnung, dann vertrauten wir ihnen einfach blind. Es war auch richtig so.

Gegen Abend erreichten wir eine idyllische Bucht und legten dort für die Nacht an. Vor dem Abendmahl gab es noch eine wunderschöne Wanderung in den Sonnenuntergang hinein, es sollten noch viele solcher unvergesslichen Momente folgen. Mit dem letzten Büchsenlicht erreichen wir unser Boot, dort gab es erstmal ein herrlich kaltes Bier. Nach dem Abendessen waren wir alle so relaxt und zufrieden müde, dass wir uns schnell in unsere Schlafsäcke rollten. Der Sternenhimmel strahlte über uns mit unfassbaren Millionen Lichtern in der lauen und völlig stillen Nacht. Lediglich das Wasser des Sees gluckste leise gegen den Rumpf unseres Bootes. Schnell waren wir alle sanft entschlummert.

Nur um freiwillig um sechs Uhr am nächsten Morgen wieder aus den Federn zu kriechen…Nach den diversen morgendlichen Reinigungszeremonien legen wir ab und fuhren Richtung Halbinsel Abu Stetta. Während der Fahrt gab es ein reichhaltiges Frühstück und so waren wir gestärkt für alles was noch kommen sollte: Zunächst stand eine zweistündige Wanderung zu einer riesigen Lagune an, die Heimat von vielen Vögeln, die wir sehr gut beobachten konnten. Nach etwa einer guten Stunde trafen wir die ersten Menschen unterwegs: Eine Gruppe von Feldarbeitern, die am Ufer des Sees in einem kleinen privaten landwirtschaftlichen Projekt (es gibt nur ganz wenige solcher Projekte)Wassermelonen und Tomaten anbauen. Sie freuten sich über den seltenen Besuch und waren für die kleine Abwechslung dankbar. Wir verliessen die freundlichen Nubier und marschierten auf unser Boot zu, das uns wieder erwartete. Wir fuhren weiter Richtung Madiq, das Mittagessen wurde serviert, danach war wieder Zeit zum Träumen auf dem Oberdeck. An einer wunderschönen Sandbucht legten wir zur täglichen Schwimmstunde an. Feinsandiger Strand wie am Mittelmeer und ein langsam in den See abfallendes Ufer machte das Schwimmen zur rechten Freude. Danach ging es wieder los zu einer Wanderung über die Halbinsel Madiq. Ein bischen Abenteuer-Kletterei auf den höchsten Punkt der Gegend mit tollem Rundblick, danach eine rasante „Abfahrt“ über eine puderrote Düne und durch ein weites Tal zu unserem dort schon wartenden Schiff. Unterwegs machte uns Steven auf die ersten prähistorischen Zeichnungen und auf versteinertes Holz am Wegesrand aufmerksam. Im Sonnenuntergang, hinter uns hörten wir schon die Schakale rufen, dann erreichten wir unsere „Ganub“. Es folgte das übliche Abend-Ritual: Ein kaltes Bier oder sonstwas Kaltes, ein leckeres Abendessen, zur Feier des Tages spendierten Erika und Hansruedi eine Flasche Rotwein, danach Sternegucken, Meditieren, leises Unterhalten, bevor die Müdigkeit uns übermannte…

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Begegnung mit Landarbeitern, die Melonen und Tomaten anbauen.


Am nächsten Morgen zeigte uns Steven direkt in der kleinen Bucht an einer überhängenden Felswand sehr schöne prähistorische oder zumindest vordynastische Felszeichnungen. Eine genau Datierung gibt es leider noch nicht. Boote, Rinder und Viehhüter, Skorpione und andere kleine Figuren waren dort zu sehen. Sehr schön!

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Uralte Felszeichnungen, leider noch nicht datiert


Dann ging es weiter mit dem Boot zur ersten Besichtigung einiger pharaonischer Monumente, die durch Versetzung vor dem Versinken in den Fluten gerettet worden waren: der Tempel von Wadi Sebua mit der schönen Löwenallee. Und die kleineren Tempel von Dakka und Maharraqa, die ursprünglich weit entfernt gestanden hatten, heute aber in etwa 600 Meter Entfernung von Wadi Sebua liegen und so ein schönes Ensemble bilden. Details über diese Tempel, die völlig einsam in der Wüste liegen, kann man in jedem Reiseführer nachlesen, ich will mir das deshalb hier ersparen. Herrlich einsam die Gegend, wir waren natürlich die einzigen Besucher, keine aufdringlichen Bakschischjäger… Es war ein Genuss.

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Die wunderschöne Löwenallee des Tempels von Wadi Sebua


Dann ging es wieder aufs Boot, Navigation Richtung Wadi Arab, Pause an einer schönen Bucht zum Schwimmen und Baden, dann ein Nachmittagswanderung über einen Berg mit einer prähistorischen Siedlung und abwärts über Traumdünen, die bis direkt zum vielleicht spektakulärsten Ankerplatz für die Nacht während der ganzen Tour führten: Das Wadi el Timsah (Timsah = Krokodil….). Dort durften wir unter den wachsamen Augen unserer Crew auch nur bis zu den Knien ins Wasser, hahaha…

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Das Wadi el Timsah, einer unsere Ankerplätze für die Nacht:
Traumbucht an Traumdüne, aber ausnahmsweise mal "Baden verboten!".



Die Besatzung machte auf der langgestreckten Dünenlandzunge am Abend ein grosses Feuer, die Stimmung hätte romantischer nicht sein können und man brauchte eigentlich gar keinen Rotwein oder kein Bier, um trunken zu werden…

Oh Gott, mir fällt langsam auf, das ich viel zu viel schreibe. Wer will das alles lesen? Wenn ich so weitermache, wird das ein Buch…Ich werde mich deshalb von nun an auf einige besonders bemerkenswerte Kapitel beschränken, statt einzeln die Tage zu beschreiben. Das erste Kapitel heisst: Spuren im Sand.

Spuren im Sand

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Hornviper, Vögel und und und...


Vor der Reise an den Lake Nasser hatte mir ein in dieser Gegend ziemlich erfahrener Reiseleiter erzählt, dass es in der Umgebung des Lake Nasser von Schlangen und Skorpionen nur so wimmele, nachts „bewege“ sich regelrecht der Boden. Klar, dort gibt es Wasser… Ich muss gestehen, ich habe eine Schlangenphobie und Skorpione mag ich auch nicht besonders. Aber meine Sorge war ziemlich unbegründet. Erstens waren wir auf unserem Boot mehr als sicher vor diesen Tieren, zum zweiten haben wir nicht eine einzige Schlange zu Gesicht bekommen. Und einen Skorpion musste Steven regelrecht für uns ausgraben, damit wir mal einen sahen. Doch das war wirklich ein Prachtexemplar, der aber wahrscheinlich DEN Schreckens seines Lebens erlebte, als er sich plötzlich umringt sah von 7 abenteuerlichen Gestalten. Er suchte hochaufgerichteten Stachels sein Heil in der Flucht und wir liessen ihn unbehelligt ziehen.

Natürlich gibt es sie reichlich, Skorpione und Schlangen, doch die Tiere sind nachtaktiv und gehen im Dunkeln auf die Jagd. Tagsüber verstecken sie sich vor der Hitze unter Steinen und Büschen. Trotzdem muss man natürlich vorsichtig sein. Spuren dieser Tiere sahen wir jedoch mehr als genug, es waren Tausende. Vor allem die Spuren der Sidewinder, der Hornvipern, hatten es mir angetan. Diese urtümlich aussehenden Viecher (man kennt sie ja aus Dokumentarsendungen) winden sich ungeheuer elegant seitwärts über den Sand und hinterlassen dabei ihre typischen Spuren. Diese Spuren sehen fast aus wie Zeichnungen. Hornvipern sind in der Lage, durch ihre eigenartige Fortbewegungsweise auch die steilsten Dünenhänge zu überwinden. Aber wie gesagt, wir sahen nur ihre Spuren. Ausserdem im Sand massenweise zu finden: Spuren von Skorpionen, von kleinen und grossen Vögeln aller Art, von Wildkaninchen und Mäusen, von Eidechsen, aber auch Abdrücke von beängstigend riesigen Waran- und Krokodilklauen, typisch mit den Schleifspuren ihrer grossen Schwänze dazwischen.

Kasr Ibrim


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Einziges noch am Originalplatz stehendes und nicht versunkenes Monument des Nasser Sees.

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Die wechselvolle Geschichte des Kasr belegt auch dieses koptische Kreuz auf einer Säule.

Nach der Besichtigung der ebenfalls vor dem Versinken geretteten Tempel von Amada und Derr und des Grabes von Pennout (Beschreibung in jedem guten Reiseführer) verliessen wir die Westseite des Sees und querten Richtung Osten auf Kasr Ibrim zu. Ein echtes Highlight der Reise: Denn es ist normalerweise nicht gestattet, das Kasr Ibrim, das noch in seiner Original-Lage auf einer kleinen Felseninsel steht, zu besichtigen, denn dort wird noch gegraben und restauriert. Lake Nasser Adventure hat jedoch als einziger Veranstalter die ausdrückliche Genehmigung, dort anzulanden und die alte Anlage zu besichtigen. Die grossen Kreuzfahrer dürfen nur bis an die Insel fahren und von Bord aus können sich die Seereisenden dann das Kasr anschauen. Wir durften aber drauf und rein!!!

Vor dem Bau des Staudamm stand das Kasr Ibrim nahezu uneinnehmbar auf einem Felsenhügel etwa 80 Meter über dem Nil. Heute ist daraus eine kleine Insel geworden und das Kasr liegt nur wenige Meter über dem Spiegel des Sees. Es hat eine sehr wechselvolle Geschichte. Die ersten Bauten werden bereits Amenophis I zugeschrieben, später wurden Bauten hinzugefügt und das Ganze in eine koptische Kirche und Kathedrale umgewandelt, bis dann 1528 die Kkathedrale islamisiert und in eine Moschee umgewandelt wurde. Auch die Römer waren zwischendurch mal hier präsent und bauten einen Festungswall, der erst im 18. Jahrhundert von den Mamelukken zerstört wurde. Teile der Monumente wie eine Kapelle sind im Nubischen Museum in Assuan zu sehen. Doch auf Kasr Ibrim wird wie gesagt immer noch geforscht und gegraben. Und wir durften dort 2 Stunden ungestört herumwandern. Wir waren aber auch brav und haben natürlich NICHTS mitgenommen, obwohl dort genug Lohnenswertes offen herumlag. Im Anschluss daran plumpsten wir direkt vom Boot in eine herrliche kleine Bucht unmittelbar vor dem Kasr und „erholten und von den Strapazen“.

Petri Heil!


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Endlich hat Steven Anglerglück und holt uns einen ordentlichen Nilbarsch aus dem See für das Abendessen.

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So karg leben die Fischer am Lake Nasser...


Unser guter Steven hatte schon seit Tagen versucht, einen ordentlichen Nilbarsch für unser Abendessen zu angeln, vergebens. Die Tiere sind sehr schlau und verduften sobald sie einen Schatten an der Wasseroberfläche ausmachen. Der Lake Nasser ist ein sehr fischreiches Gewässer, aber der Nilbarsch ist der uneingeschränkte „King“, ein sehr geschätzter und teurer Speisefisch, auch in Europa. Er wird bis zu 2 Meter lang. Die Fischer auf dem See versuchen auch in erster Linie Nilbarsche zu erwischen. Die Netzfischerei ist nicht erlaubt, lediglich mit der Angel darf gefischt werden. Ein grosses Kühlschiff durchfährt pausenlos den Lake Nasser und sammelt die Beute der Fischer ein, um sie nach Assuan zu bringen und von dort aus zu vermarkten. Die Fischer leben ein sehr karges Leben. In der Regel bauen sie sich kleine Stroh-Hütten auf kleinen Inselchen, ohne Strom und sonstigen Luxus. Sie leben völlig abgeschieden in der Einsamkeit und freuen sich über jede Abwechslung, winken unserem Boot immer lange hinterher oder unterhalten sich bei Annäherung mit unserer nubischen Crew, die viele von den Fischern natürlich kennen. Dann werden schnell die neuesten Nachrichten ausgetauscht. Ein Hospitalboot, das einmal wöchentlich auf dem See von Assuan nach Wadi Halfa ganz im Süden kreuzt, betreut ebenfalls die Fischer und versorgt sie im Notfall medizinisch oder nimmt einen Schwerkranken mit nach Assuan.

Am vorletzten Tag hatte Steven endlich Anglerglück und fing für uns einen Barsch. Nun ja, er war nicht gerade 2 Meter gross, aber schon ganz ansehnlich. Und er wurde gleich am selben Abend superfrisch in die Pfanne gehauen und schmeckte köstlich…


Toschka


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Die Region Toschka auf der Ostseite des Sees, Hunderte von Inseln, Riesendünen, eine Landschaft wie auf einem anderen Stern.


Nachdem wir Kasr Ibrim verlassen hatten, schipperten wir weiter gen Süden, aber immer noch auf der Ostseite des Sees. Wir erreichten so langsam die Region Toschka, die dem umstrittenen Milliarden-Projekt „Wasser für die westliche Wüste“ ihren Namen gegeben hat. Aussgangspunkt des Kanals, der vom Nasser See aus einst bis in die Western Valleys führen soll, ist allerdings die Westseite des Sees. Dort hat sich ein kleines Städtchen entwickelt, im dem Arbeiter und Ingenieure des Projekts mit ihren Familien leben.

Doch die Ostseite ist viel interessanter. Sie ist landschaftlich ungeheuer reizvoll und manchmal hat man das Gefühl, durch die Südsee zu schippern. Hunderte von kleinen und grossen Inseln tauchen vor uns auf, die meisten davon mit einer pyramidenförmigen Spitze. Vom Wasser geformte Felsentore sind zu bewundern, die Navigation wird recht schwierig durch enge „Strassen“ zwischen den Inseln hindurch. In der Ferne können wir riesige Dünen ausmachen, die bis direkt in den See fallen. Von der Ostseite queren wir dann den See gen Westen und zum ersten Mal bemerken wir bei auffrischendem Wind, dass der sonst so still daliegende See ganz schöne Wellen bilden kann. Unser kleines Bötli stampft und schlingert ganz lustig als wir gegen die Wellenrichtung ansteuern müssen um zu queren.

Die Dünen


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Eine "Abfahrt" von einer Düne macht Riesenspass, vor allem wenn es ein solch schönes Exemplar ist wie diese.


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Dünen sind wahre Kunstwerke der Natur...


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Lustwandern auf völlig glatter Dünenebene, man glaubt man ist auf dem Mond.


Sanddünen – riesige, grosse, kleinere, geschwungene, gerade, hohe und flache, steile und sanft abfallende, gelbe, rosa-, ocker- oder rotfarbene Kunstwerke der Natur, begleiteten uns auf der gesamten Tour. Grobkörnig, feinkörnig bis pulverig die Konsistenz des Sandes. Lustig eine Abfahrt von einer Dünenhöhe, am besten barfuss… Kunstwerke auch die Spuren, die der Sand auf den Dünen hinterlässt. Rillen, symmetrisch angelegte Häufchen, Schlieren, gebogene Linien, steinharter vom steten Wind wie geschliffener Boden, der das Wandern zur reinen Freude macht, weichster und bodenloser Untergrund, auf dem das Laufen schwerfällt, alles im steten Wechsel. Man kann immer nur staunen…

Entknittern und entfalten…


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Relaxen, Träumen, Schauen, Staunen und die Seele zur Ruhe kommen lassen.

Vor allem beim Betrachten der Bilder aus einer zeitlichen Distanz heraus sprang mir eine Tatsache immer mehr ins Auge: Wir alle sehen auf allen Fotos immer völlig entspannt und der Welt entrückt aus. Da glätteten sich auf der Tour viele Sorgen-, Stress und Kummerfalten. Und wer auf dieser Tour seine Sorgen nicht über Bord werfen kann, der ist nicht ganz normal. Für eine Woche keinen Handyempfang (lediglich kurz in Wadi Sebua), kein Fernsehen, kein Radio, kein Computer, kein sonstwie gearteter störender Lärm, Natur und Erholung pur. Ohne Übertreibung: Am Ende der Reise sahen wir alle 5 Jahre jünger aus und die Freunde in Luxor sagten mir, dass ich auch zwei Wochen nach Ende der Reise immer noch einen halben Meter über der Erde „geschwebt“ sei…

Abu Simbel oder das Ende der Magie

Als Höhepunkt der Reise stand der Besuch des Tempels von Abu Simbel auf dem Programm. Dort sollten wir von Bord gehen und dann nach der Besichtigung per Bus zurück nach Assuan befördert werden. Aber insgeheim hatte wohl jeder so seine Bedenken, ob das was wir unterwegs gesehen und erlebt hatten, eigentlich noch zu toppen war. Um es vorweg zu sagen: war es nicht! Zumindest nicht für mich und ich denke auch für die anderen Reisenden. Wir waren alle viel zu beeindruckt von der unglaublichen Natur, die wir so hautnah erleben durften. Und es hat sich auf dieser Reise wohl eins bewahrheitet: Die Natur ist der beste Baumeister!

Ich höre schon einige Ägyptologie-Fans aufschreien wegen der obigen Meinung… Natürlich, Abu Simbel ist gewaltig, beeindruckend, ist eine wohl einmalige Glanzleistung der pharaonischen Baukunst und auch derjenigen Ingenieure, die den Tempel in Stücke schnitten und ihn weiter oben wieder aneinanderbauten, um ihn vor dem Versinken zu retten. Hut ab!“

Wir näherten uns nach dem Anlegen des Boots im kleinen Hafen des Ortes Abu Simbel der Tempelanlage von hinten – und blickten natürlich zuerst mal auf den unübersehbar künstlich angelegten hinteren Tempelberg. Das war schon etwas ernüchternd. Doch was die Magie des Ortes völlig zerstörte, war folgendes: Die Tempelanlage gleicht inzwischen einem Hochsicherheitstrakt, umgeben von übermannshohen Zaunanlagen, Sicherheitsstationen besetzt mit Securityleuten und so weiter. Ich will über den Tempel selbst nicht berichten, er steht in jedem Reiseführer ausführlich genug beschrieben. Auch wenn ich das ungeheure Glück hatte, völlig alleine (abgesehen von Security, Wärtern und Polizei) vor dem Tempel zu stehen, da gerade nicht ein einziger Touristenbus vor Ort war und ich unserer Gruppe etwas vorausgeeilt war – sorry, aber Abu Simbel hat mich nicht umgehauen.

Auf dem Rückweg zum Coffeshop, wo wir uns verabredet hatten, sah ich aber noch was ganz interessantes, etwas das ich vorher noch nie so gesehen hatte: Einige Baumwipfel am Wegesrand schienen zu rauchen, so als ob irgendwo im Baum ein Feuer sei. Ich wurde neugierig und als ich näherkam, sah ich dass die „Rauchfahnen“ aus Millionen von Moskitos gebildet wurden, die im Wind hin und her schwangen. Es war unglaublich… Ich machte mich schnell davon, aber die Moskitos zeigten Gott sei Dank kein Interesse an mir. Später dann erfuhr ich, dass Abu Simbel für seine Riesen-Moskitoschwärme bekannt ist, die des Abends den Einwohnern arg zu schaffen machen. Warum sich gerade in Abu Simbel diese Schwärme versammeln, konnte mir indes keiner so richtig erklären. Vielleicht weil es die einzige grössere menschliche Ansiedlung am See ist - und Moskitos stehen ja bekanntlich auf Menschenblut…

Der Ort wächst übrigens stetig um nicht zu sagen rasant. Viele Nubier sind inzwischen in ihre alte Heimat und nach Neu Abu Simbel zurückgekehrt, um hier ihren Lebensunterhalt durch Tourismus und kleine Geschäfte und Handwerke zu verdienen. Tourismus und Flughafen schaffen Arbeitsplätze.

Schon am Hafen hatten wir uns etwas wehmütig von unserer liebgewonnenen nubischen Crew verabschieden müssen. Die Bootsleute bunkerten nur schnell neuen Kraftstoff fürs Boot und legten dann sofort wieder ab und fuhren gen Norden nach Assuan zurück zu ihren Familien. 36 Stunden würden sie ohne Pause unterwegs sein.

Wir aber bestiegen den Bus und fuhren durch die Wüste in Richtung Assuan, unterwegs den Toschka-Kanal querend, für dessen Bau die arme Wüste regelrecht umgedreht und vergewaltigt wird. Schon in der Dunkelheit erreichten wir Assuan und mussten uns dort zunächst von unserem ebenfalls liebgewonnenen jungen Polizeibegleiter verabschieden. Ein Polizist muss auf jeder Tour an Bord sein, das ist Vorschrift. Unser netter Polizist, mit dem wir so schöne Tage erlebt und viele Gespräche geführt hatten, hiess Ashraf. Er war todtraurig uns verlassen zu müssen, denn er hatte sich unsterblich in Miriam verliebt…
Ein ganz ganz grosses Dankeschön geht auch an Steven, den Reiseleiter unserer Tour! Die Tour war von ihm so perfekt organisiert, dass man die Organisation gar nicht bemerkte. Besser kann man es einfach nicht machen! Mit ihm und seinem Team wären wir auch bis ans Ende der Welt getuckert.

Und wir alle, wir hatten uns unsterblich in den See verliebt und werden ganz sicher wiederkommen. Für mich geht es am 4. Dezember wieder los. Ich kann es kaum noch erwarten…

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Abschied von unser lieben Crew im Hafen von Abu Simbel: Steven, Ramadan, Sadat, Mohamed und Polizist Ashraf.


Ingrid Wecker

(Alle Fotos: Dr. Hermann H., Ingrid W., Erika und Hansruedi aus der Schweiz)

die internetseite des veranstalters --> www.lakenasseradventure.com

Den Beitrag für Kommentare und Fragen zu diesem Bericht findet ihr hier:
http://isis-und-osiris.de/isisosiris/main/phpBB2/viewtopic.php?p=104441#104441

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