Teil 1 und 2 über unseren Trip nach El Hawawish

Hier könnt ihr Einsteigerfragen zu Ägyptologie, Tempeln, Götter usw. stellen, aber auch zur gegenwärtigen Kultur, dem Land und seinen Menschen Stellung beziehen

Moderatoren: Uli, Isis

Benutzeravatar
Isis
Administration
Beiträge: 17006
Registriert: Sa 07 Sep, 2002 00:33
Wohnort: BW
Kontaktdaten:

Teil 1 und 2 über unseren Trip nach El Hawawish

Beitragvon Isis » Do 02 Jul, 2026 14:12

El Hawawish / al Hawawisch /el Hawawish / Maqabir al-Hawawisch


Heute nehme ich euch mit auf den „Gräberberg“ von el Hawawish.
Hier befindet sich die Felsennekropole von Ipu, der alten Hauptstadt des
9. oberägyptischen Gaues. Heute heißt die Stadt Achmin / Achmim
und ist eigentlich eher für seine Merit-Amun-Statue
(Ehefrau und Tochter von Ramses II.) und den Min-Tempel bekannt.
Das ist aber eine andere Story und Platz, über den ich schon einmal 2004
berichtet habe --- https://www.isis-und-osiris.de/isisosir ... inia1.html
und auch noch einmal einen neuen Bericht machen werde.

Um Achmim herum wurden mehrere Nekropolen gefunden, unter anderem
el-Salamuni (Neues Reich), das wir aber leider nicht besuchen durften,
da es wieder einmal nicht für Touristen zugänglich ist.
Nur komisch, dass es mal geöffnet war … aber wie so oft in Ägypten:
nicht alles, was heute offiziell zugänglich ist, ist morgen auch noch offen.

El Hawawish wurde in zwei Teile unterteilt: 1) El Hawawish A,
befindet sich näher am heutigen Kanal, liegt auf einem Hügel
in ca. 20 bis 30m Höhe und erstreckt sich über ca. 3km Länge.
2) El Hawawish B: Diesen Friedhof besuchen wir nun; er ist unter den Ägyptern
auch als Beit e-Medina bekannt ist.

Bild

Hier sind bis jetzt mehr als 800 Gräber gefunden worden.
Die Nekropole umfasst die Zeit des Alten Reiches und der ersten Zwischenzeit
und wurde ca. 400 Jahre lang genutzt (Regierungszeit der Könige Pepi und Teti I.)
Bei 60 von den Gräbern wurden noch Inschriften und Begräbnisszenen
entdeckt. Fünf der schönsten Gräber sind seit 2021 auch zu besichtigen.

Bild

Auf der Anfahrt kann man den Berg schon von Weitem ausmachen;
und so konnten wir unser Ziel fast nicht verfehlen.

Bild

Als wir näher kamen, sahen wir auch die zwei Türme
der Masgid-el-gebel-el-sharqi-Moschee („Moschee des östlichen Berges“),
die auf der gegenüberliegenden Bergspitze erbaut wurde. (Bild links)

Bild

Wir haben nun die Nekropole B von Ipu den Berg Beit e-Medina erreicht.
G. Maspero führte hier 1888 das erste Mal wissenschaftliche Untersuchungen durch.
Ihm folgte dann 1912 Percy Newberry, der hier ebenfalls einige Gräber untersuchte.
1979 bis 1992 wurde die Nekropole vom Australian Research Council und
dem Australian Centre for Egyptology Research der Macquarie University
unter der Leitung von Naguib Kanawati untersucht;
welcher die ganze Arbeit in 10 Bänden festgehalten hat.

The Rock Tombs of El-Hawawish: The Cemetery of Akhmim


Informationen aus diesen 10 Bänden werde ich hier im Bericht verwenden,
die Genehmigung zur Nutzung seiner Pläne liegt mir von ihm persönlich schriftlich vor.


Bild

Bild

Im Februar 2021 war es dann auch soweit, dass die ganze Nekropole
mit einer großen Feier für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.
Die Planer des Ganzen haben wohl mit einem Riesenandrang auf die
Hawawish-Nekropole gerechnet und haben m.M.n. alles etwas
überproportional angelegt. So wirkte unser Bus auf dem großen Parkplatz
etwas verloren. Seit der Eröffnung wurde auch die Preistafel nie erneuert oder zumindest
versucht, die neuen Preise irgendwie sichtbar zu machen. Die 60LE waren noch von 2021;
heute (2025) kosten die Eintrittskarten 150LE.
Auch das Besucherzentrum und das Café waren geschlossen. Beim Café habe ich
es wegen der „vielen nichtanwesenden“ Touristen auch noch eingesehen,
dass es geschlossen hatte; aber warum das
Besucherzentrum auch geschlossen war, erschließt sich mir nicht.

Bild

Bild

Es soll wohl tagesformabhängig sein, ob es offen ist oder geschlossen, wie uns ein
User im Nachhinein mitteilte, da es bei ihm offen war. Und so hat er für den
Bericht hier, auch die Karte mit den Übersichtsplänen auf Bild gebannt.

Bild

Hier haben wir auch ein kleines Video des Areals, dass die Dimensionen
der zu besichtigenden Anlage zeigt.
https://www.youtube.com/watch?v=CqM09qrVwUk

Nun geht es aber los, und wir beginnen mit dem Aufstieg.
Laut Aussage unseres Ghafirs haben wir nun einen 600m
langen Treppenaufstieg vor uns, was sich eigentlich ja nicht ganz
so schlimm anhört; als er uns aber auch etwas von wegen 1400 Stufen
erklärte, klang es nicht mehr ganz so harmlos. Die Angaben konnten wir
leider nicht bestätigen, denn wir haben uns beim Aufstieg und dem Zählen
der Stufen - verzählt und es dann aufgegeben :)
Es waren auf alle Fälle viiiiieeele Stufen für mich als ungeübte Treppensteigerin.

Ich habe euch einmal den Weg, hier in die Karte mit den
einzelnen Plattformen bzw. Rastplätzen mit Bänken eingezeichnet.

Bild

Bild

Bild

Bild

Nun haben wir die Höhe erreicht, wo links und rechts des Weges
auch schon die ersten Gräber auftauchen.
Diesen widmen wir uns aber auf dem Rückweg, nun muss erst
mal das erste Etappenziel erreicht werden.

Bild

Geschaaaafffft … die erste Ebene, die auf einer Höhe von 196 Metern
liegen soll, ist erreicht und erfreut uns mit diesem Ausblick auf die Gräber …
und diesen phantastischen Ausblick über den Nil.
Die Anstrengung hat sich schon alleine dafür gelohnt.

Bild

Unser erster Weg führt uns zum Grab des
Nehwet Desher (Nhwt-dSr) -
Nehut-descher alias Mery - G95
Die Datierung des Grabes wurde auf die frühe oder mittlere Regierungszeit
von König Pepi II. (2278–2184 v. Chr.) festgehalten.
Mery war der unmittelbare Nachfolger von Tjeti / Kai-hep (Grab M8)
der wahrscheinlich sein Bruder war.

Bild

Nehwet Desher wird auf seinem Sarg (CG 28007) auch als Mery (Mrjj)
bezeichnet und war ein hochrangiger Beamter, der unter anderem folgende Titel trug:
Aufseher der Priester - jmj-rA Hm.w-nTr
Eingeweihter in das Geheimnis des Schatzes des Gottes - Hrj-sStA n sDAwt-nTr
großer Oberherr der Provinz - Hrj-tp aA n spAt
Diener des Min – Hm Mnw
Stolist des Min - smA Mnw
einziger Gefährte - smr watj
Schatzmeister des Königs von Unterägypten - sDAwtj-bjtj
(Übersetzung Naguib Kanawati)

Anmerkung von Astrodoc:
sDAwtj-bjtj (neue Lesung: xtmw-bjtj) ist der „Siegelbewahrter des
Königs von Unterägypten“, während Hrj-sStA n xtmw-nTr
eher als „Geheimrat des Gottessiegelbewahrers/des Obersten Balsamierers“
zu verstehen ist. (Übersetzungen nach R. Hannig)

Die Lage des Grabes direkt an der Ecke des Berges verhinderte eine imposante
Außenfassade, und auch das Innere ist recht einfach gehalten, ganz ohne Säulen oder
Ähnliches. Man geht davon aus, dass sein Sohn, der das Grabmal für seinen Vater errichten ließ,
ihn neben seinem Grab bestattet haben wollte. (zu ihm kommen wir aber noch)

Bild

Die schräge Außenfassade ist leider abgebrochen, so dass ihre Höhe nicht
eindeutig bestimmt werden kann; aber sie ist 2,30m breit ausgearbeitet worden.
Die Grabkapelle selbst ist unregelmäßig aus dem Fels gehauen, so dass sie mehrere
Maße hat: 3,45m bis 3,85 auf 6m, die Höhe der Decke ist mit 1,80m
auch nicht gerade sehr hoch gehalten.
Die Nische ist 0,55 m breit, 0,45 m Tief und 0,90 m hoch.
Was sich darin wohl einst befunden haben mag??

Bild

Hier auf der Ostwand ist der Grabherr mit einem langen Rock und einem Panterfell dargestellt,
was ihn somit als Oberpriester ausweist; auch sind hier seine oben genannten Titel in
der Hieroglyphenspalte zu sehen. Es sind drei seiner Söhne verzeichnet, die mit
„sein Sohn, sein Geliebter“ angegeben sind. Der erste Sohn ist vor ihm zu sehen und weist
ihn (auch) als Meri aus, die beiden anderen Söhne stehen hinter ihm in zwei Registern.
Bei dem oberen ist „Aufseher der Priester von Min“ und bei dem unteren „der Gefährte,
der Aufseher der Priester, Tjeti“ angebracht.
Vom Rest der umfangreichen Opferliste ist leider nicht mehr viel zu sehen.

Bild

Hier haben wir die Südwand. Wenn ich mir die Umzeichnung von Kanawati ansehe,
war sie „damals“ noch besser erhalten, denn er hatte die ganzen Texte (zum Glück) noch
kopieren können. Er erkannte im oberen Register zwei Söhne, davon war einer als:
„sein ältester Sohn ... , der einzige Gefährte ...“ betitelt, dabei handelt es sich wohl um
Shepsi-pu-Min, der das Grab hier für seinen Vater ausschmücken ließ
und auch sein Nachfolger im Amt wurde. (leider ist er heute nicht mehr zu erkennen)

Im unteren Register sind nochmals zwei Söhne und drei Töchter
mit ihren Titeln dargestellt:

1. „sein Sohn, sein Geliebter, der Aufseher der Priester, Tjeti“
2. „sein Geliebter, der Leiter eines Stammes ... „
3. - Tochter - „Shjht / Sehihet“
4. „seine Tochter, die Bekannte des Königs, Imat“
5. „seine Tochter, seine Geliebte, Iti“

Bild

Bild

Nehutdescher hat sich hier an der Nordwand mit seiner Frau darstellen lassen.
Eigentlich sind es getrennte Szenen, da sich beide vor einem Opfertisch befinden
und sich somit gegenüber sitzen.
Die Darstellung des Grabherrn ist aber fast nicht mehr zu erkennen, so konzentrieren wir uns
auf seine Frau namens Isi / Jsj, deren Titel hier unter anderem aufgeführt sind:
„(1) Ein Opfer, das der König gibt an Anubis, der auf seinem Berge ist, der
sich am Einbalsamierungsort befindet, den Herrn des Heiligen Landes,
auf dass er geben möge ein Totenopfer für die Ehrwürdige
(2) vor dem großen Gott, die Bekannte des Königs,
die Priesterin der Hathor, Herrin der Sykomoren, Isi.“
Die übrigen Inschriften in diesem Abschnitt sind identisch
mit denen, die sich auf den Tisch des Ehemannes beziehen.

Auch ist hier die Rede von
„Tausend Broten, tausend Biere, tausend Alabaster, tausend Kleider,
tausend Vögel und tausend Ochsen“ als Opfergabe.

Bild

Nun kommen wir vielleicht noch kurz zu den drei Grabschächten, die hier
gefunden wurden. Leider waren alle drei geplündert und undekoriert.

Der erste Grabschacht, der heute noch offen gehalten wird, befindet sich vor der Scheintür, und
es wird angenommen, dass Nr. I für den Grabinhaber selbst errichtet wurde.
Der Schacheingang bzw. Öffnung ist 2,80m x 1m und führt senkrecht in eine Tiefe von 5,10m.
Die Grabkammer selbst ist 3,50m bzw. 3,10m x 2,15m bzw. 1,80m.
Die Decke wurde als Gewölbe errichtet und hat an der flachsten Stelle nur
eine Höhe von 0,85m und in der Mitte max. 1,20m.
Die Bestattungsgrube ist nochmals 0,70m tiefer in den Boden gearbeitet
und verfügt über eine Länge von 2,55m und eine Breite von 1,05m.

Bild

Nummer II und III wurden nach der Erforschung zum Schutze wieder verfüllt.
Bei Grabschacht Nummer II handelt es sich um einen abfallenden Gang.
Der Gang führt im 20° Winkel auf einer Länge von 5,30m unterbrochen von Stufen
nach unten. In der Grabkammer wurde eine 3,15m 1,10m große Grabnische ausgearbeitet.

Bild

Nummer III ist die kleinste Grablege und befindet sich so zu sagen direkt an der
Eingangstür. Auch hier wurde ein schräger Gang mit einem Einstieg von nur 1,65m x 0,80m
nach unten gegraben. Am Ende des recht kurzen Ganges befindet sich die 1,50m / 1,60m x 1,20m
kleine Grabkammer; auch die niedrige Decke von max. 1,05m fällt bis auf 0,85m
ab. Am Ende ist noch eine kleine Nische von 15cm tiefe und einer Breite von 55cm ausgearbeitet.

Bild

Wir fragten uns vor Ort, ob diese Tür eigentlich einst als Scheintür konzipiert und
sie dann später als reale Tür umgebaut wurde ?? Die Antwort lieferte mir dann
bei der Aufarbeitung hier zu Hause, Buch Nr. 8 von Kanawati.
Es war wohl wirklich als Scheintür mit 1,10m breite und einer Höhe von 1,70 erbaut
worden. Es wird anhand der wenigen Reste, die noch vom Original erhalten sind,
davon ausgegangen, dass die ursprüngliche Scheintür (wie bei den anderen Gräbern)
über ein Gesims mit der typisch ägyptischen Hohlkehle verfügte.
Es ist nicht bekannt, wann die „Schein-“ zur „Real-“Tür umgearbeitet wurde;
auf alle Fälle konnte man dann von G95 direkt zum Nachbargrab G97, das
seinem Sohn gehörte, durchschreiten.
Das Grab wurde später auch von koptischen Menschen bewohnt, die die ursprünglichen
Malereien mit Lehm „verputzten“ und neu dekorierten. Was wohl nachträglich als Glück
zu sehen ist, da so die Farben erhalten geblieben und die Szenen von Nehwet Desher erst
nach dem Entfernen des Lehms wieder zum Vorschein gekommen sind.

Bild

Nun schauen wir uns in unmittelbarer Nähe erst einmal in den
undekorierten Gräbern um. So war der Plan … aber leider hatte ich nicht viel Zeit, mich den
Gräbern zu widmen, da meine Abwesenheit von der Gruppe doch recht schnell
von unserem Ghafir entdeckt wurde. Deshalb habe ich leider nicht viele Bilder dazu.

Auf dem Plan kann man aber gut erkennen das alle drei Gräber G96 / G97 / G98
später mit Durchgängen bzw. Durchbrüchen verbunden wurden.

Leider ist die Dekoration der anderen Gräber fast nicht mehr erhalten, was eine genaue
Zuordnung erschwerte. Kanawati geht aber - wie oben schon mal angesprochen -
davon aus, dass der Grabherr von G98 der Sohn von Nehwet Desher aus G95 ist.
Dazwischen befindet sich G97, das er älter als die beiden anderen einstuft, und das
somit schon vorher angelegt wurde.

Hier bei G97 wurden Fragmente von Inschriften seiner Titel als
Lektor / Vorlesepriester und alleiniger Begleiter gefunden, aber vom Namen des Grabinhabers
leider keine Spuren mehr. Kanawati vermutet aber aus seinen Infos, dass es sich hier um den
Vater bzw. Vorgänger im Amt von G95 Nehwet Desher handeln könnte.
Auch wird das Grab in die später Regierungszeit von Pepy I. ( Nefer-sa-Hor )
oder an die Anfangszeit von Merenre ( Meri-en-Re ) datiert.

Bild

Die Eingangsfassade wurde in einer Breite von 1,80m und einer Höhe von 1,75m
konzipiert. Die Tür selbst ist 0,90m breit und 1,55m hoch aus dem Felsen gearbeitet
worden, sie führt zu einer unregelmäßig geformten „Einraum“-Kapelle.
In der Grabkammer wurden zwei vertikale Schächte gefunden, die beide
geplündert waren. Dieser Schacht I. direkt am Eingang, hat einen Zugang von
2,15 m x 0,90 m und führte 4,40 m bzw. 4,85m in die tiefe wo
sich die 2,55m x 1,20m große Grabkammer befindet.
Der kleine Schacht II. in der südwestlichen Ecke ist nur 0,90m x 95m
und 3,95m tief, auch die Grablege selbst misst nur 1,10m x 1,15m.

Bild

Nun schauen wir auch noch „kurz“ ins Nachbargrab G98,
das nur durch die Seitenwand abgegrenzt wird.
Da ja bekannt ist, dass ein Shepsi-pu-Min das Grab für seinen Vater Nehwet-desher
errichten und dekorieren ließ, und man sein Grab aber in der Nähe nicht finden bzw.
zuweisen konnte, geht Kanawati davon aus, dass es die Grabanlage G98 ist.
(Nicht zu verwechseln mit dem Grab H24 Schepsi-pu-Min / Kheni.)
Seine Amtszeit wird in die frühe bis mittlere Regierungszeit von Pepi II / Nefer-ka-Re
vermutet. Er ließ seine Eingangsfassade 2,50m hoch mit einer Zugangstür von 0,90m breite
und 1,90m Höhe aus dem Berg herausarbeiten.

Beim Betreten der Grabanlage fällt rechts gleich dieser Durchbruch zur Grabanlage G97
ins Auge. Der Durchgang wurde aber wohl erst in koptischer Zeit durchgebrochen.
Was hier auch gut auffällt, ist, dass die Grabanlage tiefer errichtet wurde
als das Nachbargrab, da das Bodenniveau dort höher ist.

Bild

Überrascht war ich dann doch von der Größe der Anlage mit 6,40 bis 6,60 x 6,00m.
Die unebene Deckenhöhe, die zwischen 2,70 m und 2,90 m variiert, lässt das Ganze
recht imposant erscheinen. Geradeaus fällt einem die große Nische auf,
deren Inneres 5,85m misst und die von zwei Pfeilern vom Rest der Kapelle abgegrenzt wird.

Mit Blick auf den Aus-/Eingang sehen wir nun, dass das zweite „Loch“ niemals
als Durchgang gedacht war; auch das geschah erst bei der Zweitnutzung durch die
späteren koptischen Bewohner. Es wird auch davon ausgegangen, dass die
große Grabanlage ihren Nutzen als Kirche gefunden hatte.
Das zeigt wohl, dass alle Originalbildnisse vollständig verschwunden sind
dafür aber noch koptische Graffiti, sowie Figuren
von Heiligen an den Wänden erhalten geblieben sind.

Bild

Die drei Nischen bei den Säulen entpuppten sich als nur zwei, denn die mittlere
führte zu einem abfallenden Gang Nr. V. Die Öffnung, die wir hier sehen, ist 2,25m x 1m groß
und führt über 9m in die Tiefe und schlussendlich zu einer unregelmäßigen Grabkammer
von 1,55m x 2,90m / 2,40m und einer Höhe von 1,05m.
Diese Einkerbungen sind auch auf die spätere Nutzung der Grabanlage zurückzuführen.

Bild

An der Nordwand sind weitere drei Pfeiler errichtet worden, von denen der mittlere später
absichtlich entfernt worden ist. Der hintere Teil der Grabanlage ist nicht fertiggestellt worden;
wohl aus Zeitmangel, da der Grabinhaber früher verstorben ist. Er ließ dort aber Grabschacht III und
IV anlegen. Beide führen über einen schräg abfallenden Gang nach unten zu je einer Grabkammer.
Auch kann man von hier aus sehen, dass im oberen Bereich begonnen wurde,
einen „Schrein“ auszuarbeiten, der aber auch nie zur Vollendendung kam.

Wie gerne hätte ich die Planskizzen vor Ort
dabei gehabt, um einen besseren Überblick des Grabaufbaues zu haben.

Bild

Hier blicken wir in Grabschacht I und II.

Nr. I ist als abfallender Gang gearbeitet und führt zu einer 2,20m x 2,40m
Grabkammer, die aber nie fertiggestellt wurde. Nr. II wurde als senkrechter Schacht angelegt
und führt 5,95m in die Tiefe zu einer grob behauenen Grabkammer mit den Maßen 3,60 m x 2,75 m
und durchschnittlicher Höhe von 1,20 m. Kurios ist, dass sich beide den Zugang mit einer
Öffnung von 2,60 m x 1,05 m teilten.
Hier in Nr. II wurde auch das Fragment mit den Titeln des Grabbesitzers (siehe oben)
und somit der einzige noch schriftliche Hinweis gefunden.

Bild

Bild

Bevor wir das Grab verlassen, fällt der Blick noch auf den
zweiten Durchbruch in Grab G97 auch hier kann man nochmals
die gut ausgearbeitete Ein-/Ausgangstür sehen.

Bild

Aber nun erst einmal weiter ...

Bild

In G101 habe ich mich ohne Plan erst einmal nicht vorgewagt, da der
Grabschacht direkt am Eingang lag.
Kanawati lässt die Gräber in seinen Aufzeichnungen auch unbeschrieben,
da auch sie keiner Person zugeschrieben werden können.

Bild

Bei G103 sieht man auch gut, wie „verschachtelt“ die
ganzen Anlagen gebaut wurden.

Bild

G104 verfügte ebenfalls über einen zentralen Zugang, der noch
gut sichtbar war.

Bild

Auch hier befindet sich der Grabschacht direkt am Eingang

Bild

Nun aber wieder weiter auf der Südseite des Berges entlang ….

Bild

… OK entlang war „falsch“ gedacht, wie wir nach der ersten Biegung feststellten.
Wir mussten nämlich erst einmal eine „Etage“ weiterer Treppen hinunter :)
und es fiel uns gleich dieser vielversprechende Vorplatz auf.

Leider war unser Ghafir wohl der Meinung, dass die Grabanlage nicht so interessant sei,
und leider glaubten wir ihm auch. Nun bei der Ausarbeitung stellte sich das jedoch anders heraus.
Das Grab mit der Nummer M23 ist eines der größten und ältesten Felsengräber von El Hawawish
und gehörte wohl einem Mann namens Memi (Mmj) und seiner Familie.

Bild

Bei der Zuordnung des Namens ist man sich nicht sicher, da nicht viele Schriften gefunden
wurden bzw. fast alles verschwunden ist. Newberry listet die Grabanlage noch mit „Name zerstört“
auf. Kanawati dagegen hat bei seinen Arbeiten in unmittelbarer Nähe der Eingangsfassade zwei
Holzfragmente eines Sarges entdeckt, auf denen die Hieroglyphen Mmj zu erkennen sind,
so gibt er diesen Namen Memi eben vorläufig für die Grabanlage Nr. M23 an.
Er zieht Parallelen zum Grab von Hesi-Min M22 (zu dem wir gleich kommen)
und geht davon aus, dass diese Grabanlage unter Djedkare Ende der 5. Dynastie erbaut wurde.

Wenn ich mir nun die Planskizzen ansehe, ärgert es mich noch mehr, dass wir nicht einmal
einen Blick ins Innere geworfen haben, denn die Grabkapelle verfügt über eine Säulenhalle,
in der sich vierundzwanzig in Nischen stehende Statuen befinden, sowie eine Nebenkammer
und zwei große Scheintüren im Schrein.

Aber nun zurück zum Vorhof, dessen Boden bis zum Ende der Treppe 3,70m abfällt und
11,30 m (Ost-West) x 4,20 m (Nord-Süd) einnimmt.
Von hier aus kommt man in die Gräber M23, M22 und M21. Man geht
davon aus, dass sie auch in der Reihenfolge angelegt wurden.

Bild

Bild

In der Mitte des Eingangsbereiches sind noch Reste zweier Säulen zu erkennen,
so wird davon ausgegangen, dass sie einstmals ein Dach, dass bis zur Fassade
reichte, getragen haben was auch diese unebene Stelle an der Fassade zeigt.
Anhand dieser „rauen“ Stelle kann man auch die
ursprünglichen Maße für Höhe, Breite und Dicke des Säulendaches und somit auch die
Höhe der Säulen berechnen. Kanawati gibt die Säulen mit einer Basislänge von 1 m²,
die sich nach oben auf 0,75m verjüngen und einer Höhe von 4,40m an.
Das imposante Dach selbst wird mit einer Deckenhöhe von 4,10 m an der Fassade,
einer Dicke von 1,30 m und einer Breite von 4,50 m errechnet, was sicher sehr
imposant ausgesehen hat.

Bild

Es wurden hier auch 12 vertikale Schächte angelegt, von denen aber drei (g, k, l) nur begonnen,
aber nie fertiggestellt wurden. Anders sieht es bei a, b, und e aus, die zwar einfach
angelegt waren, aber dafür nicht geplündert.

a) Hier wurde in einer Tiefe von 2,05m eine versiegelte Grabkammer vorgefunden.
In ihr befand sich ein verwitterter Holzsarg und Gebeine, die aber in
seinem sehr schlechten Zustand waren.

b) Auch diese Bestattungskammer in 2,15m Tiefe war noch mit Stein- und Lehmziegeln
versiegelt. Sie enthielt einen undekorierten Holzsarg, in dem sich ein in Leinen
gewickelter Körper einer Frau befand.

e) Hier wurde eine eher kleinere Grabnische, die nur 1,10m x 0,95m und 1m hoch war, gefunden.
Aber was sie entdeckten, war schon interessant, denn dort befand sich ein verrotteter Korb, der
Skelettreste enthielt. Nach dem Fund dieser Korbbestattung kamen Kanawati und sein Team
zu dem Schluss, dass man andere, ähnlich kleine Gruben vielleicht neu bewerten müsste.

Bild

Diese zwei Grab- bzw. Bestattungskammern (o & p) sind in den Felsen
zwischen Außenfassade und Grabanlage eingearbeitet worden.
Man geht aber davon aus, dass sie erst später angelegt wurden. Auf dem Plan sieht man, dass
es eine beeindruckende Arbeit geworden ist, da ja nicht viel Platz vorhanden war, um nicht
in der Grabanlage von M23 zu landen.

o) Der Türrahmen wurde mit einer 0,60 m Breite x 0,30 m Dicke x 1,10 m Höhe
in die Fassade gegraben. Dahinter befindet sich ein unregelmäßiger Vorraum,
der ca. 1,60m x 2,30m groß ist und von dem man in die eigentliche Grabkammer,
die wiederum 2,30m x 0,75m misst, kommt.

p) Wurde ca. 0,45m über den Boden des Vorhofes angelegt und wurde auch
nur mit einem 1m hohem und 0,70m bereiten Zugang versehen.
Die eigentliche Grabkammer misst 1,90m x 0,80m und ist 1m hoch.

Bild

Bild

Nun aber weiter unserem Ghafir hinterher zu …

Hesi-Min / Hesimin (Gelobter des Min) (M22)
Er lebte wohl unter der Herrschaft von Djedkare Isesi / Djed-ka-Re (5. Dynastie).
Er ließ seine Grabanlage wie seine Vorgänger auch sehr strategisch an der
halbkreisförmigen Biegung auf einer Höhe von
130m über dem Meeresspiegel errichten. Seine Architekten hatten ihn nicht nur
mit dem imposanten Blick auf das Niltal gut beraten, auch war der kompakte Kalkstein
von guter Qualität und somit für das Grab bestens geeignet.
Der Vorhof ist ungewöhnlich schmal gehalten und erinnert eher an einen langen Gang.
Verstärkt wird dieser Eindruck noch durch die niedrige Mauer, die zum Schutz vor dem 3m tiefen
Abgrund zur Grabanlage M23 errichtet wurde. Sie wurde 2,55 breit und von 0,50 bis 1,20 ansteigend
aus dem Felsen gehauen.

Bild

Aber unser Augenmerk fiel erst einmal auf die Schächte und Gräber, die aus Platzmangel an dem
entlanggezogen „Vorhof“ errichtet wurden. Es wurden hier insgesamt neun vertikale Schächte
und drei Gräber M27, M28, M29 angelegt. Es wird davon ausgegangen, dass sie für nahe
Verwandten und/oder Gefolgsleute von Hesi-Min errichtet wurden.
Alle Schächte wurden geplündert vorgefunden, wobei bei Schacht a nach einer geringen
Tiefe schon festgestellt wurde, dass man in bzw. bei Grab M25 angelangt war,
das sich direkt darunter befand und dessen Zugang wir ja im Vorhof von M23 gesehen haben.
Die Schächte b. 1,55m und c. 1,75m waren somit auch nicht so tief ausgearbeitet worden.
Die Schächte auf der anderen Seite konnte man hingegen mit einer Tiefe von 1,90m (Schacht f)
bis 2,55 (Schacht h) eindeutig tiefer in den Berg treiben.

Auch hier war es mir nicht möglich, mich in aller Ruhe in den drei Gräbern umzusehen,
da es unserem Ghafir überhaupt nicht recht war, das ich schon wieder irgendwo
in ein Grab „verschwinde“ :)

Aber trotzdem kurz zu den Gräbern.
M27 – ist 2,60m x 2,70m und verfügt über 2 horizontale Grabschächte
M28 – ist 2,65m x 1,80m und hat nur einen 1,70m tiefen Schacht
M29 – ist das größte der drei mit 3,70m x 2,00m und einer Nische von 1,50m x 1,20m.
Auch verfügt es über drei Grabschächte, wobei Schacht I mit einer Tiefe von 6m der
tiefste ist. Hier wurden bei den Ausgrabungsarbeiten im „Füllmaterial“ eine hölzerne Hand und
ein Gesicht gefunden, die von einem Sarg stammten. Sie werden aber auf ein „neueres“ Datum in
der römischen Zeit datiert, was als ein Beleg für eine Wiederverwendung angesehen wird.

Bild

Bild

Nun betreten wir aber das Grab M22, das Hesi-Min, sagen wir mal
als L-förmige Grabanlage, aus dem Fels hauen ließ.
Hier im Grab wurden folgende Titel gefunden;
Priester des Min
Aufseher/Vorsteher der Arbeiten/Bauten des Königs
Größter der Zehn von Oberägypten
und Vorsteher der Phylen (Arbeiter) von Oberägypten

Ich hatte es ja schon angesprochen, dass sich hier in der Ecke des Berges zwar der
qualitativ hochwertigere Stein des Berges befindet, was den Künstlern zugute kam, da sie
glatte Oberflächen aus dem Stein hauen konnten; aber leider war der Stein auch in
späterer Zeit deswegen noch sehr begehrt … und so wurde das Grab als
„Steinbuch“ missbraucht und somit sehr zerstört.

Beim Eintreten fällt der Blick sogleich in den langen Teil der Anlage,
wobei man aber erst einmal Vorsicht walten lassen muss, da fast
direkt an der Eingangstüre ein schräg abfallender Gang beginnt.

Bild

Der Gang mit der Nummer II ist 0,95m x 1,10m und fällt auf einer Länge von
5,55m im Winkel von 30° ab. Der sehr gut ausgearbeitete Gang führt zu einer großen
Vorkammer, die sich direkt unter der großen Scheintür in der Westwand des Grabes befindet.
In dieser großen Vorkammer wurde eine Grabgrube gefunden, aber nichtsdestotrotz hat er in der
nordöstlichen Ecke auch noch einen zusätzlichen vertikaler Schacht
von 7,10m in die Tiefe treiben lassen. Dieser führte zu einer zweiten Grabkammer.
Die ganze Grablege wurde geplündert vorgefunden, aber es konnten noch
Reste von Mumienbinden und ein noch fast perfekt erhaltenes Bein einer nicht
zuzuordnenden Mumie gefunden werden; vom Rest ist leider keine Spur mehr entdeckt worden.
Da es sich hier um die größte und aufwändigste Grabkammer der Anlage handelt, und dann
noch unterhalb der größten Scheintür, wird sie Hesi-Min zugeschrieben.

Bild

Bild

Hier in der Querhalle sieht man gleich die „Verwüstung“, die durch den Steinabbau bzw.
Steineklau entstanden ist. Man kann aber in den Ecken noch gut erkennen, mit welcher Genauigkeit
die Winkel ausgearbeitet wurden und auch, dass sie einstmals über akkurat geglättete und
mit Gipsputz bedeckte Wände verfügten. An der Nordwand wurde eine
große Statuennische ausgearbeitet, die leider als solche auch auf den ersten
Blick nicht mehr zu erkennenwar. Hier befanden sich zwei Figuren, vermutlich der Grabinhaber
und seine Frau, wie Kanawati angibt. Vor Ort sind uns diese gar nicht aufgefallen und bei der
Sichtung unserer Bilder musste ich auch genau hinschauen,
bis ich die „Reste“ der Beine/Füße entdeckt hatte.

Bild

Bild

An der Südwand kann man noch „ein Stückweit“ eine Opfertisch-Szene mit Hesi-Min und
seiner Frau Shepsit-Kaw/Schepsitkau erkennen, wobei ich nur die Beine mit dem langen Kleid
erkannte. Auf dem Opfertisch vor den beiden befinden sich zwölf Brote
aufgebaut, aber das sollte ja wohl nicht alles sein! Er ließ auch über dem Tisch
in Hieroglyphen viele Opfergaben in Zahlen angeben, wie z.B.
tausend Leinen, tausend Brote, tausend Biere, tausend Ochsen und tausend Vögel
sowie tausend Kleider. Über dem Paar ließ er auch die Titel seiner Frau verewigen
- die Bekannte des Königs, die Geliebte seines Herrn ... Hesi-Min -
weitere Titel, die noch im Grab gefunden wurden, waren:
Priesterin von Neith, Heqet und Hathor

Bild

Die Darstellung ist unterteilt: Im oberen Teil mit Opfergabenträgern und im unteren Teil
in Musik und Tanz. Im zweiten Register ist mir dieser schön gestaltete
Korb, der wahrscheinlich Gemüsesorten enthält, aufgefallen, auch sind im dritten
Register die Vögel sehr schön ausgearbeitet. Wobei man aber auch erkennen kann,
dass es den schönen Vögeln an den Kragen geht, da der erste Gabenträger die
vier Vögel nur trägt, während hingegen der vordere einem Vogel den Hals umdreht.
Es ist rechts vom Register auch eine Inschrift zu erkennen,
die uns die Arbeiten der Männer erklärt:
"die Auswahl an Speisen für den Ka jeden Tag zu bringen."

Bild

Die weibliche Harfenspielerin ist ebenfalls mit sehr viel Liebe zum Detail
vom Künstler dargestellt worden. Wenn man diese Szene mit anderen Gräbern vergleicht,
war wohl eine ganze Gruppe von Musikern dargestellt.

Bild

Auf der Westwand steht das Speerfischen im Vordergrund.
Hesi-Min fällt hier als Erster auf dem Papyrusboot auf; es sollen aber
auch seine Frau (neben ihm) und sein Sohn (vor ihm) zu sehen sein.
Von seinem Sohn, der in gleicher Haltung (nur viel kleiner) wie sein Vater dargestellt war, ist nur
noch ein Bein auf dem Boot und sein Speer zu sehen, aber die Hieroglyphen vor ihm weisen ihn als
seinen ältesten Sohn und Priester des Min, Ni-anch-Min/Ni-ankh-Min aus.
Im Wasser unter dem Boot soll ein Krokodil zu sehen sein, dass ich aber nicht
ausmachen konnte; aber ein Nilpferd kann man noch sehen.

Bild

Nun gehen wir weiter im Grab voran und sehen, wie viele Steine
hier doch abgebaut wurden, so dass diese „Löcher“ im Berg entstanden sind.

Bild

Bild

Auch haben wir bei den Steinbrucharbeiten entdeckt, dass sie sich sogar bis ins
Nachbargrab erstreckten. Der Decke erging es nicht besser, so dass sich hier die Fledermäuse
sehr wohl fühlen, wie man auf dem Bild erkennen kann.
Sie haben sich noch nicht einmal durch unsere Anwesenheit stören lassen.

Bild

Bild

Am besten erhalten ist die nördliche Scheintür, die sich über der
zweitgrößten Grabkammer befindet. Ausgehend von der Lage und der Größe der Scheintür
wird vermutet, dass sie für Shepsit-Kaw errichtet wurde.
Sie ist 3,00m hoch und 2,50m breit und davor befindet sich eine 2,75m lange Plattform.
Wohingegen die Scheintür für den Grabinhaber Hesi-Min 3,30m x 3,40m groß war, aber
von der leider nicht mehr viel zu sehen ist.

Bild

Der oberste Türsturz und die Türpfosten bilden den äußeren Rahmen.
Auf dem Türsturz wurden die Titel von Hesi-Min gefunden
[zitat] der Größte der Zehn von Oberägypten, der Vorsteher der Arbeiten des Königs,
der Vorsteher der Phylen von Oberägypten
Auf dem unteren (kleineren) Türsturz von rechts aus gesehen wurden die Titel
der Größte der Zehn von Oberägypten, der Vorsteher der Arbeiten des Königs,
der Bekannte des Königs, der Priester des Min, Hesi-Min‘ verzeichnet.
Die zwei Waagerechten Inschriften enthalten:
(1) der Größte der Zehn von Oberägypten, der ... des Königs, - Hesi-Min‘.
(2) die Priesterin der Hathor, Herrin der Sykomore, Shepsit-kau, - die Priesterin der Neith‘.[zitat]

Bild

(Bild 1) Der Opferträger mit einem Tablett wird hier als der
Ka-Diener/Totenpriester mit Namen Ankhu angegeben.
(Bild 2) In der Mitte des Türsturzes befindet sich die Hauptszene, in der auch die Titel
und Namen der dargestellten Personen bzw. Familienmitglieder erhalten sind.
Von links nach rechts
[zitat] 1. - „sein Sohn, Neb-anch-Min“ (sA=f Nb-anx-Mnw)
2. „der Bekannte des Königs, Hesi-Min“ - „der Geehrte vor dem großen Gott“.
3. „die Bekannte des Königs, Shepsit-kau“.
4. - ‚sein Sohn, Netjeri-ren-Min‘. [zitat]

Bild

Noch einmal kurz zu den Grabschächten, wo wir uns gerade in der Ecke befinden.
Der vertikale Grabschacht IV, dessen Öffnung quadratisch mit 1,15m angegeben ist,
führt 4,90 in die Tiefe. Die rechteckige Grabkammer, die ja Hesi-Min`s Ehefrau zugeschrieben
wird, misst 3,00m x 1,60m bzw. 1,45m; darin befindet sich die 1,80m x 0,80m große Grabgrube.

Bild

Bei Nummer V an der nordöstlichen Ecke wurde noch ein Schacht begonnen.
Dieser Schacht mit seiner Fläche von 1,00 m² und 0,35m Tiefe wurde nicht weiter bearbeitet;
so steht die Frage im Raum ... ist er aus Zeitmangel nicht weiter bearbeitet worden
oder wurde er zugunsten von Schacht IV aufgegeben?

Bild

Am Eingang in der Querhalle befindet sich Grabschacht Nummer I.
Auch seine Öffnung ist quadratisch auf 1,10m angelegt und führt 3,55 in die Tiefe.
Seine rechteckige Grabkammer ist 2,30m x 1,50m und 1,10m hoch ausgearbeitet worden.
Zu dieser Grabkammer gibt es keinerlei Vermutungen, für wen sie einstmals gedacht war.

Zu Nr. II von Hesi-Min bin ich oben ja schon eingegangen.

Bild

Aber wir sollten uns wieder auf den Weg machen, da ja
noch einige Gräber zu besichtigen sind.
Es hieß nun erst einmal wieder am Berg entlang und
trotzdem wieder Treppen rauf.

Bild

Das nächste Grab M43 war auch recht schnell erreicht.
Wobei wir erst einmal den vielen anderen Gräbern unsere kurze Aufmerksamkeit schenkten.
Irgendwie wollten hier in der Nähe eines so mächtigen Mannes (dazu später mehr)
noch viele weitere Personen ihre letzte Ruhestätte errichten, so dass schlussendlich
im Vorhofbereich zwei große Gräber M42 und M44, sowie
unglaubliche dreizehn kleinere Gräber und fünfzehn Grabschächte lokalisiert wurden.
Leider ist aber von keinem ein Name erhalten geblieben, mit einer Ausnahme: M45a.

Bild

Gleich am Ende der Fassade von M43 wurde ein quadratisch überdachter Hof aus dem Fels
gehauen, von dem aus man zu den Gräbern M44, M45, M45a und M45b gelangt.

Bei den umliegenden Gräbern ist zu erkennen, dass sie sehr verschachtelt errichtet wurden,
um jeden cm zu nutzen. Es wurde aber auch versucht darauf zu achten, dass sie nicht in andere
Gräber-Bereiche hineingraben, was zeigt, dass sie alle ziemlich zur gleichen Zeit
ausgearbeitet wurden und man sich der anderen Gräber bzw. des Aufbaues noch bewusst war.

Bild

Wie schon erwähnt wurde nur bei M45a eine Inschrift entdeckt, um genau zu
sein, auf dem Türsturz. Die erste Zeile wurde als versenkte Inschrift begonnen,
wohingegen der Rest nur noch mit schwarzer Farbe ausgeführt wurde.
Kanawati hat hier diese Lesung identifiziert:
„Der Vorsteher der Ka-Diener, der vor dem großen Gott Geehrte, Ifi-iret.
- Er ist ein vom König Geliebter … „ (Rest nicht mehr lesbar)
so ist zumindest der Grabinhaber noch bekannt.
Wie man sehen kann, ist M45a auch nicht gleich als „Grabanlage“
zu erkennen, ich würde es eher eine Grabnische nennen, da der Boden ja fast
komplett vom quadratischen Schacht (1,05m) eingenommen wird.
Dieser Schacht fällt 2,80m in die Tiefe und führt in eine kleine rechteckige Grabkammer.

Bild


Benutzeravatar
Isis
Administration
Beiträge: 17006
Registriert: Sa 07 Sep, 2002 00:33
Wohnort: BW
Kontaktdaten:

Re: Teil 1 und 2 über unseren Trip nach El Hawawish

Beitragvon Isis » Do 02 Jul, 2026 14:17



Aber nun zurück zu M43 von Hem-Min, des Dieners der Gottheit Min,
der Gouverneur von Oberägypten zur Regierungszeit König Teti (6. Dynastie) war.
Er war der erste Mann, der dieses kurz zuvor eingeführte Amt
außerhalb der Hauptstadt innehatte, und in Achmim befand er sich
im Zentrum seines Zuständigkeitsbereichs, der sich vermutlich
von Memphis bis Assuan erstreckte. Zu seinen Aufgaben
gehörte die Inspektion aller 22 Provinzen Oberägyptens.
In seinem Grab wurden auch weitere Titel gefunden wie
Aufseher des großen Gerichtshofs,
Größter der Zehn Oberägyptens und Priester der Maat

Bild

Ungewöhnlich ist, dass der Zugang zur Grabkammer (Plan I) im offenen Vorhof, also
vor dem eigentlichen Eingang zur Grabanlage liegt, was aber den Bauarbeiten
im Innern geschuldet ist (dazu aber später mehr).

Der 10m lange Gang zur (ersten) Grabkammer führte mit einem Gefälle von 25° nach unten,
so dass die Grabkammer unterhalb der Scheintür angelegt werden konnte.
Gut durchdacht (siehe Plan) ist auf alle Fälle, dass er erst eine
vollständige Grabkammer mit einer 2,15 m x 0,90 m großen Sargwanne
anlegen ließ. In der nördlichen Ecke ließ er aber auch
noch einen senkrechten Schacht, der zehn Meter in die Tiefe führt, ausarbeiten,
der schlussendlich zur eigentlichen Grabkammer von Hem-Min führte.
Diese rechteckige Grabkammer mit 3,60m × 2,95m und einer Raumhöhe
von 1,40m bis 1,60m war dann doch beachtlich groß.
In dieser ließ er sich auch bestatten und den Zugang
wieder füllen, so dass jeder Grabräuber eigentlich davon ausgehen musste,
dass die obere Kammer schon geplündert war und seine Mumie tief unten vor ihnen
geschützt sei. Leider hat dieser Täuschungsversuch nicht funktioniert, da auch
die Hauptkammer von den Archäologen geplündert vorgefunden wurde.

Bild

Auf der gegenüberliegenden Seite sieht man eine Öffnung zum schrägen Schacht XIII.
Auf der Zeichnung ist zu erkennen, dass sich zwei Gräber den „Eingang“ teilten, da man durch diesen
Zugang auch zu Grabschacht - e - gelangte, der über eine eigene Grabkammer verfügte.
Schacht XIII führt 3,70m im Winkel von 30° nach unten zur Grabkammer, die 2,20m x 2,55m
mit einer max. Deckenhöhe von 1,25m ausgearbeitet wurde.
Der senkrechte Schacht - e - wurde 2,60 m in den Fels gehauen, die kleinere
1,30m x 1,10m und nur 1m hohe Grabkammer befindet sich unterhalb des abfallenden
Grabschachtes XIII.

Bild

Hem-Min hatte sich mit seiner letzten Residenz, die 197,83 Quadratmeter umfasst, eine der
größten Grabanlagen anfertigen lassen. Er wollte wohl damit seine hohe Bedeutung und die
seines Amtes in der Gesellschaft ausdrücken, da er der erste „Vorsteher von Oberägypten“
war, der sich außerhalb der Hauptstadt bestatten ließ.
Newberry geht davon aus, dass sein ehrgeiziger Plan eigentlich eine Pfeilerhalle mit 10 Säulen
vorgesehen hatte. Er suchte sich zwar eine gute Stelle im Berg aus, aber je weiter die
Kapelle in den Berg getrieben wurde, umso instabiler wurde der Stein.
Die letzten 4 Pfeiler konnten wohl nicht aus dem Berg gearbeitet werden, so dass
schon am Ende der Arbeiten, die hintere Decke einstürzte. So wurden nur je drei Säulen
in zwei Reihen, also nur sechs der geplanten zehn, auch tatsächlich ausgeführt.
Vier der sechs Pfeiler wurden heute rekonstruiert, wie wir hier sehen.

Bild

Die große Kapelle/Säulenhalle misst 20,20m x 9,20m, und
die 3,90m Deckenhöhe lassen das Ganze noch imposanter wirken.
Auch wurden vier Seitenkammern und vier Nischen
aus dem Berg gearbeitet.

Bild

Man geht ja davon aus, dass die Decke noch zu Lebzeiten Hem-Mins
eingebrochen ist; das war sicher ein herber Rückschlag für ihn,
da er die monumentale Anlage wohl noch größer geplant hatte.
Der Plan musste angepasst werden, was somit auch dazu führte, dass der
Vorhof größer angelegt wurde, und somit musste der Zugang zur Grabkammer
in den Außenbereich verlegt werden. (wie wir schon sahen)

Bild

Auch wurde nur der Anfang der Westwand verputzt und dekoriert.
Hier sind die Freuden des Lebens dargestellt,
wie z.B. Hem-Min beim Fischfang, sowie Tänzerinnen
und auch Opferträger sind zu sehen. Was fehlt, sind die „üblichen“
Darstellungen von Viehzucht, Vogeljagd, Wüstenjagd, Brauen und Backen usw..
Wenn man daraus Schlüsse ziehen darf, war der gute Hem-Min wohl
ein Lebemann, wie man heute sagen würde.

Auf dem linken Wandabschnitt befindet sich die Szene des Speerfischens, und
hier sind auch die meisten seiner hohen Titel zu finden.
Zitat Kanawati:
"Speeren eines Fischfangs während der Durchquerung der nördlichen Sümpfe,
der Richter und Verwalter, der Größte der Zehn von Oberägypten,
derjenige, der zum vordersten Platz gehört, der Vorsteher des Großen Gerichtshofs,
der Befehlshaber der Vorsteher der Verteilung,
der Priester der Maat, der Stolist des Min, Hem-Min‘."

Links befanden sich einstmals die Inschriften, die sich auf seinen Sohn bezogen.
Leider sich diese durch den Einsturz der Wand, die nun zu Grab M44 führten, verloren gegangen.
Es sind nur noch Reste wie „sein ältester Sohn“ auszumachen, und vielleicht
könnte man noch „der Vorsteher der sechs großen Gerichtshöfe“ erahnen, aber da sind
sich meine Quellen noch nicht einig.

Bild

Schön zu sehen sind auch noch die vielen
verschiedenen Vögel aus den Sumpflanden/Marschen.

Bild

Auf der rechten Seite befinden sich der Grabherr und seine Frau, sitzend vor einem
Opfertisch (Bild 2). Davor befinden sich die Gabenträger und eine Opferliste (Bild 1).
Vom Grabherrn selbst ist nicht mehr viel zu sehen und noch weniger von seiner Frau,
aber Kanawati erkennt hier noch die Reste vom „Aufseher von Oberägypten“
und das Zeichen Min, so kann man eben darauf schließen, dass es sich um Hem-Min handelt.
Von seiner Fau hat er folgendes gefunden.
Zitat: "seine Frau, seine Geliebte, die Priesterin der Hathor,
Herrin der Sykomore, die Bekannte des Königs ... M ... s“.

Bild

Mich selbst haben wieder einmal eher die kleinen Dinge gefesselt, da die Szene in
vier Register unterteilt ist mache ich sie am besten auch erst mal in vier Teilen
sichtbar, damit man den Überblick behält.

Im ersten Register stehen fünf Opferträger im Mittelpunkt, die dem Tisch
und somit dem Ehepaar zugewandt sind.
Nr.1 - der gerade einer Gans den Hals umdreht, unterscheidet sich von den restlichen,
da er der einzige ist, der einen spitz zulaufenden Schurz trägt,
und er wird als „sein ältester Sohn, Min-anch“ angegeben,
was die Kleidung somit wiederspiegelt.
Nr. 2 - der einen Lotusstrauß und einen Vogel herbeibringt, ist
„der Vorsteher der Archivare des Ptah“
Nr. 3 - mit drei Vögeln in der Hand - bei ihm sind keine Titel angegeben, nur
sein Name ist zu lesen: „Petju“
Nr. 4 - der eine Platte mit Opferspeisen bringt, wird als „der Vorsteher
des Weinbergs, Idu“ angegeben
Nr. 5. hält einen Papyrus in der Hand, auch fällt bei ihm auf, dass er eine
Schärpe über dem Oberkörper trägt.
Sein Name ist zwar nicht angegeben, dafür aber sein Amt, das mit „Vorlesepriester“ übersetzt wird.
Der Priester liest wohl auch die Worte, die über den fünf Gabenträgern
angebracht sind: „Darbringen aller guten Dinge für den Ka, jeden Tag“.

Bild

Nun zur zweiten Reihe:
Nr. 1 - sind zwei Männer, die ein schweres Tablett tragen, auf dem unter anderem oben sogar eine
ganze Ganz zu sehen ist. Hier ist angegeben - „der Leiter der Speisehalle, Min“
Nr. 2 - bei ihm fehlt die Angabe, aber da oben die
gleiche Darstellung mit der Gans und dem spitzen Schurz als der Sohn von Hem-Min
angegeben wurde, liegt es nahe, dass er auch hier darstellt wurde.
Nr. 3 - der zwar auch einen Lotusstrauß und zwei Gänse darbringt, ist hier im Gegensatz zu oben
mit dem Titel „der Vorsteher der Arbeitskolonnen, Iwent“ angegeben.
Nr. 4 - trägt einen Vogel, bei dem es sich möglicherweise um einen Kranich handeln könnte,
aber bei ihm fehlt leider die genaue Angabe, für was er Vorsteher war,
da nur noch „der Vorsteher der ... , Ikhu“ zu lesen ist.
Nr. 5 - wird mit „der für die Getränke Zuständige, Tjau“ gemeldet.
Nr. 8 - trägt ein Vorderbein auf den Schultern und wird somit auch als
„der Aufseher des Schlachthauses, ... w“ betitelt.
Nr. 9 - der eine Speiseplatte auf seinen Schultern trägt, ist nur mit seinem Namen „Ludi“ angegeben.
Über der ganzen Szene ist zu lesen:
„Herbeibringen auserlesener Speisen, der Erstlinge vom Opfertisch und [aller]
guten Dinge, jeden Tag, für den Ka“.

Bild

Die dritte Reihe ist dem Tanz gewidmet. Musiker sind keine (mehr) zu sehen,
wobei einige davon ausgehen, dass nicht zwingend Musiker und Tänzerinnen zusammen
auftraten, im Gegenteil wird angenommen, dass die Damen in den langen Röcken,
die hier in die Hände klatschend dargestellt sind, für den Rhythmus sorgten oder
vielleicht eben auch für den Gesang, da Reste der Hieroglyphen mit „Singen“ und „für das Ka“
gedeutet werden können. Von den wohl acht Tänzerinnen sind noch vier mit kurzen spitzen Röcken
zu sehen. Ihr schöner Schmuck in Form von Halskragen und Fußringen sind heute auch gut erhalten.
Zu ihren Ehren wurden ihre Namen sogar festgehalten, von denen bis heute noch fünf sichtbar sind:
„Hagi, Ihat, Mery, Maat, Pesi“

Bild

In der letzten Reihe mit den Opferträgerinnen ist mir aufgefallen, dass jede ein anderes Kleid
sowie individuellen Schmuck trägt, auch bei den Körben hat der Künstler sich sehr
viel Mühe gegeben, jeden anders bzw. eben individuell darzustellen.

Bild

Seine großangelegte Scheintür misst 3,10m in der Breite und ist 3,50m hoch. Sie zeigt, dass
wir uns nun direkt oberhalb seiner Grabkammer befinden. Was etwas erstaunt, ist aber die Tatsache,
dass die Scheintüre nur „verputzt“ wurde, aber keinerlei Inschriften angebracht waren. Bei der
Scheintüre ist es wohl so, dass hier Rundstab und Hohlkehle, die beide das Gesims bilden, das erste
mal in dieser Epoche so ausgeführt wurden. Was Kanawati dazu bringt, hier sogar eine stilistische Weiterentwicklung zu erkennen. Die zentrale Nische (0,60m x 1,45m und 0,40 m tief) ist so
ausgearbeitet, dass hier eine Statue von Hem-Min Platz gefunden hätte.
Unten kann man auch noch erkennen, dass sich dort ein kleiner Durchbruch in der Nische befand,
der zum Grab M44 führt und im Zuge der Restaurierungsarbeiten verschlossen wurde.

Bild

Hier haben wir noch die Seitenkammern
mit der Nr. 3 und Nr. 4.

Bild

An der Rückwand befinden sich zwei weitere Seitenkammern (Nr. 1 und Nr. 2)
und vier Nischen, die in unterschiedlicher Tiefe ausgearbeitet wurden.
Alle drei verfügen über einen Rahmen, und wenn man sich die Innenmaße der
„größten“ Nische mit der Nr. IV mit einer Breite von 0,85m × 1,80 m Höhe und einer Tiefe
von 0,65 m ansieht, ist es sehr wahrscheinlich, dass
sie einstmals eine lebensgroße Statue beherbergte.

Bild

Hier ist der Zugang zur Seitenkammer Nr. 1. Auf dem farbigen Türsturz sollen
sich Darstellungen der sieben Öle befinden, die ich so nicht erkannt habe.
Der Gang führt zu einer unregelmäßigen Grabkammer von 3,25 m x 1,10 bzw. 0,70 m,
wobei nicht erkennbar ist, für wen sie gedacht oder wer hier bestattet war.

Bild

Vielleicht noch was zu seinem Amt als Gouverneur von Oberägypten, was
ihm eben dieses große Grab erst ermöglichte, da er wohl der mächtigste
Mann seiner Zeit in südlichen Teil des Landes war.
Hier in Achmim sind weitere sieben Provinzgouverneure
und zwei Wesire (beide mit Namen Bawi), was einer der höchsten
Verwaltungsposten in ganz Ägypten ist, belegt worden.
Somit sind in Achmim mehrere aufeinanderfolgende Gouverneure belegt,
soviel wie keinem anderen Teil des Landes.

Bild

Nun treten wir wieder den Rückweg zum „großen“ Treppenaufstieg an
und sahen uns derweilen auch um, so dass wir feststellten, dass wir
hier auch noch ganz viel erkunden könnten, wenn man mehr Zeit hätte.
Der ganze Berg ist komplett „durchlöchert“, so wundert es uns auch nicht,
dass sie beim Anlegen der Gräber in eine andere Grabanlage gruben.

Bild

Bei den späteren wissenschaftlichen Grabungen wurden aber durch die Inschriften
in den Gräbern die vielen Verwandtschaftsgrade der hier bestatteten Menschen
herausgefunden. In vielen weiteren Gräbern ist zu lesen, dass die Söhne die Gräber ihrer Väter
vollendeten, oder dass die Söhne wiederum in ihren Gräbern verzeichneten,
dass sie denselben Beruf wie ihre Väter erwählt hatten. Auch wurde
von Brüdern, Schwestern oder Eheschließungen - und somit den
ganzen familiäre Beziehungen untereinander - berichtet.

Bild

Hier wurden keine Goldgegenstände mehr gefunden,
auch alle tragbaren Grabbeigaben waren „verschwunden“. So habe ich gelesen,
dass bei einer Inspektion für die ägyptische Abteilung für Altertümer im Jahr 1899
der französische Ägyptologe Daressy berichtete, dass selbst auf dem Schwarzmarkt
für Antiquitäten in Achmim keine Originale mehr zu finden waren.
Im Gegenteil, da die wichtige Geldquelle für die Grabräuber komplett versiegte,
haben sich einige windige „Geschäftsmänner“ auf Repliken spezialisiert.
Sie haben z.B. Holzstatuen aus dem Alten Reich wohl so gut nachgemacht, dass
es vielen Spezialisten ihrer Zeit nicht auffiel, dass es sich nicht um Originale handelte.

Bild

M8 – Tjeti / Kai-Hep, den Ranke mit „Mein Ka ist der Apis“ übersetzt.
Nur leider war nichts zu machen, dass wir auch hier in das Grab einen
Blick hineinwerfen durften. Laut Aussage hatte unser „Schlüsselmeister“ nicht
den passenden Schlüssel. Tjeti hatte natürlich auch viele hohe Titel inne, aber auch ein paar
(wie ich finde) Außergewöhnliche, die im Grab gefunden wurden, u. a.
„Aufseher des königlichen Harems, Aufseher der beiden Silberhäuser,
Aufseher aller Vergnügungen (Musik u. Tanz), Kundiger der schönen Reise,
Bewahrer der Kopfbedeckung, Aufseher des oberägyptischen Getreides usw.“

Hier wurde ein schöner hölzerner Sarg gefunden, auch wenn wir nicht ins
Grab konnten, gehe ich mal schnell auf den Fund stellvertretend für alle anderen ein.
Heute befindet sich der Sarg im Museum von Kairo mit der Nr. CG 28004.
Er ist 2,12 lang und 0,70m breit, der Deckel ist nochmal 5cm hoch.

Hier haben wir „Seite 1“ (wie es Kanawati angibt).
Tjeti hat in der horizontalen Zeile schon mal einige seiner Titel und Ämter angeben lassen.
„Der Erbprinz, der Gaufürst, der Siegelbewahrer des Königs von Unterägypten,
der einzige Gefährte, der Stolist des Min, der Vorsteher der Priester, Tjeti – sein schöner Name: Kai-hep.
In den drei Vertikalen spricht er von Totenopfern vor den Göttern Osiris, Min und Anubis.

Bild

Die beiden Längsseiten sind auch aufwändig gestaltet, wobei auf
der Seite 4 (Bild oben) am aufschlussreichsten arrangiert wurde.
Die Obere Inschrift sagt uns:
„Ein Opfer, das der König gibt an Osiris, den Herrn von Djedu/Busiris, den Chontamenti/Ersten
der Westlichen, den Herrn von Abydos, auf dass er geben möge ein Totenopfer
für ihn [=den Verstorbenen] am Wag-Fest, am Thot-Fest und am schönen Fest des Gottes.
den Erbprinzen, den Gaufürsten, den Vorsteher von Akhmim, Tjet'.“
Darunter sind sind 36 Figuren aufgelistet über jeder sind zwei Register
mit den einzelnen Opfergaben dargestellt.

Bild

Unser Ghafir und Schlüsselmeister gab uns auf dem Weg zu verstehen, dass
wir nun doch alle drei offiziell zugänglichen Gräber besichtigt hätten.
Wir haben ihm dann höflich klar gemacht, dass es fünf sein sollten und nach einigem Hin
und Her hatte er sich dann auch bereiterklärt, uns die anderen zwei
noch zu öffnen. Wir spekulierten dann: auch wenn wir erst mittags hier ankamen
und er sich wohl dachte, dass heute keiner mehr kommt, und da eine (seine?) Frau
auch ein paar Mal anrief, und er ihr klar machen musste, dass doch noch
Touristen da sind und er somit doch nicht zu einem früheren Feierabend kommt,
ist ihm dann wohl doch "wieder" eingefallen, dass es noch zwei Gräber gibt.

Also nun wieder weiter den Berg hinauf ...

Bild

Hier oben auf einer Höhe von 225 Metern befindet sich die Grabanlage H24
von Schepsi-pu-Min/Shepsipumin, der auch als Kheni/Cheni bekannt war.
Seine Grabanlage und der Vorplatz wurden auch tief in den Berg gehauen, so dass
man den Berg am Vorplatz komplett abtragen musste. Um die Höhe des Grabes
gewährleisten zu können, wurde der Vorplatz, der 5,40 x 4,00m misst, gesenkt ausgegraben.
Nun erreicht man den Säulengang, der 5,70m x 2,10m groß ist, über einen abfallenden Weg.
Der Zugang zur Grabkapelle ist 1,10m breit und 2,40m hoch.

Bild

Das Grab von Schepsi-pu-min wird an das Ende der
Herrschaft von König Pepi II. datiert.
Er führte unter anderem die Titel:
Siegelbewahrer des Königs von Unterägypten
Aufseher Oberägyptens, Vorlese/Lektorpriester
Aufseher der Priester, Großherr von Achmim

Er ließ seine Grabanlage mit einer Breite von
14,35m x 6m und einer 3m hohen Decke anlegen.
Wie man aber hier rechts vom Eingang aus sehen kann, wurde
der Fußboden nicht fertiggestellt, wie an einigen anderen Stellen im Grab auch.
Kanawati geht davon aus, dass das Grab in zwei Bauphasen errichtet wurde,
da beim vollendeten Teil wohl der gleiche Bauplan wie bei H26 Ka-Hep zu Grunde lag,
und er später die Erweiterungen in Auftrag gab, denn nur bei den „Abweichungen“ des
Planes ist der Boden und auch die Zeichnungen nicht vollendet worden.
Die Darstellungen wurden somit deutlich schmäler ausgeführt, da es z.B. in der
nordwestlichen Ecke zu einem Höhenunterschied von 60cm kam.

Bild

Auch hier greift wieder die Genealogie: er ist der älteste Sohn und
auch Nachfolger als Gaufürst von Tjeti-Iker (H26), zu dem wir später kommen.
Seine Frau Hetepet (Htpt.j, auch Htp.j) war Priesterin der Hathor, neben ihr wurden auch
zwei Töchter, eine davon hatte den gleichen Namen wie die Mutter, sowie vier Söhne erwähnt.
Der Name ihres ältesten Sohnes ist Tjeti.
In der Mitte des Grabes öffnet sich der „Schrein“ der Anlage. Er wurde 4,80m x 3,15
aus dem Fels gearbeitet. Das Bodenniveau liegt 10cm höher und somit ist die Decke
nur 2,70m hoch ausgefallen. Hier befindet sich auch die Scheintür, die aber sehr beschädigt ist,
davor wurde eine „Plattform“ von 1,50 m x 1,20 m x 0,25 m Höhe errichtet,
die wohl als Opfertisch für Speisen errichtet wurde.

Bild

Hier im Grab selbst wurden 4 Grabkammern gefunden, die aber alle geplündert waren.
Der erste Gang (Nummer 1 auf dem Bild und auf der Zeichnung) befindet sich gleich links
neben der Eingangstür. Der Schachteingang misst 2,25m x 1,20m und fällt im Winkel von 40°
auf einer Länge von 9,35m ab. Die unregelmäßige Grabkammer ist mit einer
Länge von 2,70 m x 2,15–2,90 m Breite und einer Höhe von 1,05m
aus dem Fels geschlagen worden.

Gang Nummer 2 führt zur Hauptkammer des Grabinhabers und befindet sich unterhalb der
Scheintür. Die Kammer misst 5,10 m x 2,00 m und ist 1,10 m hoch.
In dieser wurde eine Grabgrube von 2,85 m x 1,10 m und einer Tiefe von 1,00 m
ausgearbeitet; hier soll auch der hölzerne Sarg des Schepsi-pu-Min/Kheni gestanden haben.
Auch verfügte die Grabkammer über eine kleine Nische (0,90 m × 0,80 m × 1,00 m hoch),
in der wahrscheinlich die Grabbeigaben aufbewahrt wurden.

Grabschacht Nummer 4 ( IV ) mit der Öffnung von 2,60 m x 1,00 m wird
seiner Frau Hetepti/Hetepet zugeschrieben. Die Grabkammer selbst ist in Form
eines Halbkreises mit einer Höhe von nur 1m angefertigt worden.

Bild

Das Grab bzw. die Malereien haben sehr stark unter Rußablagerungen zu leiden.
Einige einzelne Darstellungen kann man aber noch ausmachen, wie diese
beiden Transportschiffe, die üblicherweise bei Trauerprozessionen dargestellt werden,
was in späterer Zeit die Abydosfahrt nach Süden übernahm.

Bei genauem Hinsehen kann man auch noch Details erkennen wie
die zwei „Affen“(?) in den Masten oder zwei Männer, die an den Tauen arbeiten.

Bild

Bei dem zweiten Schiff erkennt man noch zwei Steuermänner, von denen jeder einen langen
Stab (Ruder) zum Steuern des Schiffes bedient. In der Kajüte, die sich in der Mitte des Schiffes
befindet, ist Kheni selbst mit einem breiten Halskragen und einem langen Stab
in seiner rechten Hand dargestellt.

Bild

Die Szene, wie der Verstorbene einen Stierkampf beobachtet, ist auch noch zu erkennen.
Stephan Seidlmayer will hier aber nicht nur einen Stierkampf im herkömmlichen
Sinne sehen. Er vermutet eher, dass hier das Verhältnis zu Macht und Gewalt
untereinander rivalisierender Provinzen dargestellt wird.
Kheni ist hier in entspannter Haltung zu sehen, wie er sich auf einem Stock abstützt.
Über ihm befinden sich zwei Hieroglyphenzeilen, die seine Titel und Namen wiedergeben.
Zitat: aus The Rock Tombs of - El – Hawawish Volume II Naguib Kanawati
"Der Gaufürst, der einzige Gefährte, der Stolist des Min,
der Vater des Min, der Diener des Min, Kheni'."
Vertikal vor ihm ist zu lesen:
"Beobachten des Stierkampfes durch den Gaufürsten, den einzigen Begleiter, Kheni."


Bild

Hier erkennen wir eine große Sänftenszene, also der Grabherr in einem Tragestuhl.
Einige Ägyptologen, wie z.b. Martin Fitzenreiter (Dekorierte Grabanlagen im Alten Reich), wollen
da auch eine Sänftenprozession erkennen. Er geht sogar so weit,
dass er die ganze Szene mit einer Totenprozession vergleicht.
Mit dieser Szene lässt Schepsi-pu-Min jedoch seinen hohen Stand
in der Gesellschaft darstellen, womit man das Ganze auch als Statussymbol
interpretieren kann. Ich habe mal die Umzeichnung von Kanawati (el-Hawawish II, Fig. 21)
über das Originalbild gelegt, so erkennt man noch mehr Details.
Um den Verstorbenen sind seine Titel und Namen zu lesen:
"der Gaufürst, der Aufseher von Oberägypten, der große Herrscher von Achmim,
Schepsi-pu-Min, sein schöner Name, Khen-ankhu;
der Siegelbewahrer des Königs von Unterägypten, der einzige Gefährte, der Stolist des Min, Kheni."

Getragen wird die mit einem trapezförmigen Baldachin beschirmte Sänfte
von 8 Männern, wahrscheinlich aber eher 16, da die zweite Reihe der Träger
nicht realistisch dazustellen war. Unter dem vorstehenden Baldachin (vor dem Grabherren)
befinden sich in zwei Registern seine Bediensteten, auch hat sich der Künstler Seni
selbst hier abgebildet.

Bild

Kheni sitzt hier vor einem Opfertisch, der mit 14 Broten beladen ist, und
über ihm befinden sich Hieroglyphenzeilen, in denen wieder seine Titel aufgelistet
wurden. "der Gaufürst, der Siegelbewahrer des Königs von Unterägypten, der einzige Gefährte,
der Stolist des Min, der Aufseher der Priester, der große Oberherr von Achmim, der Vater von Min,
der Diener von Min, der Ehrwürdige vor Anubis, der Erste der göttlichen Kammer,
Schepsi-pu-Min, sein schöner Name, Khen-ankhu."
Vor ihm wurde eine Opferliste mit insgesamt 100 Einträgen aufgelistet.

Bild

Vor der Opferliste sind je zwei Männer in 5 Reihen aufgeführt,
ich nehme mal die ersten 3 Register stellvertretend hier in die Nahaufnahme.
In der ersten Reihe hält der Opferträger Gemüse und einen Korb
auf den Schultern, während der zweite eine Gans und einen Krug bereithält.
In der zweiten Reihe bringen sie Lotus und auch wieder Körbe mit
Nahrungsmitteln für den Verstorben.
An der Nordwand befindet sich noch eine Opfertischszene, bei der mir diese
Opfergabenträgerinnen ins Auge gefallen sind.
Nach meiner Meinung hat der Künstler viel Wert auf das Aussehen der Damen gegeben,
wenn man darauf achtet, dass sie alle unterschiedliche Perücken und Schmuck tragen.
Auch repräsentiert jeder von ihnen eines der Güter von Kheni und der dort
produzierten Waren. Kanawati gibt die Hieroglyphen wie folgt wieder:

snTr-xnj „Der Weihrauch des Kheni“;
sSt-xnj „Die seschet-Frucht des Kheni“;224
Snat-xnj „Das Vorratshaus des Kheni“ (zweifelhaft)
jrp-xnj „Der Wein des Kheni“;

Bild

Kheni wird hier mit Panterfell, was ihn als Priester kennzeichnet, dargestellt,
vor seinem Fuß ist sein Sohn etwas dunkler zu sehen. Hier lesen wir neben den ganzen
Titeln von Kheni auch etwas zu seinem Sohn.
- "sein ältester Sohn, sein geliebter, der Siegelbewahrer des Königs von Unterägypten,
der einzige Gefährte, der Stolist des Min, der Aufseher der Priester, Tjeti'." -
Der Rest der Szenen bezieht sich auf die Opfertiere und ihre Schlachtung.

Bild

Die Pfeiler der Halle sind alle dekoriert, aber
auch hier ist es sehr schwer, noch etwas zu erkennen.

Bild

Nun besuchen wir die Grabanlage von
Ka-Hep/Theti-Iker (H26),
dem Vater von Schepsi-pu-Min (H24)
weitere Schreibweisen für ein und dieselbe Person sind
Kahep / Cheti-Iqer / Thetiiker / Tjeti-Kaihep / Kai-hep
Kaihep - Tjeti-iker

Seine Titel waren u.a.
Gaufürst, großes Oberhaupt des Gaus von Achmim
Vorsteher der Priester, Vorsteher von Oberägypten
Siegler des Königs, Einziger Freund ..

Auch hier musste man den Felsen komplett abtragen und den Eingang absenken,
um den imposanten Zugang zu gewährleisten. Der Vorhof misst somit 5,05m x 5m
und der Säulengang 5,40m x 3,70m. Der Architrav wird von 4 Pfeilern, die je 3,65m hoch sind,
getragen. Bei vier der sechs Außengräbern, die alle geplündert waren, wurden auch
Scheintüren angebracht, aber leider ist auf keiner eine Inschrift erhalten geblieben.

Auf der Außenfassade sind Kahep`s Titel zu lesen,
sowie, dass Kheni (sein Sohn) das Grab hier fertigstellen ließ.
Seine Frau sollte man hier an der Seite des Türportals auch erkennen,
was uns aber nicht gelang. Über der Tür befinden sich die Sieben Heiligen
Öle, die die Reinheit des Grabes symbolisieren. Darunter die bekannte Opferformel:
Zitat: Kanawati Volume I
Htp dj nswt Jnpw tpj Dw.f jmj-wt nb t3-Dsr prt-xrw n …
'Ein Opfer, das der König gibt an Anubis, der auf seinem Berg ist,
der sich am Einbalsamierungsort befindet, den Herrn des heiligen Landes,
[auf dass er geben möge] ein Totenopfer für ...'

Bild

Das Grab wird ebenfalls in die Regierungszeit von Pepi II.
während der 6. Dynastie datiert.
Es wurde unregelmäßig aus dem Felsen gehauen und misst heute an der
Nordwand eine Länge von 8,85 m, die Südwand 7,55 m, die Ostwand 5,75 m
und die Westwand 5,64 m. Die Decke kommt auf eine Höhe von 3,00 m.
Auch muss man beim Betreten der Grabanlage
aufpassen, da sich (wie bei vielen anderen) direkt am Eingang der
Schacht zur Grablege befindet.

Bild

Der Zugang zur Grabkammer hat eine Öffnung von 2,12 x 1,20m. Der Gang selbst
hat eine Gesamtlänge von 10,20m und ist 1,20m breit und 1,35m hoch.
Die Grabkammer ist unregelmäßig aus dem Fels gehauen und ca. 4,10 m x 3,50 m messend
mit einer Höhe von 1,65 m. Für den Holzsarg wurde eine Grube
von 2,70 m x 1,15 m x 1,05 m Tiefe ausgehoben.
In der Grabkammer selbst fand man außer einigen Keramikscherben
leider nichts mehr vor.

Bild

Wenn man die Querhalle betritt, fällt der erste Blick auf die Szene mit
Ackerbau und Viehzucht. In Kahep`s Arbeitsbereich fiel auch die
Inspektion der Landbevölkerung, da er den Titel und somit das Amt des
„Vorsteher von Oberägypten“ innehatte.


Bild

In der oberen Szene sind vier Gabenträger mit einer Stange, an denen zwei Körbe hängen.
Die Szene darunter zeigt uns heute noch den genauen Vorgang des Erntens von „Korn“.
Nur muss man die Abfolge von rechts nach links ansehen. Die ersten zwei Bauern ernten
das Getreide mit kurzen Sicheln, während die nächsten zwei Bauern ihre Sicheln unter den Arm
geklemmt haben und in der Hand das Getreide tragen.
Der dritte Arbeitschritt: das Bündeln des Getreides.
Hier wird anschaulich gezeigt, wie ein Mann einen Ballen wickelt, indem er zwei
Enden des Seiles hält bzw. verknotet. Der letzte Schritt ist dann das Beladen der Esel.
Über dem Esel ist auch zu lesen: Sd aAt nt mAwt – „Fortschaffen vieler Getreidehalme/-garben“

Bild

Die Darstellung an der Südwand von Ka-Hep beim Speerfischen wird hier
wohl mit der Symbolik der „Auferstehung“ gleichgestellt. Unter bzw. zwischen
seine Füßen ließ er auch seine Frau auf einem Papyrusboot darstellen.
Diese feminine Darstellung, wie sie an einer Lotosblüte riecht,
ist eines der bekanntesten Bilder aus seinem Grab.
Über ihr ist geschienen: Hmt=f mrt=f Xkrt nswt watt Rst
„Seine Frau, seine geliebte, der einzige königliche Schmuck“.
Damit man es besser erkennen kann, habe ich hier mal die
Umzeichnung von Kanawati darüber gelegt.

Wobei (in meinen Augen) die viel wichtigere - oder besser gesagt -
aussagekräftigere Darstellung sich hinter Tjeti-Iker befindet.

Bild

Hier haben wir den Künstler Seni, der uns sagt, dass er nicht nur dieses Grab dekoriert hat,
sondern auch das von Kheni, seinem Sohn. Was nun schon der zweite Hinweis darauf ist, dass der
Sohn das Grab seines Vaters fertig stellen ließ, der erste befindet sich ja an der Außenfassade.

Inschrift des Seni:
Links: Der Vorzeichner (Künstler) Seni, er sagt:
Mitte: Ich war es, der beschreibt das Grab des Gaufürsten Cheni
Rechts: Ich war es auch, der dieses dein Grab beschreibt.

Hinter Seni ist der Bruder von Tjeti-Iker dargestellt und seine
Titel stehen über ihm: „sein Bruder, sein geliebter,
der Schreiber des großen Hauses/Pharaos und des Hauses der Bücher, Isesi.“

Auch interessant ist, dass der Künstler noch Vorrang vor Isesi / Izzi, dem
Bruder, hat und an erster Stelle genannt und dargestellt wird.
Vielleicht wurde es ihm nur gestattet, weil er dem Grabherrn auch im Jenseits
immer mit seinen Künsten zur Verfügung stehen sollte.

Über die Herkunft und den Stand der drei Damen ist leider nicht mehr viel zu lesen.
Es wird aber davon ausgegangen, dass es sich auch um Familienmitglieder handelt.

Bild

Womit wir nun zur dritten Erwähnung des Künstlers Seni hier im Grab kommen:
Er hat auch hier eine prächtig geschmückte Sänfte illustriert, wie auch oben schon
bei H24 beschrieben. (Leider ist diese Darstellung nicht mehr so gut erhalten.)
Hier wird er auch in der Prunksänfte zum
großen Fest mit Tänzern getragen, was auch sein Ansehen als großer Gaufürst
widerspiegelt; die Hieroglyphen geben seinen Namen und Titel nochmals wieder.
In Verbindung mit dem Fest wird auch (wie oben bei Schepsi-pu-Min)
davon ausgegangen, dass es sich hier nicht (nur) um ein Freudenfest im realen Sinne
handelt, sondern das der rituelle Tod ein wichtiger Bestandteil des Festes sein könnte.
Wie immer ist man sich auch hier eben nicht sicher und nichts eindeutig belegt.

Bild

Vor der Sänfte auf der Nordwand sind die Tänzer und Musiker des großen Festes
wiedergegeben. Die Musikerin/Harfenistin spielt auf, wobei zwei Mädchen mit langen Zöpfen,
die sich für meinen Geschmack etwas weit nach hinten „biegen“, die von zwei Tänzern,
die ihre Hände nach vorn halten, gefolgt werden. Den Schluss der Tanzszene machen zwei
Frauen mit erhobenen Armen. Über der Tanzszene ist zu lesen:
„ … des Harems des Hauses, er sagt: […] für den Ka des Gaufürsten …“
Siegelbewahrers des Königs von Unterägypten,
den einzigen Gefährten, Priestervorsteher, Stolisten des Min, Vorstehers
des oberägyptischen Getreides, ‚Vater des Min‘, Tjeti.“

Darunter sehen wir, wie Hirten, die sich auf Booten befinden, fünf Rinder durch
ein Gewässer bzw. eine Furt treiben. Der Hirte auf dem Boot hält ein Kalb am Bein, damit es die
Überquerung des Flusses übersteht.
Die Beischrift sagt uns, dass ein Hirte vor einem lauernden Krokodil warnt,
das aber heute nicht mehr zu sehen ist.

Bild

Im oberen Teil befindet sich die Jagdszene - oder besser gesagt -
des Vogelfangs mit einem Klappnetz, darunter die des Fischens mit einem Handnetz.
Ich fragte mich, warum die drei Fischer hier fast auf dem Boden liegend dargestellt
sind. Kanawati meint dazu, dass hier eben die letzte Phase des Fangs und somit
das Einholen des Netzes dargestellt wird, und die drei Männer mit so viel Kraft an
dem Seil gezogen haben, dass sie eben beinahe umgefallen sind.
Über der Szene ist auch zu lesen:
„Opfern von Vögeln für den Ka des Gaufürsten, den einzigen Gefährten ...“

Bild

Diese Darstellung, in vier Zeilen, ist eigentlich in zwei Szenen zu sehen.
In den unteren beiden Registern bewegen sich die Rinder bzw.
Antilopen vom Grabherren Kahep weg, wobei die oberen zwei Szenen
des geschlachteten Viehes wieder zu ihm ausgerichtet ist.
Die beiden oberen beziehen sich vollständig auf das Schlachten der Rinder,
wobei auch hier wieder wert aufs „Detail“ gelegt wurde, da z.B. alle Schlachter mit
einem Wetzstein ausgestattet sind. Auch wurden vom Zerlegen bis hin zum Überbringen
der Fleischopfer alle Schritte dargestellt. Die beiden unteren Zeilen zeigen das Herbeibringen
der Opfertiere, wobei hier auch die Anzahl für die Nachwelt angegeben ist, über der Antilope
ist zu lesen „1000 junge Oryxantilopen“ und bei dem Ochsen „2012 junge Langhornrinder“

Bild

An der Südwand befinden sich drei Boote - zwei Transportboote und ein Boot,
das mit der Trauerprozessionen in Verbindung steht, da auf ihm ein Baldachin
dargestellt ist. Vermutlich beherbergt er den Sarkophag des Grabinhabers,
leider ist die Szene aber sehr zerstört.
Die Darstellung der Boote kann man wohl auch hier als „Vorläufer“ der rituellen Abydosfahrt
ansehen, die später zum Standard in den Gräbern wurde.
Die Boote sind auch nur ein Ausschnitt
aus dem Bestattungsritual und werden als Totenfahrt der Mumie
von Nord nach Süd von Memphis nach el Hawawish gesehen.

Bild

Beide Boote verfügten über 12 Ruder; zu sehen sind aber nur 6, da man die anderen der
gegenüberliegenden Seite nicht darstellen konnte. Da die Segel aber voll aufgebläht sind,
haben die Ruderer wohl nichts zu tun, was man anhand der Stellung der Ruder weit über der
Wasseroberfläche sehen kann. Beim ersten Boot sitzt ein Mann auf dem Kajütendach,
der das Ruder bedient, über ihm ist ein Befehl zu lesen:
„Dreht sie nach links!“ – der Befehl galt dem Mann, der die Taue
am Segel bedient, und er antwortet. „Es werde getan nach deinem Wunsch.“

Bild

Die Szene darunter habe ich mal in drei Teile (auf meinem Bild geteilt), da sie am besten
einzeln betrachtet / gewertet werden sollten. Zusammenfassend sind hier die
Handwerker, die Kahep`s Grabbeigaben anfertigen, dargestellt.

1. Es sind der Titel „Vorsteher der Zimmerleute“ ( jmj-rA mDHw) und das Wort „sägen“ (wst) zu lesen.
Dieser besagte Zimmermann fertigt bzw. bearbeitet das Holzbett.
Es sind auch schon einige Stücke fertig gestellt, wie z.B.
ein Sitz (oder der Tragestuhl aus der anderen Szene ?), eine Kopfstütze
und zwei Betten, eines aus Ebenholz und das zweites, das braun dargestellt ist.

2. eine Darstellung, die ich selbst so noch nicht gesehen hatte, und die mir sehr interessant vorkam.
So habe ich herausgefunden, dass es sich hier um einen Ebenholz Baldachin
mit zehn sichtbaren (aber wahrscheinlich mit zwanzig Pfosten) handelt.
Das Herrichten des Bettes in der Bettlaube steht wohl im Zusammenhang mit
der Auferstehung des Verstorbenen.

3. Die vier Arbeiter versorgen einen Ofen über lange Rohre mit Luft,
damit er auch ja kräftig Hitze erzeugt (stA aAt – „sehr heiß machen“).
Für was der Ofen so angefeuert wird bzw.
was sie da herstellen, beschreibt Kanawati leider nicht.
Ob die verschiedenen Topfformen, die nach dem „sehr heiß machen“
und bei der Vierergruppe dargestellt sind, vielleicht etwas aussagen
kann ich nicht beurteilen aber es liegt doch nahe ??

Bild

In der Nordostecke des Grabes befindet sich eine Nische (3,50 x 2,24 m),
die man auch als Kapelle/Kultnische ansehen kann. Vor der Scheintür, die
leider weitgehend zerstört ist, befindet sich auch eine kleine Opferstelle.
Die Scheintür wurde wie bei den Vorgängergräbern, die wir besucht haben,
so positioniert, dass sich die Sargkammer direkt darunter befindet.

Bild

Bild

Vor der Scheintür befindet sich eine umfangreiche Opferliste der 6. Dynastie.
Sie erzählt in drei Registern, mit jeweils mindestens 30 Einträgen und einem vierten Register
mit 7 Einträgen, was dem Grabherren dargebracht wurde. Von Nahrungsmitteln z.B. Brot, Kuchen,
Gänsen über Fleisch jeglicher Art, sogar von (spHt) „Rinderrippen“ ist die Rede.
Auch ist aufgeführt, dass bestes Zedernöl, bestes libysches Öl, Weine und natürlich Bier
dargebracht wurden. Auf dem rechten Bild habe ich zur besseren Sichtbarkeit
auch die Umzeichnung von Kanawati darübergelegt.

Bild

Nun macht uns doch glatt unser Grabwächter erneut klar, dass es doch Zeit wäre,
uns auf den Rückweg zu machen. Um ehrlich zu sein, hatten wir echt die Zeit vergessen,
als wir uns dann endlich losreißen konnten, sahen wir doch glatt, dass
die Sonne schon recht weit am Horizont vorangeschritten war.

Ist das nicht aber eine Wunderschöne Aussicht von hier oben auf das Niltal??
… neeeee, wir wollten eigentlich nur sitzen bleiben und den Sonnenuntergang
hier oben genießen. Aber damit war er so gar nicht einverstanden, und wir machten
uns wieder auf den langen Rückweg die unzähligen Stufen nach unten.

Bild

Bild

Bei den vielen Gräbern, die rechts und links des Weges noch waren,
und die wir gerne noch näher „untersucht“ hätten, waren wir
enttäuscht, dass keine Zeit mehr war.
(ganz abgesehen davon, dass wir sicher sehr viel Überzeugungsarbeit leisten
müssten, um da rein zu dürfen)

Bild

Bild

Irgendwie waren wir dann aber doch froh, den Treppenabstieg geschafft zu haben,
aber mit einem sehr guten Gefühl, dass wir (ich) es geschafft hatten
und diese beeindruckenden Gräber und die tolle Aussicht erleben durften.

Bild


Benutzeravatar
Isis
Administration
Beiträge: 17006
Registriert: Sa 07 Sep, 2002 00:33
Wohnort: BW
Kontaktdaten:

Re: Teil 1 und 2 über unseren Trip nach El Hawawish

Beitragvon Isis » Do 09 Jul, 2026 13:14

salam

sooooo teil 2 hat es nun auch geschafft und ist online.

ma salama
... isis ...

Benutzeravatar
Astrodoc
Kreuzfahrer
Beiträge: 166
Registriert: Do 31 Aug, 2023 20:11
Wohnort: Mayen
Kontaktdaten:

Re: Teil 1 und 2 über unseren Trip nach El Hawawish

Beitragvon Astrodoc » Do 09 Jul, 2026 18:31

Hallo! Der Sarg des Kai-Hep hat Nr. 28004, nicht 28004127.
Schöne Grüße!
Astrodoc

Benutzeravatar
Isis
Administration
Beiträge: 17006
Registriert: Sa 07 Sep, 2002 00:33
Wohnort: BW
Kontaktdaten:

Re: Teil 1 und 2 über unseren Trip nach El Hawawish

Beitragvon Isis » Fr 10 Jul, 2026 17:48

salam

hatte ich eigentlich doch geändert :gruebel: nach dem ich nochmals
in den büchern nachgesehen hatte ... grrrr ..
aber nun ist es in der online version nochmals richtig gestellt.

ma salama
... isis ...

:daumen: dem korrekturleser entgeht auch nichts :bravo:
auch nicht bei einem soooo langen bericht :daumen: