Augenzeugenbericht über das Feuer beim African Safari Club

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Osiris
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Augenzeugenbericht über das Feuer beim African Safari Club

Beitragvon Osiris » Sa 04 Okt, 2003 14:12

"Wir sind um unser Leben gelaufen"

Grazerin schildert die bangen Stunden in der Flammenhölle im African Safari Club in Kenia. Und kritisiert die Zustände im Shanzu-Resort.

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Eine Stunde zuvor hatten sie noch mit einem Kellner über die Brandgefahr geplaudert und darüber gescherzt, dass es besser wohl kein Feuer geben sollte. Ein Stunde später wurde aus diesem Spaß Ernst. Das Shanzu-Resort des African Safari Club in Kenia stand am Montag der Vorwoche in Flammen. Mitten drinnen zwei Grazer Paare.
Bange Stunden. "Erst im Nachhinein wurde mir klar, wie knapp wir entkommen sind", schildert nun nach ihrer Rückkehr am Sonntagabend Sonja Piro. "Wir mussten um unser Leben laufen", erzählt die 28-Jährige von den bangen Stunden. Die vier waren von einer Safari in das "Paradise Beach" zurückgekehrt, das nördlichste der vier Hotels im Resort. Nach dem Duschen, etwa um 19.15 Uhr, ent deckte Piro Flammen über dem nächsten, nur 15 Meter entfernten Hotel. Auch die Restaurants haben lichterloh gebrannt, sie waren ja nur aus Holz und Palmblättern gebaut."

Flucht. Mit den Wertsachen und einem halb gepackten Koffer gelang den Grazern die Flucht. "Es war beklemmend. Wir haben geschrien, aber niemand hat reagiert. Wir wussten nicht, dass wir die letzten im Haus waren, dessen Dach schon brannte. Am sichersten erschien den vier Grazern der Strand. "Dort sind wir 80 bis 100 Gästen gestanden, der Himmel war gelb, wir sahen die Flammen. Und fragten uns: Wo sind die anderen der 500 Gäste?" Die waren auf der anderen Seite des Klubs auf einen Parkplatz entkommen, wie sich später zeigte. Selbst der Strand war nicht sicher. "Es kam die Flut, er wurde immer kleiner." Also flüchtete die Gruppe erneut ­ entlang des Meeres zum nächsten Hotel, das ebenfalls zum African Safari Club gehört. Dorthin wurden nach und nach auch die anderen Gäste gebracht.

Chaotische Zustände. Dort habe das Chaos geherrscht, berichtet Piro, in Graz Mitarbeiterin der Steirischen Tourismus-GmbH. Wenn nicht die deutsche Bundeswehr gerade wegen einer Übung in der Nähe gewesen wäre, hätte die Registrierung der Eintreffenden wohl nicht funktioniert, fürchtet sie. Und spart nicht mit weiterer Kritik. Nur weil sie sich selbst darum gekümmert hätten, bekamen sie ein Zimmer in dem Hotel. "Andere mussten die ganze Nacht in der Lobby warten, bis sie irgendwo untergebracht wurden." Es habe keine offizielle Information gegeben, nur Gerüchte. Keine Heimflüge, zu wenig Essen und Getränke in dem Hotel, in dem die Opfer versorgt wurden. Und bis heute keine offizielle Information oder Stellungnahme des Clubs. "Unser Resort war offenbar nicht einmal mit einer Brand-Alarmanlage ausgerüstet, es gab keine Sirene. Hätten wir den Brand nicht selbst entdeckt...", will Piro gar nicht mehr weiter reden.


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Zurückgewiesen wurde die Kritik der Grazerin am Ablauf der Rettungsaktion und der Sicherheitsmaßnahmen im Shanzu-Resort von der Geschäftsführerin der Österreich-Dependance des African Safari Club in Salzburg. Es seien alle Urlauber evakuiert worden, "niemals haben wir Gäste sich selbst überlassen", so Brigitta Pansy-Kunesch. Auch sei niemand von jenen, die ihr Hab und Gut ganz oder teilweise in den Flammen verloren haben, allein gelassen worden. "Wir haben in jedem Hotel, in dem Gäste untergebracht worden sind, Reiseleiter stationiert, die sich darum gekümmert haben, dass die Gäste zurechtkommen." Derzeit sei man dabei, alle betroffenen Österreicher zu kontaktieren - "nicht per Brief, sondern telefonisch, weil wir gerne mit ihnen reden wollen". Ob es eine Brandalarm-Anlage in dem Resort gab, wisse sie nicht, gab Pansy-Kunesch zu.


(quelle: kleine zeitung, österreich)