Sexuelle Übergriffe auf Frauen beim Ramadanfest in Kairo

Hier könnt ihr Einsteigerfragen zu Ägyptologie, Tempeln, Götter usw. stellen, aber auch zur gegenwärtigen Kultur, dem Land und seinen Menschen Stellung beziehen

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Alexa

Sexuelle Übergriffe auf Frauen beim Ramadanfest in Kairo

Beitragvon Alexa » Fr 24 Nov, 2006 10:38

Wusstet Ihr das? Ich habe es erst jetzt durch einen Bericht im Spiegel erfahren und mal gegoogelt:

http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/ ... 889309.asp

http://www.politikcity.de/forum/showthr ... 74&t=14852

http://alsharq.blogspot.com/2006/11/gyp ... uelle.html

Finde das ja oberkrass.
Ich war im Jahr davor zum Ramadanende in Kairo unterwegs und wurde ohne Ende angelabert und 1x angefasst (von einem ca. 11jährigen, fand das eher absurd), aber ich dachte immer, Belästigungen fänden allenfalls gegenüber "unzüchtig" gekleideten Touristinnen statt, aber nicht gegen brav bekopftuchte und bedeckte Ägypterinnen.......

bint hathor

Beitragvon bint hathor » Fr 24 Nov, 2006 11:23

Ja, ich hatte das ziemlich aktuell in einem anderen Forum mitgekriegt. Meine Tochter war ja von August bis Oktober in Kairo, hat davon zwar nichts mitbekommen, aber sie hat mir auch mehrmals bestätigt, dass die Kerlchen so um die 10 Jahre wirklich am schlimmsten sind, vor allem, wenn sie in Horden auftreten.
Über die dortigen Methoden, kleine Paschas zu (v)erziehen, möchte ich lieber nicht intensiver nachdenken, sonst packt es mich... :evil:

Viele Grüße
bint_hathor

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Beitragvon Isis » Fr 24 Nov, 2006 11:24

salam

ich habe mir nun alles durchgelesen und was soll ich sagen :x


Die Sendung bei Dream macht trotz allem Hoffnung. Denn neu ist nicht nur, dass einige junge Ägypter vollends ihre Erziehung vergessen, sondern auch, dass erstmals offen über sexuelle Übergriffe und ihre gesellschaftlichen Ursachen gesprochen wird.


http://www.nzz.ch/2006/11/03/vm/articleEMK4O.html

das läßt echt zu hoffen.

ma salama

...isis...

Alexa

Beitragvon Alexa » Fr 24 Nov, 2006 11:45

Hallo bint hathor, die Erfahrungen Deiner Tochter kann ich nur bestätigen.
Ich war ja nur zweimal in Kairo und jeweils nur für wenige Tage, aber dieses sexualisierte Verhalten gerade bei Jungen so von 8-12 Jahren ist mir sehr aufgefallen.
Der eine, der mir an den Hintern griff, war ja nur die Spitze des Eisbergs. Alle naselang blinzelte mir so ein Knirps zu und säuselte „welcome to Egypt“, „you are beautiful“, „I love you“ etc.
Gewiss kein normales Verhalten für 10jährige.

Mir wurde in einem englischsprachigen Forum erklärt, es läge vielleicht daran, dass die Jungen von ihren Vätern, Brüdern, Cousins oder Bekannten, die in den Badeorten arbeiten, die abenteuerlichsten Geschichten erzählt bekommen über die europäischen Frauen, die fast nackt am Strand liegen und mit den ägyptischen Männern flirten.
Und dazu kämen dann die freizügigen Satellitenkanäle mit den leichtbekleideten Frauen in Musikvideos.

Ich habe allerdings noch eine andere traurige Vermutung: Sexualisiertes Verhalten bei Kindern weist ja häufig auf Missbrauch hin. Ich könnte mir vorstellen, dass nicht wenige Jungs in diesem Alter von ihren wenig älteren Brüdern, Cousins oder Freunden missbraucht werden, weil diese halt keine Freundin haben dürfen und Sexualität so hochtabuisiert ist, dass diese ihren sexuellen Frust so herauslassen.
Und natürlich darf darüber noch weniger geredet werden als über Übergriffe gegen Frauen/Mädchen, weil Homosexualität ein noch größeres Tabu ist als Sexualität ohnehin.

bint hathor

Beitragvon bint hathor » Fr 24 Nov, 2006 12:30

Wenn das so ist - und ich habe Ähnliches auch schon gelesen - dann möchte ich nicht wissen, wie es den jüngeren Schwestern von solchen Bubis ergeht...

bint_hathor

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Beitragvon Isis » Di 25 Nov, 2008 19:15

salam

hier mal wieder was neues zum thema das hier wohl am besten dazu passt.

http://www.focus.de/panorama/welt/aegyp ... 50129.html

ma salama

... isis ...

bint hathor

Beitragvon bint hathor » Mi 26 Nov, 2008 09:09

Der Kommentar (von Candide), der darunter gepostet wurde, ist ja wohl ein bisschen daneben: es ist doch ein gravierender Unterschied, ob irgendetwas in gegenseitigem Einverständnis passiert (auch wenn es vielleicht geltenden Regeln widerspricht) oder ob jemand sich hemmungslos über den Willen anderer hinwegsetzt! Dafür fehlt mir jegliches Verständnis!

Viele Grüße
bint_hathor

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Beitragvon Isis » Mi 26 Nov, 2008 16:20

salam

ich habe im urlaub gehört das sich nun die damen auch gegen solche "übergriffe" wapnen. sie tragen nadeln die sie angeblich für das kopftuch brauchen in der hand und stechen kurzerhand einfach dem kontrahenten zurück. sie meinte nur, der betreffende kann nix machen, da er sich sicher nicht beschwert sonst würde ja herauskommen was er gemacht hat und die frau ist auch aus dem schneider, denn sie agumentiert so, das sie im berieff war ihr kopftuch neu fest zustecken. ich finde das eine gelungene art zich gleich zu "rechen" :)

ma salama

... isis ...

bint hathor

Beitragvon bint hathor » Do 27 Nov, 2008 09:02

sie tragen nadeln die sie angeblich für das kopftuch brauchen


Davon habe ich auch gehört - deshalb wohl der verstärkte Trend zum Kopftuch... :idea:

LG, bint_hathor

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Beitragvon Anck-Su-Namun » Fr 28 Nov, 2008 02:07

laut einer untersuchung eines fraueninstituts in kairo, wurden mehr als 80% der ägypterinnen schon min. 1x einmal belästigt. und belästigt werden schon lange keine touristen mehr, auch einheimische gehören mit zur "beute", da wird auch kein halt gemacht vor verschleierten frauen. die männer streiten natürlich alles ab, am ende ist man sogar als vollverschleierte frau noch schuld dran. ist ein sehr heikles thema und hab gelesen das die regierung nun straff dagegen vorgehen will. wie, das wird derzeit noch überlegt.

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Einfach unfassbar

Beitragvon Mad_73 » Mo 25 Mai, 2009 14:22

Ich bin auch von diesem Verhalten entsetzt. Bin selber mit einem Ägypter verheiratet und bereise das Land häufig. Auch mir ist aufgefallen, wie aufgeheizt die Situation ist. Mein Mann ist der Auffassung das liegt vor allem an der falschinterpretation der Religion, die eine striktere Geschlechtertrennung zur Folge hat und der Scheinheiligen vieler. Er meinte, die vielen ägyptischen Auswanderer, die nach Saudi Arabien gezogen sind, um nach dem Ölboom Geld zu verdienen, sind auch mit sehr befremdlichen Ansichten zur Religion zurückgekehrt und haben die Gesellschaft beeinflusst. Ausserdem sei es ein ideales Mittel für die durch und durch korrupte Regierung, um das Volk beschäftigt und somit ruhig zu halten.

Mich beängstigt, dass noch immer Fraue in der ägyptischen Gesellschaft benachteiligt sind. Ein grosses Thema, was uns wohl noch lange Weltweit beschäftigen wird.

Mir ist das bis anhin weder in Alexandria noch in Kairo passiert - aber das liegt wahrscheinlich daran, dass ich mit einem Ägypter unterwegs war. Wo es mir aber auch selbst in Begleitung meines Mannes nicht wohl war und obwohl ich in eine bodenlanges nicht eng anliegendes Kleid gehüllt war, war Marsa Matrouha. Dort habe ich mich (obwohl weder Arme noch Beine noch sonst was zu sehen war) echt nackt gefühlt.

Wir sind dann auch früher wieder abgefahren, da ich einfach nicht mehr da bleiben wollte.

Nun noch ein Wort zu diesem Forum: ich finde es wunderbar, dass es ein solches offenes und konstruktives Forum gibt. Ganz grosses Kompliment an alle.

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Beitragvon Uli » Mo 25 Mai, 2009 18:32

grosses Kompliment an alle.


Danke für das Lob! :oops:

Mich beängstigt, dass noch immer Fraue in der ägyptischen Gesellschaft benachteiligt sind.

Wieso noch? Ich glaube das wird eher schlimmer als besser.
Am Wochenende habe ich irgendeinen Bericht im Fernsehen gesehen, wo sie in Kairo gefilmt haben. Kommentar dort war: "Noch vor ein paar Jahren sah man in Kairo kaum Frauen mit Kopftüchern. Inzwischen tragen es die meisten."

Womit ich jetzt nicht sagen will, dass Frauen mit Kopftüchern automatisch auch benachteiligt werden, aber man sieht, wo es hin geht.

Ich kann mich auch noch an meine ersten Reisen (1999) nach Ägypten erinnern. Da wurde vom Reiseführer noch erzählt: "In Kairo sind die meisten eher westlich eingestellt. Frauen gehen arbeiten, in Banken, tragen keine Kopftücher, haben westliche Kleidung an". Ob man das heute als Tourist immer noch erzählt bekommt? Vermutlich nicht...

Andererseits überlegt man sich natürlich, ob das Kopftuchtragen vielleicht auch nur ein Schutz für die Frauen vor solchen Übergriffen ist. Denn mit Kopftuch werden sie eher in Ruhe gelassen (vermute ich mal) als wenn sie ohne rum laufen. Denn die meisten Frauen die so nach dem Islam leben sind ja auch davon überzeugt, dass es für sie am besten ist.

Ich bin froh, das ich dort nicht leben muss, sondern nur 3 Wochen im Jahr dort in Urlaub bin. Ich würde mit all diesen Einschränkungen und mit den Moralvorstellungen an die man sich anpassen muss (oder die man zumindest über sich ergehen lassen muss) nicht leben können.
Wenn mich in Köln einer angafft oder von der Seite anquatscht, dann kann ich reagieren. Wenn ich aber sehe, wie sich schon allein die 10-12 jährigen Jungs in Ägypten gegenüber westlichen Frauen aufführen, dann möchte ich nicht erfahren, wie es dann tatsächlich mal in einem nicht-Touristen-Gebiet abgeht, wenn man dort als Frau rumläuft.

Ne, so schön es auch landschaftlich und pharaonisch in Ägypten ist. Ich würde nie dort hin siedeln.
:(

Gruß
Uli

Gast

Beitragvon Gast » Mo 25 Mai, 2009 19:35

Hallo,

Wenn ich aber sehe, wie sich schon allein die 10-12 jährigen Jungs in Ägypten gegenüber westlichen Frauen aufführen, dann möchte ich nicht erfahren, wie es dann tatsächlich mal in einem nicht-Touristen-Gebiet abgeht, wenn man dort als Frau rumläuft.


Da ich mich in Ägypten eigentlich fast ausschließlich an den Orten rumtreibe, an denen (wenn überhaupt) die letzten 50 Jahre kein Hellhäutiger gesehen worden ist und v.a. keine alleinreisende, hellhäutige, junge Frau, kann ich dies nicht bestätigen. Das ist eindeutig ein Problem des Tourismus und beschränkt sich somit zu großen Teilen auch auf die Touristenorte. Ich bin immer wieder heil froh, wenn ich Orte wie Kairo, Luxor oder Aswan wieder verlassen kann (die anderen touristischen Destinationen sind für mich sowieso uninteressant). Ansonsten treffe ich zwar immer wieder auf Verwunderung (schließlich verlässt eine anständige (muslimische) Frau nicht ohne männliche Begleitung das Haus) und finde mich auch immer mal wieder in Situationen wieder, die nicht als angenehm zu bezeichnen sind, jedoch ist es nirgends so unangenehm wie an den Orten, die vom (Massen-)Tourismus und den Touristen leben.

Gruß!

Mad_73
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Reislamisierung

Beitragvon Mad_73 » Di 26 Mai, 2009 11:34

Hallo an alle

Sicherlich hat diese Problematik auch mit dem Tourismus zu tun und wie alle Menschen neigen auch die Ägypter zu Verallgemeinerungen.

Es gibt natürlich auch Europäer, die sich unmöglich aufführen - aber es gibt halt immer solche und solche, wie schon so schön Valentin erkannt hat.

Ich denke aber auch, dass eine starke Reislamisierung in der gesamten islamischen Welt im Gange ist. Viele der vorhergehenden Ideologien, wie der Sozialismus, sind gescheitert und in diesem Vakuum haben sich einige "religöse" Gruppierungen breit gemacht, die meiner Meinung nach die Religion ausschliesslich für ihre Zwecke missbrauchen.

Im Grunde genommen finden sie die Nährboden aber meiner Meinung nach lediglich aufgrund der teilweise katastrophalen wirtschaftlichen und sozialen Umstände, der Korruption der Regierungen und deren Misswirtschaft.

Die grosse Frage ist, was kann man tun - wo ansetzen. Ich bin nachwievor überzeugt, dass die Bildung ein grosses Thema ist. Noch immer ist ein grosser Teil der ägyptischen Bevölkerung des Lesens und Schreibens nicht mächtig. Es gibt einfach keine Chancengleichheit. Jetzt kann man natürlich argumentieren, dass diese auch bei uns nicht gegeben ist. Das ist richtig - aber wir haben uns das Recht erkämpft, unabhängig von unserer Herkunft eine Chance zu haben. Das System ist überhaupt nicht perfekt, aber es gibt doch sehr viel mehr Chancengleichheit.

Das ist doch beste Nährboden für Extremisten. Haben wir im 20. Jahrhundert nicht ganz Ähnliches erlebt? Wenn auch nicht im religösen so doch im nazionalistischen Sinn - aber ich denke der Aufhänger ist im Endeffekt gar nicht mal so wichtig. Gefährlich sind die Menschen die dahinter stecken.

bint hathor

Beitragvon bint hathor » Di 26 Mai, 2009 12:53

Ich bin nachwievor überzeugt, dass die Bildung ein grosses Thema ist.


Das sehe ich auch so. Nur dadurch können Vorurteile abgebaut und gegenseitiges Verständnis, Toleranz und Respekt gefördert werden. Die Installation einer Satelliten-Antenne auf dem Dach reicht dafür nicht.

LG, bint_hathor