heute sind wir auf der suche nach dem „kleinen“ tempel der Isis mitten im
assuaner stadtgebiet.
wie ihr auf der karte sehen könnt fahrt ihr am nil entlang an der großen kathedrale vorbei
und haltet euch dann links am kreisverkehr, so kommt ihr am tempel vorbei.

der isis tempel von syene wurde 1871 durch zufall bei bauarbeiten zu einer neuen
bahnlinie mitten in assuan wieder entdeckt.

als erbauer wurden Ptolemaios III. Euergetes I und Ptolemaios IV. Philopator (I.)
( Ptolemy III Euergetes and Ptolemy IV Philopator. ) ausgemacht.
es wurden aber auch Tiberius, Claudius und Trajan im tempel verewigt.

viele haben hier (kurz) gegraben / gearbeitet wie z.b. Auguste Mariette (1821-1881)
und Jacques de Morgan (1857-1924)
grabungen in neuester zeit im bereich assuan wurden in den frühen 1970 vom
Schweizerischen Institut für Ägyptische Bauforschung und Altertumskunde durchgeführt.
zwischen 1986 und 1993 wurden dann auch ausführlichere arbeiten am isis tempel vorgenommen.
seit 2000 ist eine langfristige zusammenarbeit mit dem Supreme Council of Antiquities Aswan
im ganzen stadtgebiet von assuan angestrebt.

ziel dieser zusammenarbeit ist mehr von der alten stadt Syene (altägypt. Swnw) aus
griechisch-römischer zeit zu erfahren. Syene ist im laufe der jahrhunderte unter dem modernen
assuan durch überbauung gänzlich verschwunden. die stadt syene war neben elefantin oder
besser gesagt zusammen schon immer / meistens die südliche grenzstadt ägyptens.
aus diesem grund war sie auch in der geschichte eine führende garnisonsstadt mit allem
was dazu gehört. natürlich war die ecke um den nilkatarakt einst auch ein bedeutendes
handelszentrum und für seine granitvorkommen auch weit über die grenzen bekannt dafür.

im osten des tempels wurden reste der alten stadtmauer und sogar ein wachturm entdeckt.
die stadtmauer diente hier einst als schutzwall ( Temenosmauer ) die vor überflutungen
aus dem flutgebiet das „Birket Damas“ genutzt wurde und somit wohl die zeit überdauert hat.

bei den arbeiten 2000 wurde auch den lehmziegelhäusern aus der spätantike und der arabischen zeit
mehr aufmerksamkeit zugewannt.

die ältesten bauten um den tempel waren noch „normale“ lehmziegelbauten. im laufe der zeit wurde
die bevölkerung in syene aber zahlreicher, so dass man zum bau von damals bevorzugten turmhäusern
überging.


wie ihr sehen könnt sind die unteren stockwerke und treppenaufgänge zum teil noch erhalten.
bei den grabungs und konservierungsarbeiten in der kaiserzeitlichen und byzantinischen stadt
sind viele gegenstände aus dem mittelmeerraum zu tage gekommen.
was wohl ein indiz für einen hohen lebensstandart im alten assuan / syene ist.


wenn ich mir aber die enge bebauung so ansehe und bedenke, dass es ja im sommer sehr heiss
hier ist ?? kann ich mir vorstellen dass es hier keine guten lebensverhältnisse waren und es
hier sicher oft zu spannungen unter den nachbarn gekommen ist.

das relief auf dem türsturz über dem eingang besteht aus 4 registern in denen man Maat, Khnum,
Satis, and Anukis, erkennen kann (leider alles herausgemeißelt)
das ganze wird von isis schwingen überflügelt.

auf der laibung des einganges ist eine hymne an RE und eine hymne an Isis dargestellt,
auch soll man die kartusche von Ptolemaios IV. Philopator (I.) erkennen können.

da der tempel leider ja nicht zugänglich ist habe ich hier erst mal eine karte vom grundriss
des Ost-West-Tempel der Isis der 19x 15x 7m misst.
der innenraum besteht aus einer halle mit zwei quadratischen säulen (P I und P II)
und ein naos (F) mit zwei seitenkapellen (H und J).

nur an den haupteingängen (B, C und E) und an der ostwand des naos (F), konnten weitere
reliefs gefunden werden. sie enthalten unter anderem die kartuschen von Ptolemaios III.
und seinem nachfolger Ptolemaios IV.
später wurde der tempel als kirche weiter verwendet und zweckmäßig umgestaltet wie im
plan oben gut zu sehen. der (um) baustil ist wohl typisch für kirchen aus dem
6.-9. Jahrhundert n. Chr. es wurden auf der säule P I fresken in blau, rot und schwarz gefunden.
dargestellt ist eine weibliche figur die auf einem thron sitzt und von drei personen umgeben ist.
man geht davon aus dass es maria sein soll für die die kirche wohl einst geweiht war.
auf der säule P II ist ein engel und drei bärtige männer dargestellt. im Seiteneingang C wurden
auch kreuze in den stein gemeißelt.
da die fresken sich auf einer höhe von ca. 1m vom bodenniveau befinden wird davon ausgegangen
dass die wandlung vom tempel zur kirche recht schnell vollzogen wurde.

es wurden auch 3 altäre aus rotem assuan granit mit einer höhe von 86 cm gefunden.
sie waren mit der kartusche Ptolemaios X versehen und man geht aber davon aus
das ihr eigentlicher standpunkt in den seitenhallen H und J waren. später wurden sie
dann beim kirchenumbau in halle D verbracht.


als das bodenniveau in den jahrhunderten stieg war der eingang nicht mehr zugänglich und
so hatte man die zwei löcher oben in den tempel als zugang gehauen.
leider erlitt der tempel somit das gleiche schicksal wie viele anderen auch, denn wie die
schwarzen rußspuren und der dreck zeigen wurde der tempel als stallungen
und wohnraum benutzt.

wo wir gerade bei zweckentfremdung sind … hier haben wir mal ein gutes beispiel wie auch
heute noch die reste des tempels wieder verwendet werden.


durch das steigende bodenniveau haben sich sehr viele graffiti erhalten.
so hat z.b. Edda Bresciani 1970/71 wohl 80 texte in demotischer, griechischer und koptischer
schrift gefunden aber nur 40 davon veröffentlicht. bei den neueren arbeiten der schweizer
sind aber noch viel viel mehr entdeckt und erforscht worden. hier schwanken die zahlen
von 250 bis über 300 graffiti … die genaue zahl konnte ich in den quellen leider
nicht genau nachvollziehen.

diese schönen löwenköpfe haben sich auch noch über die ganze zeit erhalten.

um den tempel befinden sich die vielen fundstücke die bei den grabungen hier entdeckt wurden.
wie ich in den quellen gelesen habe hat die letzte grabung hier schon 2004 stattgefunden.



hier haben wir ein schönes stück in der menge gefunden. nur fehlt leider der untere teil der
kartusche die es mir ermöglichen würde Ptolemaios III. Euergetes I oder
eben Philopator (I.) zu erkennen.

unter anderem haben wir auch ein kreuz gefunden das uns zeigt dass der tempel wirklich
auch als kirche benutzt wurde.


bei unserer umrundung des tempelgeländes haben wir auch diesen „neuzeitlichen eyecatcher“
gefunden


nun noch einen letzten blick auf den tempel bevor wir weiter ziehen.

… isis ...
quellen:
P&M - TOPOGRAPHICAL BIBLIOGRAPHY OF ANCIENT EGYPTIAN HIEROGLYPHIC TEXTS, RELIEFS, AND PAINTINGS V. UPPER EGYPT : SITES
http://swissinst.ch/html/forschung_neu.html
Dijkstra The Reuse of Temples at Elephantine and Syene_Religious encounters on the southern Egyptian frontier in Late Antiquity