Heute nehme ich euch mit auf den „Gräberberg“ von el Hawawish.
Hier befindet sich die Felsennekropole von Ipu, der alten Hauptstadt des
9. oberägyptischen Gaues. Heute heißt die Stadt Achmin / Achmim
und ist eigentlich eher für seine Merit-Amun-Statue
(Ehefrau und Tochter von Ramses II.) und den Min-Tempel bekannt.
Das ist aber eine andere Story und Platz, über den ich schon einmal 2004
berichtet habe --- https://www.isis-und-osiris.de/isisosir ... inia1.html
und auch noch einmal einen neuen Bericht machen werde.
Um Achmim herum wurden mehrere Nekropolen gefunden, unter anderem
el-Salamuni (Neues Reich), das wir aber leider nicht besuchen durften,
da es wieder einmal nicht für Touristen zugänglich ist.
Nur komisch, dass es mal geöffnet war … aber wie so oft in Ägypten:
nicht alles, was heute offiziell zugänglich ist, ist morgen auch noch offen.
El Hawawish wurde in zwei Teile unterteilt: 1) El Hawawish A,
befindet sich näher am heutigen Kanal, liegt auf einem Hügel
in ca. 20 bis 30m Höhe und erstreckt sich über ca. 3km Länge.
2) El Hawawish B: Diesen Friedhof besuchen wir nun; er ist unter den Ägyptern
auch als Beit e-Medina bekannt ist.

Hier sind bis jetzt mehr als 800 Gräber gefunden worden.
Die Nekropole umfasst die Zeit des Alten Reiches und der ersten Zwischenzeit
und wurde ca. 400 Jahre lang genutzt (Regierungszeit der Könige Pepi und Teti I.)
Bei 60 von den Gräbern wurden noch Inschriften und Begräbnisszenen
entdeckt. Fünf der schönsten Gräber sind seit 2021 auch zu besichtigen.

Auf der Anfahrt kann man den Berg schon von Weitem ausmachen;
und so konnten wir unser Ziel fast nicht verfehlen.

Als wir näher kamen, sahen wir auch die zwei Türme
der Masgid-el-gebel-el-sharqi-Moschee („Moschee des östlichen Berges“),
die auf der gegenüberliegenden Bergspitze erbaut wurde. (Bild links)

Wir haben nun die Nekropole B von Ipu den Berg Beit e-Medina erreicht.
G. Maspero führte hier 1888 das erste Mal wissenschaftliche Untersuchungen durch.
Ihm folgte dann 1912 Percy Newberry, der hier ebenfalls einige Gräber untersuchte.
1979 bis 1992 wurde die Nekropole vom Australian Research Council und
dem Australian Centre for Egyptology Research der Macquarie University
unter der Leitung von Naguib Kanawati untersucht;
welcher die ganze Arbeit in 10 Bänden festgehalten hat.
The Rock Tombs of El-Hawawish: The Cemetery of Akhmim
Informationen aus diesen 10 Bänden werde ich hier im Bericht verwenden,
die Genehmigung zur Nutzung seiner Pläne liegt mir von ihm persönlich schriftlich vor.


Im Februar 2021 war es dann auch soweit, dass die ganze Nekropole
mit einer großen Feier für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.
Die Planer des Ganzen haben wohl mit einem Riesenandrang auf die
Hawawish-Nekropole gerechnet und haben m.M.n. alles etwas
überproportional angelegt. So wirkte unser Bus auf dem großen Parkplatz
etwas verloren. Seit der Eröffnung wurde auch die Preistafel nie erneuert oder zumindest
versucht, die neuen Preise irgendwie sichtbar zu machen. Die 60LE waren noch von 2021;
heute (2025) kosten die Eintrittskarten 150LE.
Auch das Besucherzentrum und das Café waren geschlossen. Beim Café habe ich
es wegen der „vielen nichtanwesenden“ Touristen auch noch eingesehen,
dass es geschlossen hatte; aber warum das
Besucherzentrum auch geschlossen war, erschließt sich mir nicht.


Es soll wohl tagesformabhängig sein, ob es offen ist oder geschlossen, wie uns ein
User im Nachhinein mitteilte, da es bei ihm offen war. Und so hat er für den
Bericht hier, auch die Karte mit den Übersichtsplänen auf Bild gebannt.

Hier haben wir auch ein kleines Video des Areals, dass die Dimensionen
der zu besichtigenden Anlage zeigt.
https://www.youtube.com/watch?v=CqM09qrVwUk
Nun geht es aber los, und wir beginnen mit dem Aufstieg.
Laut Aussage unseres Ghafirs haben wir nun einen 600m
langen Treppenaufstieg vor uns, was sich eigentlich ja nicht ganz
so schlimm anhört; als er uns aber auch etwas von wegen 1400 Stufen
erklärte, klang es nicht mehr ganz so harmlos. Die Angaben konnten wir
leider nicht bestätigen, denn wir haben uns beim Aufstieg und dem Zählen
der Stufen - verzählt und es dann aufgegeben
Es waren auf alle Fälle viiiiieeele Stufen für mich als ungeübte Treppensteigerin.
Ich habe euch einmal den Weg, hier in die Karte mit den
einzelnen Plattformen bzw. Rastplätzen mit Bänken eingezeichnet.




Nun haben wir die Höhe erreicht, wo links und rechts des Weges
auch schon die ersten Gräber auftauchen.
Diesen widmen wir uns aber auf dem Rückweg, nun muss erst
mal das erste Etappenziel erreicht werden.

Geschaaaafffft … die erste Ebene, die auf einer Höhe von 196 Metern
liegen soll, ist erreicht und erfreut uns mit diesem Ausblick auf die Gräber …
und diesen phantastischen Ausblick über den Nil.
Die Anstrengung hat sich schon alleine dafür gelohnt.

Unser erster Weg führt uns zum Grab des
Nehwet Desher (Nhwt-dSr) -
Nehut-descher alias Mery - G95
Die Datierung des Grabes wurde auf die frühe oder mittlere Regierungszeit
von König Pepi II. (2278–2184 v. Chr.) festgehalten.
Mery war der unmittelbare Nachfolger von Tjeti / Kai-hep (Grab M8)
der wahrscheinlich sein Bruder war.

Nehwet Desher wird auf seinem Sarg (CG 28007) auch als Mery (Mrjj)
bezeichnet und war ein hochrangiger Beamter, der unter anderem folgende Titel trug:
Aufseher der Priester - jmj-rA Hm.w-nTr
Eingeweihter in das Geheimnis des Schatzes des Gottes - Hrj-sStA n sDAwt-nTr
großer Oberherr der Provinz - Hrj-tp aA n spAt
Diener des Min – Hm Mnw
Stolist des Min - smA Mnw
einziger Gefährte - smr watj
Schatzmeister des Königs von Unterägypten - sDAwtj-bjtj
(Übersetzung Naguib Kanawati)
Anmerkung von Astrodoc:
sDAwtj-bjtj (neue Lesung: xtmw-bjtj) ist der „Siegelbewahrter des
Königs von Unterägypten“, während Hrj-sStA n xtmw-nTr
eher als „Geheimrat des Gottessiegelbewahrers/des Obersten Balsamierers“
zu verstehen ist. (Übersetzungen nach R. Hannig)
Die Lage des Grabes direkt an der Ecke des Berges verhinderte eine imposante
Außenfassade, und auch das Innere ist recht einfach gehalten, ganz ohne Säulen oder
Ähnliches. Man geht davon aus, dass sein Sohn, der das Grabmal für seinen Vater errichten ließ,
ihn neben seinem Grab bestattet haben wollte. (zu ihm kommen wir aber noch)

Die schräge Außenfassade ist leider abgebrochen, so dass ihre Höhe nicht
eindeutig bestimmt werden kann; aber sie ist 2,30m breit ausgearbeitet worden.
Die Grabkapelle selbst ist unregelmäßig aus dem Fels gehauen, so dass sie mehrere
Maße hat: 3,45m bis 3,85 auf 6m, die Höhe der Decke ist mit 1,80m
auch nicht gerade sehr hoch gehalten.
Die Nische ist 0,55 m breit, 0,45 m Tief und 0,90 m hoch.
Was sich darin wohl einst befunden haben mag??

Hier auf der Ostwand ist der Grabherr mit einem langen Rock und einem Panterfell dargestellt,
was ihn somit als Oberpriester ausweist; auch sind hier seine oben genannten Titel in
der Hieroglyphenspalte zu sehen. Es sind drei seiner Söhne verzeichnet, die mit
„sein Sohn, sein Geliebter“ angegeben sind. Der erste Sohn ist vor ihm zu sehen und weist
ihn (auch) als Meri aus, die beiden anderen Söhne stehen hinter ihm in zwei Registern.
Bei dem oberen ist „Aufseher der Priester von Min“ und bei dem unteren „der Gefährte,
der Aufseher der Priester, Tjeti“ angebracht.
Vom Rest der umfangreichen Opferliste ist leider nicht mehr viel zu sehen.

Hier haben wir die Südwand. Wenn ich mir die Umzeichnung von Kanawati ansehe,
war sie „damals“ noch besser erhalten, denn er hatte die ganzen Texte (zum Glück) noch
kopieren können. Er erkannte im oberen Register zwei Söhne, davon war einer als:
„sein ältester Sohn ... , der einzige Gefährte ...“ betitelt, dabei handelt es sich wohl um
Shepsi-pu-Min, der das Grab hier für seinen Vater ausschmücken ließ
und auch sein Nachfolger im Amt wurde. (leider ist er heute nicht mehr zu erkennen)
Im unteren Register sind nochmals zwei Söhne und drei Töchter
mit ihren Titeln dargestellt:
1. „sein Sohn, sein Geliebter, der Aufseher der Priester, Tjeti“
2. „sein Geliebter, der Leiter eines Stammes ... „
3. - Tochter - „Shjht / Sehihet“
4. „seine Tochter, die Bekannte des Königs, Imat“
5. „seine Tochter, seine Geliebte, Iti“


Nehutdescher hat sich hier an der Nordwand mit seiner Frau darstellen lassen.
Eigentlich sind es getrennte Szenen, da sich beide vor einem Opfertisch befinden
und sich somit gegenüber sitzen.
Die Darstellung des Grabherrn ist aber fast nicht mehr zu erkennen, so konzentrieren wir uns
auf seine Frau namens Isi / Jsj, deren Titel hier unter anderem aufgeführt sind:
„(1) Ein Opfer, das der König gibt an Anubis, der auf seinem Berge ist, der
sich am Einbalsamierungsort befindet, den Herrn des Heiligen Landes,
auf dass er geben möge ein Totenopfer für die Ehrwürdige
(2) vor dem großen Gott, die Bekannte des Königs,
die Priesterin der Hathor, Herrin der Sykomoren, Isi.“
Die übrigen Inschriften in diesem Abschnitt sind identisch
mit denen, die sich auf den Tisch des Ehemannes beziehen.
Auch ist hier die Rede von
„Tausend Broten, tausend Biere, tausend Alabaster, tausend Kleider,
tausend Vögel und tausend Ochsen“ als Opfergabe.

Nun kommen wir vielleicht noch kurz zu den drei Grabschächten, die hier
gefunden wurden. Leider waren alle drei geplündert und undekoriert.
Der erste Grabschacht, der heute noch offen gehalten wird, befindet sich vor der Scheintür, und
es wird angenommen, dass Nr. I für den Grabinhaber selbst errichtet wurde.
Der Schacheingang bzw. Öffnung ist 2,80m x 1m und führt senkrecht in eine Tiefe von 5,10m.
Die Grabkammer selbst ist 3,50m bzw. 3,10m x 2,15m bzw. 1,80m.
Die Decke wurde als Gewölbe errichtet und hat an der flachsten Stelle nur
eine Höhe von 0,85m und in der Mitte max. 1,20m.
Die Bestattungsgrube ist nochmals 0,70m tiefer in den Boden gearbeitet
und verfügt über eine Länge von 2,55m und eine Breite von 1,05m.

Nummer II und III wurden nach der Erforschung zum Schutze wieder verfüllt.
Bei Grabschacht Nummer II handelt es sich um einen abfallenden Gang.
Der Gang führt im 20° Winkel auf einer Länge von 5,30m unterbrochen von Stufen
nach unten. In der Grabkammer wurde eine 3,15m 1,10m große Grabnische ausgearbeitet.

Nummer III ist die kleinste Grablege und befindet sich so zu sagen direkt an der
Eingangstür. Auch hier wurde ein schräger Gang mit einem Einstieg von nur 1,65m x 0,80m
nach unten gegraben. Am Ende des recht kurzen Ganges befindet sich die 1,50m / 1,60m x 1,20m
kleine Grabkammer; auch die niedrige Decke von max. 1,05m fällt bis auf 0,85m
ab. Am Ende ist noch eine kleine Nische von 15cm tiefe und einer Breite von 55cm ausgearbeitet.

Wir fragten uns vor Ort, ob diese Tür eigentlich einst als Scheintür konzipiert und
sie dann später als reale Tür umgebaut wurde ?? Die Antwort lieferte mir dann
bei der Aufarbeitung hier zu Hause, Buch Nr. 8 von Kanawati.
Es war wohl wirklich als Scheintür mit 1,10m breite und einer Höhe von 1,70 erbaut
worden. Es wird anhand der wenigen Reste, die noch vom Original erhalten sind,
davon ausgegangen, dass die ursprüngliche Scheintür (wie bei den anderen Gräbern)
über ein Gesims mit der typisch ägyptischen Hohlkehle verfügte.
Es ist nicht bekannt, wann die „Schein-“ zur „Real-“Tür umgearbeitet wurde;
auf alle Fälle konnte man dann von G95 direkt zum Nachbargrab G97, das
seinem Sohn gehörte, durchschreiten.
Das Grab wurde später auch von koptischen Menschen bewohnt, die die ursprünglichen
Malereien mit Lehm „verputzten“ und neu dekorierten. Was wohl nachträglich als Glück
zu sehen ist, da so die Farben erhalten geblieben und die Szenen von Nehwet Desher erst
nach dem Entfernen des Lehms wieder zum Vorschein gekommen sind.

Nun schauen wir uns in unmittelbarer Nähe erst einmal in den
undekorierten Gräbern um. So war der Plan … aber leider hatte ich nicht viel Zeit, mich den
Gräbern zu widmen, da meine Abwesenheit von der Gruppe doch recht schnell
von unserem Ghafir entdeckt wurde. Deshalb habe ich leider nicht viele Bilder dazu.
Auf dem Plan kann man aber gut erkennen das alle drei Gräber G96 / G97 / G98
später mit Durchgängen bzw. Durchbrüchen verbunden wurden.
Leider ist die Dekoration der anderen Gräber fast nicht mehr erhalten, was eine genaue
Zuordnung erschwerte. Kanawati geht aber - wie oben schon mal angesprochen -
davon aus, dass der Grabherr von G98 der Sohn von Nehwet Desher aus G95 ist.
Dazwischen befindet sich G97, das er älter als die beiden anderen einstuft, und das
somit schon vorher angelegt wurde.
Hier bei G97 wurden Fragmente von Inschriften seiner Titel als
Lektor / Vorlesepriester und alleiniger Begleiter gefunden, aber vom Namen des Grabinhabers
leider keine Spuren mehr. Kanawati vermutet aber aus seinen Infos, dass es sich hier um den
Vater bzw. Vorgänger im Amt von G95 Nehwet Desher handeln könnte.
Auch wird das Grab in die später Regierungszeit von Pepy I. ( Nefer-sa-Hor )
oder an die Anfangszeit von Merenre ( Meri-en-Re ) datiert.

Die Eingangsfassade wurde in einer Breite von 1,80m und einer Höhe von 1,75m
konzipiert. Die Tür selbst ist 0,90m breit und 1,55m hoch aus dem Felsen gearbeitet
worden, sie führt zu einer unregelmäßig geformten „Einraum“-Kapelle.
In der Grabkammer wurden zwei vertikale Schächte gefunden, die beide
geplündert waren. Dieser Schacht I. direkt am Eingang, hat einen Zugang von
2,15 m x 0,90 m und führte 4,40 m bzw. 4,85m in die tiefe wo
sich die 2,55m x 1,20m große Grabkammer befindet.
Der kleine Schacht II. in der südwestlichen Ecke ist nur 0,90m x 95m
und 3,95m tief, auch die Grablege selbst misst nur 1,10m x 1,15m.

Nun schauen wir auch noch „kurz“ ins Nachbargrab G98,
das nur durch die Seitenwand abgegrenzt wird.
Da ja bekannt ist, dass ein Shepsi-pu-Min das Grab für seinen Vater Nehwet-desher
errichten und dekorieren ließ, und man sein Grab aber in der Nähe nicht finden bzw.
zuweisen konnte, geht Kanawati davon aus, dass es die Grabanlage G98 ist.
(Nicht zu verwechseln mit dem Grab H24 Schepsi-pu-Min / Kheni.)
Seine Amtszeit wird in die frühe bis mittlere Regierungszeit von Pepi II / Nefer-ka-Re
vermutet. Er ließ seine Eingangsfassade 2,50m hoch mit einer Zugangstür von 0,90m breite
und 1,90m Höhe aus dem Berg herausarbeiten.
Beim Betreten der Grabanlage fällt rechts gleich dieser Durchbruch zur Grabanlage G97
ins Auge. Der Durchgang wurde aber wohl erst in koptischer Zeit durchgebrochen.
Was hier auch gut auffällt, ist, dass die Grabanlage tiefer errichtet wurde
als das Nachbargrab, da das Bodenniveau dort höher ist.

Überrascht war ich dann doch von der Größe der Anlage mit 6,40 bis 6,60 x 6,00m.
Die unebene Deckenhöhe, die zwischen 2,70 m und 2,90 m variiert, lässt das Ganze
recht imposant erscheinen. Geradeaus fällt einem die große Nische auf,
deren Inneres 5,85m misst und die von zwei Pfeilern vom Rest der Kapelle abgegrenzt wird.
Mit Blick auf den Aus-/Eingang sehen wir nun, dass das zweite „Loch“ niemals
als Durchgang gedacht war; auch das geschah erst bei der Zweitnutzung durch die
späteren koptischen Bewohner. Es wird auch davon ausgegangen, dass die
große Grabanlage ihren Nutzen als Kirche gefunden hatte.
Das zeigt wohl, dass alle Originalbildnisse vollständig verschwunden sind
dafür aber noch koptische Graffiti, sowie Figuren
von Heiligen an den Wänden erhalten geblieben sind.

Die drei Nischen bei den Säulen entpuppten sich als nur zwei, denn die mittlere
führte zu einem abfallenden Gang Nr. V. Die Öffnung, die wir hier sehen, ist 2,25m x 1m groß
und führt über 9m in die Tiefe und schlussendlich zu einer unregelmäßigen Grabkammer
von 1,55m x 2,90m / 2,40m und einer Höhe von 1,05m.
Diese Einkerbungen sind auch auf die spätere Nutzung der Grabanlage zurückzuführen.

An der Nordwand sind weitere drei Pfeiler errichtet worden, von denen der mittlere später
absichtlich entfernt worden ist. Der hintere Teil der Grabanlage ist nicht fertiggestellt worden;
wohl aus Zeitmangel, da der Grabinhaber früher verstorben ist. Er ließ dort aber Grabschacht III und
IV anlegen. Beide führen über einen schräg abfallenden Gang nach unten zu je einer Grabkammer.
Auch kann man von hier aus sehen, dass im oberen Bereich begonnen wurde,
einen „Schrein“ auszuarbeiten, der aber auch nie zur Vollendendung kam.
Wie gerne hätte ich die Planskizzen vor Ort
dabei gehabt, um einen besseren Überblick des Grabaufbaues zu haben.

Hier blicken wir in Grabschacht I und II.
Nr. I ist als abfallender Gang gearbeitet und führt zu einer 2,20m x 2,40m
Grabkammer, die aber nie fertiggestellt wurde. Nr. II wurde als senkrechter Schacht angelegt
und führt 5,95m in die Tiefe zu einer grob behauenen Grabkammer mit den Maßen 3,60 m x 2,75 m
und durchschnittlicher Höhe von 1,20 m. Kurios ist, dass sich beide den Zugang mit einer
Öffnung von 2,60 m x 1,05 m teilten.
Hier in Nr. II wurde auch das Fragment mit den Titeln des Grabbesitzers (siehe oben)
und somit der einzige noch schriftliche Hinweis gefunden.


Bevor wir das Grab verlassen, fällt der Blick noch auf den
zweiten Durchbruch in Grab G97 auch hier kann man nochmals
die gut ausgearbeitete Ein-/Ausgangstür sehen.

Aber nun erst einmal weiter ...

In G101 habe ich mich ohne Plan erst einmal nicht vorgewagt, da der
Grabschacht direkt am Eingang lag.
Kanawati lässt die Gräber in seinen Aufzeichnungen auch unbeschrieben,
da auch sie keiner Person zugeschrieben werden können.

Bei G103 sieht man auch gut, wie „verschachtelt“ die
ganzen Anlagen gebaut wurden.

G104 verfügte ebenfalls über einen zentralen Zugang, der noch
gut sichtbar war.

Auch hier befindet sich der Grabschacht direkt am Eingang

Nun aber wieder weiter auf der Südseite des Berges entlang ….

… OK entlang war „falsch“ gedacht, wie wir nach der ersten Biegung feststellten.
Wir mussten nämlich erst einmal eine „Etage“ weiterer Treppen hinunter
und es fiel uns gleich dieser vielversprechende Vorplatz auf.
Leider war unser Ghafir wohl der Meinung, dass die Grabanlage nicht so interessant sei,
und leider glaubten wir ihm auch. Nun bei der Ausarbeitung stellte sich das jedoch anders heraus.
Das Grab mit der Nummer M23 ist eines der größten und ältesten Felsengräber von El Hawawish
und gehörte wohl einem Mann namens Memi (Mmj) und seiner Familie.

Bei der Zuordnung des Namens ist man sich nicht sicher, da nicht viele Schriften gefunden
wurden bzw. fast alles verschwunden ist. Newberry listet die Grabanlage noch mit „Name zerstört“
auf. Kanawati dagegen hat bei seinen Arbeiten in unmittelbarer Nähe der Eingangsfassade zwei
Holzfragmente eines Sarges entdeckt, auf denen die Hieroglyphen Mmj zu erkennen sind,
so gibt er diesen Namen Memi eben vorläufig für die Grabanlage Nr. M23 an.
Er zieht Parallelen zum Grab von Hesi-Min M22 (zu dem wir gleich kommen)
und geht davon aus, dass diese Grabanlage unter Djedkare Ende der 5. Dynastie erbaut wurde.
Wenn ich mir nun die Planskizzen ansehe, ärgert es mich noch mehr, dass wir nicht einmal
einen Blick ins Innere geworfen haben, denn die Grabkapelle verfügt über eine Säulenhalle,
in der sich vierundzwanzig in Nischen stehende Statuen befinden, sowie eine Nebenkammer
und zwei große Scheintüren im Schrein.
Aber nun zurück zum Vorhof, dessen Boden bis zum Ende der Treppe 3,70m abfällt und
11,30 m (Ost-West) x 4,20 m (Nord-Süd) einnimmt.
Von hier aus kommt man in die Gräber M23, M22 und M21. Man geht
davon aus, dass sie auch in der Reihenfolge angelegt wurden.


In der Mitte des Eingangsbereiches sind noch Reste zweier Säulen zu erkennen,
so wird davon ausgegangen, dass sie einstmals ein Dach, dass bis zur Fassade
reichte, getragen haben was auch diese unebene Stelle an der Fassade zeigt.
Anhand dieser „rauen“ Stelle kann man auch die
ursprünglichen Maße für Höhe, Breite und Dicke des Säulendaches und somit auch die
Höhe der Säulen berechnen. Kanawati gibt die Säulen mit einer Basislänge von 1 m²,
die sich nach oben auf 0,75m verjüngen und einer Höhe von 4,40m an.
Das imposante Dach selbst wird mit einer Deckenhöhe von 4,10 m an der Fassade,
einer Dicke von 1,30 m und einer Breite von 4,50 m errechnet, was sicher sehr
imposant ausgesehen hat.

Es wurden hier auch 12 vertikale Schächte angelegt, von denen aber drei (g, k, l) nur begonnen,
aber nie fertiggestellt wurden. Anders sieht es bei a, b, und e aus, die zwar einfach
angelegt waren, aber dafür nicht geplündert.
a) Hier wurde in einer Tiefe von 2,05m eine versiegelte Grabkammer vorgefunden.
In ihr befand sich ein verwitterter Holzsarg und Gebeine, die aber in
seinem sehr schlechten Zustand waren.
b) Auch diese Bestattungskammer in 2,15m Tiefe war noch mit Stein- und Lehmziegeln
versiegelt. Sie enthielt einen undekorierten Holzsarg, in dem sich ein in Leinen
gewickelter Körper einer Frau befand.
e) Hier wurde eine eher kleinere Grabnische, die nur 1,10m x 0,95m und 1m hoch war, gefunden.
Aber was sie entdeckten, war schon interessant, denn dort befand sich ein verrotteter Korb, der
Skelettreste enthielt. Nach dem Fund dieser Korbbestattung kamen Kanawati und sein Team
zu dem Schluss, dass man andere, ähnlich kleine Gruben vielleicht neu bewerten müsste.

Diese zwei Grab- bzw. Bestattungskammern (o & p) sind in den Felsen
zwischen Außenfassade und Grabanlage eingearbeitet worden.
Man geht aber davon aus, dass sie erst später angelegt wurden. Auf dem Plan sieht man, dass
es eine beeindruckende Arbeit geworden ist, da ja nicht viel Platz vorhanden war, um nicht
in der Grabanlage von M23 zu landen.
o) Der Türrahmen wurde mit einer 0,60 m Breite x 0,30 m Dicke x 1,10 m Höhe
in die Fassade gegraben. Dahinter befindet sich ein unregelmäßiger Vorraum,
der ca. 1,60m x 2,30m groß ist und von dem man in die eigentliche Grabkammer,
die wiederum 2,30m x 0,75m misst, kommt.
p) Wurde ca. 0,45m über den Boden des Vorhofes angelegt und wurde auch
nur mit einem 1m hohem und 0,70m bereiten Zugang versehen.
Die eigentliche Grabkammer misst 1,90m x 0,80m und ist 1m hoch.


Nun aber weiter unserem Ghafir hinterher zu …
Hesi-Min / Hesimin (Gelobter des Min) (M22)
Er lebte wohl unter der Herrschaft von Djedkare Isesi / Djed-ka-Re (5. Dynastie).
Er ließ seine Grabanlage wie seine Vorgänger auch sehr strategisch an der
halbkreisförmigen Biegung auf einer Höhe von
130m über dem Meeresspiegel errichten. Seine Architekten hatten ihn nicht nur
mit dem imposanten Blick auf das Niltal gut beraten, auch war der kompakte Kalkstein
von guter Qualität und somit für das Grab bestens geeignet.
Der Vorhof ist ungewöhnlich schmal gehalten und erinnert eher an einen langen Gang.
Verstärkt wird dieser Eindruck noch durch die niedrige Mauer, die zum Schutz vor dem 3m tiefen
Abgrund zur Grabanlage M23 errichtet wurde. Sie wurde 2,55 breit und von 0,50 bis 1,20 ansteigend
aus dem Felsen gehauen.

Aber unser Augenmerk fiel erst einmal auf die Schächte und Gräber, die aus Platzmangel an dem
entlanggezogen „Vorhof“ errichtet wurden. Es wurden hier insgesamt neun vertikale Schächte
und drei Gräber M27, M28, M29 angelegt. Es wird davon ausgegangen, dass sie für nahe
Verwandten und/oder Gefolgsleute von Hesi-Min errichtet wurden.
Alle Schächte wurden geplündert vorgefunden, wobei bei Schacht a nach einer geringen
Tiefe schon festgestellt wurde, dass man in bzw. bei Grab M25 angelangt war,
das sich direkt darunter befand und dessen Zugang wir ja im Vorhof von M23 gesehen haben.
Die Schächte b. 1,55m und c. 1,75m waren somit auch nicht so tief ausgearbeitet worden.
Die Schächte auf der anderen Seite konnte man hingegen mit einer Tiefe von 1,90m (Schacht f)
bis 2,55 (Schacht h) eindeutig tiefer in den Berg treiben.
Auch hier war es mir nicht möglich, mich in aller Ruhe in den drei Gräbern umzusehen,
da es unserem Ghafir überhaupt nicht recht war, das ich schon wieder irgendwo
in ein Grab „verschwinde“
Aber trotzdem kurz zu den Gräbern.
M27 – ist 2,60m x 2,70m und verfügt über 2 horizontale Grabschächte
M28 – ist 2,65m x 1,80m und hat nur einen 1,70m tiefen Schacht
M29 – ist das größte der drei mit 3,70m x 2,00m und einer Nische von 1,50m x 1,20m.
Auch verfügt es über drei Grabschächte, wobei Schacht I mit einer Tiefe von 6m der
tiefste ist. Hier wurden bei den Ausgrabungsarbeiten im „Füllmaterial“ eine hölzerne Hand und
ein Gesicht gefunden, die von einem Sarg stammten. Sie werden aber auf ein „neueres“ Datum in
der römischen Zeit datiert, was als ein Beleg für eine Wiederverwendung angesehen wird.


Nun betreten wir aber das Grab M22, das Hesi-Min, sagen wir mal
als L-förmige Grabanlage, aus dem Fels hauen ließ.
Hier im Grab wurden folgende Titel gefunden;
Priester des Min
Aufseher/Vorsteher der Arbeiten/Bauten des Königs
Größter der Zehn von Oberägypten
und Vorsteher der Phylen (Arbeiter) von Oberägypten
Ich hatte es ja schon angesprochen, dass sich hier in der Ecke des Berges zwar der
qualitativ hochwertigere Stein des Berges befindet, was den Künstlern zugute kam, da sie
glatte Oberflächen aus dem Stein hauen konnten; aber leider war der Stein auch in
späterer Zeit deswegen noch sehr begehrt … und so wurde das Grab als
„Steinbuch“ missbraucht und somit sehr zerstört.
Beim Eintreten fällt der Blick sogleich in den langen Teil der Anlage,
wobei man aber erst einmal Vorsicht walten lassen muss, da fast
direkt an der Eingangstüre ein schräg abfallender Gang beginnt.

Der Gang mit der Nummer II ist 0,95m x 1,10m und fällt auf einer Länge von
5,55m im Winkel von 30° ab. Der sehr gut ausgearbeitete Gang führt zu einer großen
Vorkammer, die sich direkt unter der großen Scheintür in der Westwand des Grabes befindet.
In dieser großen Vorkammer wurde eine Grabgrube gefunden, aber nichtsdestotrotz hat er in der
nordöstlichen Ecke auch noch einen zusätzlichen vertikaler Schacht
von 7,10m in die Tiefe treiben lassen. Dieser führte zu einer zweiten Grabkammer.
Die ganze Grablege wurde geplündert vorgefunden, aber es konnten noch
Reste von Mumienbinden und ein noch fast perfekt erhaltenes Bein einer nicht
zuzuordnenden Mumie gefunden werden; vom Rest ist leider keine Spur mehr entdeckt worden.
Da es sich hier um die größte und aufwändigste Grabkammer der Anlage handelt, und dann
noch unterhalb der größten Scheintür, wird sie Hesi-Min zugeschrieben.


Hier in der Querhalle sieht man gleich die „Verwüstung“, die durch den Steinabbau bzw.
Steineklau entstanden ist. Man kann aber in den Ecken noch gut erkennen, mit welcher Genauigkeit
die Winkel ausgearbeitet wurden und auch, dass sie einstmals über akkurat geglättete und
mit Gipsputz bedeckte Wände verfügten. An der Nordwand wurde eine
große Statuennische ausgearbeitet, die leider als solche auch auf den ersten
Blick nicht mehr zu erkennenwar. Hier befanden sich zwei Figuren, vermutlich der Grabinhaber
und seine Frau, wie Kanawati angibt. Vor Ort sind uns diese gar nicht aufgefallen und bei der
Sichtung unserer Bilder musste ich auch genau hinschauen,
bis ich die „Reste“ der Beine/Füße entdeckt hatte.


An der Südwand kann man noch „ein Stückweit“ eine Opfertisch-Szene mit Hesi-Min und
seiner Frau Shepsit-Kaw/Schepsitkau erkennen, wobei ich nur die Beine mit dem langen Kleid
erkannte. Auf dem Opfertisch vor den beiden befinden sich zwölf Brote
aufgebaut, aber das sollte ja wohl nicht alles sein! Er ließ auch über dem Tisch
in Hieroglyphen viele Opfergaben in Zahlen angeben, wie z.B.
tausend Leinen, tausend Brote, tausend Biere, tausend Ochsen und tausend Vögel
sowie tausend Kleider. Über dem Paar ließ er auch die Titel seiner Frau verewigen
- die Bekannte des Königs, die Geliebte seines Herrn ... Hesi-Min -
weitere Titel, die noch im Grab gefunden wurden, waren:
Priesterin von Neith, Heqet und Hathor

Die Darstellung ist unterteilt: Im oberen Teil mit Opfergabenträgern und im unteren Teil
in Musik und Tanz. Im zweiten Register ist mir dieser schön gestaltete
Korb, der wahrscheinlich Gemüsesorten enthält, aufgefallen, auch sind im dritten
Register die Vögel sehr schön ausgearbeitet. Wobei man aber auch erkennen kann,
dass es den schönen Vögeln an den Kragen geht, da der erste Gabenträger die
vier Vögel nur trägt, während hingegen der vordere einem Vogel den Hals umdreht.
Es ist rechts vom Register auch eine Inschrift zu erkennen,
die uns die Arbeiten der Männer erklärt:
"die Auswahl an Speisen für den Ka jeden Tag zu bringen."

Die weibliche Harfenspielerin ist ebenfalls mit sehr viel Liebe zum Detail
vom Künstler dargestellt worden. Wenn man diese Szene mit anderen Gräbern vergleicht,
war wohl eine ganze Gruppe von Musikern dargestellt.

Auf der Westwand steht das Speerfischen im Vordergrund.
Hesi-Min fällt hier als Erster auf dem Papyrusboot auf; es sollen aber
auch seine Frau (neben ihm) und sein Sohn (vor ihm) zu sehen sein.
Von seinem Sohn, der in gleicher Haltung (nur viel kleiner) wie sein Vater dargestellt war, ist nur
noch ein Bein auf dem Boot und sein Speer zu sehen, aber die Hieroglyphen vor ihm weisen ihn als
seinen ältesten Sohn und Priester des Min, Ni-anch-Min/Ni-ankh-Min aus.
Im Wasser unter dem Boot soll ein Krokodil zu sehen sein, dass ich aber nicht
ausmachen konnte; aber ein Nilpferd kann man noch sehen.

Nun gehen wir weiter im Grab voran und sehen, wie viele Steine
hier doch abgebaut wurden, so dass diese „Löcher“ im Berg entstanden sind.


Auch haben wir bei den Steinbrucharbeiten entdeckt, dass sie sich sogar bis ins
Nachbargrab erstreckten. Der Decke erging es nicht besser, so dass sich hier die Fledermäuse
sehr wohl fühlen, wie man auf dem Bild erkennen kann.
Sie haben sich noch nicht einmal durch unsere Anwesenheit stören lassen.


Am besten erhalten ist die nördliche Scheintür, die sich über der
zweitgrößten Grabkammer befindet. Ausgehend von der Lage und der Größe der Scheintür
wird vermutet, dass sie für Shepsit-Kaw errichtet wurde.
Sie ist 3,00m hoch und 2,50m breit und davor befindet sich eine 2,75m lange Plattform.
Wohingegen die Scheintür für den Grabinhaber Hesi-Min 3,30m x 3,40m groß war, aber
von der leider nicht mehr viel zu sehen ist.

Der oberste Türsturz und die Türpfosten bilden den äußeren Rahmen.
Auf dem Türsturz wurden die Titel von Hesi-Min gefunden
[zitat] der Größte der Zehn von Oberägypten, der Vorsteher der Arbeiten des Königs,
der Vorsteher der Phylen von Oberägypten
Auf dem unteren (kleineren) Türsturz von rechts aus gesehen wurden die Titel
der Größte der Zehn von Oberägypten, der Vorsteher der Arbeiten des Königs,
der Bekannte des Königs, der Priester des Min, Hesi-Min‘ verzeichnet.
Die zwei Waagerechten Inschriften enthalten:
(1) der Größte der Zehn von Oberägypten, der ... des Königs, - Hesi-Min‘.
(2) die Priesterin der Hathor, Herrin der Sykomore, Shepsit-kau, - die Priesterin der Neith‘.[zitat]

(Bild 1) Der Opferträger mit einem Tablett wird hier als der
Ka-Diener/Totenpriester mit Namen Ankhu angegeben.
(Bild 2) In der Mitte des Türsturzes befindet sich die Hauptszene, in der auch die Titel
und Namen der dargestellten Personen bzw. Familienmitglieder erhalten sind.
Von links nach rechts
[zitat] 1. - „sein Sohn, Neb-anch-Min“ (sA=f Nb-anx-Mnw)
2. „der Bekannte des Königs, Hesi-Min“ - „der Geehrte vor dem großen Gott“.
3. „die Bekannte des Königs, Shepsit-kau“.
4. - ‚sein Sohn, Netjeri-ren-Min‘. [zitat]

Noch einmal kurz zu den Grabschächten, wo wir uns gerade in der Ecke befinden.
Der vertikale Grabschacht IV, dessen Öffnung quadratisch mit 1,15m angegeben ist,
führt 4,90 in die Tiefe. Die rechteckige Grabkammer, die ja Hesi-Min`s Ehefrau zugeschrieben
wird, misst 3,00m x 1,60m bzw. 1,45m; darin befindet sich die 1,80m x 0,80m große Grabgrube.

Bei Nummer V an der nordöstlichen Ecke wurde noch ein Schacht begonnen.
Dieser Schacht mit seiner Fläche von 1,00 m² und 0,35m Tiefe wurde nicht weiter bearbeitet;
so steht die Frage im Raum ... ist er aus Zeitmangel nicht weiter bearbeitet worden
oder wurde er zugunsten von Schacht IV aufgegeben?

Am Eingang in der Querhalle befindet sich Grabschacht Nummer I.
Auch seine Öffnung ist quadratisch auf 1,10m angelegt und führt 3,55 in die Tiefe.
Seine rechteckige Grabkammer ist 2,30m x 1,50m und 1,10m hoch ausgearbeitet worden.
Zu dieser Grabkammer gibt es keinerlei Vermutungen, für wen sie einstmals gedacht war.
Zu Nr. II von Hesi-Min bin ich oben ja schon eingegangen.

Aber wir sollten uns wieder auf den Weg machen, da ja
noch einige Gräber zu besichtigen sind.
Es hieß nun erst einmal wieder am Berg entlang und
trotzdem wieder Treppen rauf.

Das nächste Grab M43 war auch recht schnell erreicht.
Wobei wir erst einmal den vielen anderen Gräbern unsere kurze Aufmerksamkeit schenkten.
Irgendwie wollten hier in der Nähe eines so mächtigen Mannes (dazu später mehr)
noch viele weitere Personen ihre letzte Ruhestätte errichten, so dass schlussendlich
im Vorhofbereich zwei große Gräber M42 und M44, sowie
unglaubliche dreizehn kleinere Gräber und fünfzehn Grabschächte lokalisiert wurden.
Leider ist aber von keinem ein Name erhalten geblieben, mit einer Ausnahme: M45a.

Gleich am Ende der Fassade von M43 wurde ein quadratisch überdachter Hof aus dem Fels
gehauen, von dem aus man zu den Gräbern M44, M45, M45a und M45b gelangt.
Bei den umliegenden Gräbern ist zu erkennen, dass sie sehr verschachtelt errichtet wurden,
um jeden cm zu nutzen. Es wurde aber auch versucht darauf zu achten, dass sie nicht in andere
Gräber-Bereiche hineingraben, was zeigt, dass sie alle ziemlich zur gleichen Zeit
ausgearbeitet wurden und man sich der anderen Gräber bzw. des Aufbaues noch bewusst war.

Wie schon erwähnt wurde nur bei M45a eine Inschrift entdeckt, um genau zu
sein, auf dem Türsturz. Die erste Zeile wurde als versenkte Inschrift begonnen,
wohingegen der Rest nur noch mit schwarzer Farbe ausgeführt wurde.
Kanawati hat hier diese Lesung identifiziert:
„Der Vorsteher der Ka-Diener, der vor dem großen Gott Geehrte, Ifi-iret.
- Er ist ein vom König Geliebter … „ (Rest nicht mehr lesbar)
so ist zumindest der Grabinhaber noch bekannt.
Wie man sehen kann, ist M45a auch nicht gleich als „Grabanlage“
zu erkennen, ich würde es eher eine Grabnische nennen, da der Boden ja fast
komplett vom quadratischen Schacht (1,05m) eingenommen wird.
Dieser Schacht fällt 2,80m in die Tiefe und führt in eine kleine rechteckige Grabkammer.

Aber nun zurück zu M43 von Hem-Min, des Dieners der Gottheit Min,
der Gouverneur von Oberägypten zur Regierungszeit König Teti (6. Dynastie) war.
Er war der erste Mann, der dieses kurz zuvor eingeführte Amt
außerhalb der Hauptstadt innehatte, und in Achmim befand er sich
im Zentrum seines Zuständigkeitsbereichs, der sich vermutlich
von Memphis bis Assuan erstreckte. Zu seinen Aufgaben
gehörte die Inspektion aller 22 Provinzen Oberägyptens.
In seinem Grab wurden auch weitere Titel gefunden wie
Aufseher des großen Gerichtshofs,
Größter der Zehn Oberägyptens und Priester der Maat

Ungewöhnlich ist, dass der Zugang zur Grabkammer (Plan I) im offenen Vorhof, also
vor dem eigentlichen Eingang zur Grabanlage liegt, was aber den Bauarbeiten
im Innern geschuldet ist (dazu aber später mehr).
Der 10m lange Gang zur (ersten) Grabkammer führte mit einem Gefälle von 25° nach unten,
so dass die Grabkammer unterhalb der Scheintür angelegt werden konnte.
Gut durchdacht (siehe Plan) ist auf alle Fälle, dass er erst eine
vollständige Grabkammer mit einer 2,15 m x 0,90 m großen Sargwanne
anlegen ließ. In der nördlichen Ecke ließ er aber auch
noch einen senkrechten Schacht, der zehn Meter in die Tiefe führt, ausarbeiten,
der schlussendlich zur eigentlichen Grabkammer von Hem-Min führte.
Diese rechteckige Grabkammer mit 3,60m × 2,95m und einer Raumhöhe
von 1,40m bis 1,60m war dann doch beachtlich groß.
In dieser ließ er sich auch bestatten und den Zugang
wieder füllen, so dass jeder Grabräuber eigentlich davon ausgehen musste,
dass die obere Kammer schon geplündert war und seine Mumie tief unten vor ihnen
geschützt sei. Leider hat dieser Täuschungsversuch nicht funktioniert, da auch
die Hauptkammer von den Archäologen geplündert vorgefunden wurde.



