Hallo Kyda,
um es ganz offen zu sagen: Tierschutz ist Ägypten ein Fremdwort. Es gibt ihn praktisch so gut wie gar nicht. Ein Tierschutzgesetz wird zwar zur Zeit debattiert, aber noch immer gibt es keine rechtliche Handhabe, gegen die weitverbreiteten Tierquälereien vorzugehen. Geschlachtet wird besonders anlässlich des Opferfestes auf den Strassen im Beisein der Kinder und meist von Menschen, die das nie gelernt haben und mit stumpfen Messern. Kinder, die Tiere quälen werden von den Erwachsenen oft geradezu ermuntert - es gilt als mutig!
Besonders Hunde haben oft Schreckliches zu erleiden, weil sie als rituell unrein gelten. Zwar sind Hunde-Welpen bei Kindern als Spielzeug beliebt, aber man spielt so lange mit ihnen, bis sie entweder sterben oder man wirft sie einfach irgendwo auf der Strasse wieder weg. Sehr häufig haben wir es mit Welpen zu tun, denen die Kinder einfach so aus Spass die Augen eindrücken, mit ihnen Fussball spielen oder wie neulich passiert, mit einem Strick um den Hals von einer Brücke aus ins Wasser fallen lassen und immer wieder hochziehen - zur Gaudi der übrigen Kinder. Strassenhunde werden erschlagen, erschossen oder qualvoll mit Strychnin vergiftet - im Auftrag der Behörden! Obwohl der Koran eigentlich einen achtsamen Umgang mit den Tieren fordert, hat Tierschutz keine Grundlage in der Bevölkerung und gilt allgemein als westlich-dekadent. Trotz, oder gerade deswegen, gibt es eine Reihe sehr verdienstvoller Tierschutz-Organisationen in Ägypten. Die meisten von ihnen sind entweder von Ausländern gegründet, wie Bluemoon oder Brooks, das jedoch hauptsächlich mit ägyptischem Personal arbeitet und sich vor allem um Nutztiere kümmert. Es gibt aber auch seit ein paar Jahren eine rein-ägyptische NGO, die Society for the Protection of Animal Rights in Egypt, kurz S.P.A.R.E. genannt. S.P.A.R.E. betreibt neben einem Tierheim auch eine Tierklinik für Nutztiere in Sakkara, wo die Bauern kostenlos ihre Tiere behandeln lassen können - ein Angebot, das dringend gebraucht wird und von dem die Landbevölkerung regen Gebrauch macht. Aber die Tierärzte dort und auch die Medikamte müssen aus Spendengeldern bezahlt werden und deshalb ist dort jede kleine Hilfe hochwillkommen.
Man sollte eigentlich meinen, dass Menschen, die ihren Lebensunterhalt nur mit Hilfe der Tiere verdienen können, diese Tiere auch so behandeln, dass sie diese Leistung auch erbringen können. Aber geschundene und an Entkräftung auf den Strassen verendende Lasttiere sind ein alltäglicher Anblick und es ist schwer, den Menschen klarzumachen, dass sie ihre kranken Tiere behandeln lassen müssen, wenn sie morgen noch von ihnen leben wollen. Auf den Links, besonders zu den lokalen Presseartikeln auf dieser Website kannst Du dazu einiges lesen!
http://www.sparealife.org
Tut mir leid, aber das ist die Realität in Ägypten - und nicht nur dort!
Viele Grüsse,
meret
Wenn Du liebst, liebe eine Göttin, wenn Du stiehlst, stiehl ein Kamel (Ägyptisches Sprichwort)