Palast vom Prinzen Youssef Pacha Kamal - Qena / Nag Hammadi
Verfasst: Mo 14 Sep, 2026 18:44
Es geht heute mal nicht um die ganz alte Geschichte Ägyptens, sondern
um die „Jünger“ aus dem 20. Jahrhundert.
Auf unserer Rückfahrt von Sohag nach Luxor, haben wir einen Stopp
in Qena / Qina – um genau zu sein: in Nag Hammadi – gemacht.

Wie ihr auf der Karte sehen könnt, sind wir „nur kurz“
von der Wüstenautobahn abgebogen.
Wir hätten aber nicht damit gerechnet, dass das kurze Stück Abbiegen dann
über eine Stunde einfache Fahrtzeit in Anspruch nehmen würde.

Auf der Autobahn sind uns die vielen LKW`s, die mit großen Steinblöcken
beladen waren, extrem aufgefallen, und wir stellten uns die Frage:
Wer will denn ‘ne neue Pyramide bauen???

OK ... neue Pyramiden haben wir dann doch keine entdeckt,
aber wer große Pylone in die Wüste baut,
braucht auch Steine.

Aber auch das „Neue“ verfällt leider schon wieder.
Sehr, sehr schade um die ganze Arbeit, die in dieser
einstmals so schönen Wandarbeit steckt.

Am Rande der Autobahn haben wir dann diese kleine
Kaffeebar entdeckt und gleich mal ein Päuschen eingelegt.
Der Barista hier machte aber einen guten Kaffee und Tee,
auch wenn die Kaffeebar nicht danach aussieht.

Und kaum hatten wir die „Grenze“ zum Gouvernement Qena überschritten,
hatten wir auch gleich wieder „Begleitung“.
Wie schön, daß wir unsere Kaffeepause noch genießen konnten,
denn mit dem „Geleitschutz“ wäre das nicht mehr machbar gewesen.
Die Herren wären sicherlich, wie man so schön sagt,
„Not amused“ gewesen, dass Touristen da einfach ausgestiegen sind
und dann auch noch eine Kaffeepause machen.

Nun haben wir aber unser Ziel des Stopps,
das direkt am Nil gelegen ist, erreicht:
die Palastanlage des
Prinzen Youssef ( Youssouf / Yussuf ) Pacha Kamal
in Nag Hammadi.



Der Prinz ließ den „Sommer-Palast“ nördlich des Gouvernements Qena
in der Stadt Nag Hammadi erbauen. Die prachtvolle Palastanlage ist einer der
einzigartigsten Paläste Ägyptens. Sein Architekturstil vereint islamische
und europäische Elemente der damaligen Zeit. Die Leitung wurde dem
europäischen (slowenischen) Architekten Antonio Lasciak anvertraut, der ihn
in Jahre 1925 vollendete. Die gesamte Anlage erstreckt sich über eine Fläche
von ca. 10 Hektar und wird auch als architektonischer Komplex bezeichnet,
da sie aus vielen verschiedenen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden, sowie
Bereichen für unterschiedliche Zwecke bestand. (Wie auf dem Plan zu sehen)
Er besteht aus neun eigenständigen Gebäudeteilen:
dem Salamlek-Palast, der den öffentlichen Teil betrifft; hier hat der Hausherr seine
Gäste empfangen. (Plan Nr. 9)
Der Haramlek-Palast; dieser war den Frauen vorbehalten. (Plan Nr. 13)
Der Speisesaal, der sich in einem eigenständigen Gebäudekomplex befindet (Plan Nr. 7)
sowie der Küche und der Wäscherei, (Nr. 5)
einem Sabil / Brunnen (Nr. 3)
einem Haus für den Bezirksinspektor (Nr. 6)
und einem Mausoleum für Scheich Imran / Omran (12),
um nur mal die Wichtigsten zu nennen.

Aber vielleicht erst einmal zur Person:
Seine Königlichen Hoheit Prinz Youssef Kamal.
Er wurde am 17. Dezember 1882 geboren; seine Mutter war Nazbror Hanem (Nazparwar Hanim),
die zweite Frau seines Vaters Amir Ahmed Kamal. Sein Urgroßvater war
Muhammad Ali – der Begründer der Alawiden-Dynastie, die Ägypten von 1805 bis 1952 regierte.
Von seiner Familie ist er am wenigsten in der Öffentlichkeit aufgetreten oder von ihr
wahrgenommen worden. Das zeigt sich auch an der Tatsache, dass er, als Sultan Hussein Kamal
verstorben war, als sein Nachfolger den Thron besteigen und die Herrschaft über Ägypten
antreten sollte, er zu Gunsten von Prinz Ahmed Fuad I. darauf verzichtete.
Er lehnte ebenfalls alle politischen Ämter und die Krone ab, da er kein Interesse an der
aktiven Politik hatte. Dafür machte er sich in der Wissenschaft, der Kunst, Archäologie
und als Autor einen Namen.
Da er als einer der reichsten Ägypter der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts galt
und sein Vermögen 1934 auf 10 Millionen Pfund geschätzt wurde, verwendete er viel
Geld für Kunst und Wissenschaft, wo er maßgeblich beteiligt war:
- Gründung der Ägyptischen Schule der Schönen Künste (Mai 1908)
- Gründung und Präsident der König Fuad Universität (heute Universität Kairo)
- Gesellschaft der Kunstfreunde
- Mitbegründer der Ägyptischen Akademie der Künste in Rom
- Gründung des Museums für Islamische Kunst

Beim Betreten der Palastanlage sind einige Dinge im Vorhof zu entdecken,
unter anderem dieser Behälter aus schwerem Eisenblech, der mit
einer umlaufenden Nietverbindung wasserdicht gebaut wurde.
Wofür der Behälter hier im täglichen Leben eingesetzt wurde,
kann ich so gar nicht sagen.

Vor dem Eingangsportal zum Salamlek-Palast befindet sich
dieser schöne Marmor-Springbrunnen; er würde wohl imposanter rüberkommen,
wenn er mit Wasser befüllt und in Betrieb wäre,
denn die weisen, blauen und orangenen Elemente sind so nur zu erahnen.

Aber nun erst einmal zur „Privataudienz“ bei dem Hausherren in
seinem Extra für Gästeempfänge errichteten Palast.
Dieses schöne Dekorationsmuster, das den Bau auch auszeichnet,
mit roten und schwarzen Steinen, nennt sich wohl Ablaq-Stil.

Schon auf der imposanten Terrasse fallen einem auch gleich einige Dinge ins Auge.
Nur muss man die Augen erst einmal nach oben richten, auf diese aufwendig
gearbeitet Holzdeckenarbeit. Der Prinz verstand es, Relikte aus der vergangenen
islamischen Zivilisation zu retten. Wo auch immer ein antikes Gebäude abgerissen werden sollte,
war er in ganz Ägypten (und darüber hinaus) zur Stelle und kaufte die Antiquitäten,
auch eben Gebäudeteile auf, um sie zu retten. Er ließ diese dann in seinen Palästen
„wiederverwenden“, so dass sich hier viele ehemals
eigentlich regionale Arbeiten, im Palast zu einem Großen und Ganzen vereinten.

Das hier sind sogleich die nächsten Rettungsstücke:
Diese aufwendig geschnitzte Türe blieb für uns zumindest verschlossen.
Dieser Kilga, der aus einem Marmorblock geschnitzt (oder heißt das dann gehauen?)
wurde, stammt wohl aus der Fatimiden-Zeit (ca. 11. bis 12. Jahrhundert).
Die Funktion würde ich heute mit einem Trinkbrunnen gleichsetzen.
In der oberen Öffnung befand sich ein (meist aus Ton) gefertigter Krug
zur Aufbewahrung von Wasser. Auch heute noch wird an vielen ländlichen Orten das
gleiche Prinzip mit Tonkrügen zur Lagerung und Kühlung von Trinkwasser angewandt.

Nun geht es aber ins Gebäudev das einen rechteckigen Grundriss aufweist.
Links und rechts des Erdgeschosses befindet sich je ein großer Saal.
Vom Mittelkorridor gelangt man in ein Schlafzimmer und ein Badezimmer.
Das obere Stockwerk war uns leider auch verschlossen geblieben.


Hier im rechts bzw. östlich gelegenen Hauptsaal wurden früher sicherlich
die Gäste empfangen, da dieser Saal sehr aufwendig gearbeitete Dekorationsmuster aufweist.
Die exquisiten Kunstgegenstände wie auch Holzarbeiten stammen alle aus der
Mamluken- und Osmanenzeit.

Am auffälligsten sind diese
zwei Holzrahmen bzw. -nischen, die auch aus
der Mamelukenzeit stammen.


Auch sehr beeindruckend sind
die vielen Buntglas-Stuckfenster, wobei jedes für
sich eigentlich schon ein Kunstwerk ist.

Nun gehen wir den Korridor entlang zum „opulenten“, marmorverkleideten
Badezimmer, das natürlich den vollen Luxus seiner Zeit aufwies.
OK … das Dienstpersonal des Prinzen war dann auch schon lange nicht mehr
da, wie man unschwer erkennen kann.
Es wurde aber nach der Restaurierung des ganzen Palastes hier
wieder in seinen Originalzustand gebracht (dazu aber später mehr)



Gegenüber befindet sich das Hauptschlafzimmer des Prinzen.
Der edle Herr hatte sogar zwei große Schlafzimmerschränke, wobei
der „Einbauschrank“ ja alleine schon groß wirkt; leider war er verschlossen,
sonst hätte Frau ihn natürlich gleich mal inspiziert



Am Ende des Ganges, genau gegenüber des großen Saales,
befindet sich das Arbeitszimmer des Prinzen.

Hier dominiert der große Schreibtisch, auf dem sicherlich auch das
eine oder andere „wichtige“ Schriftstück zur Unterzeichnung kam,
oder vielleicht auch eines der Bücher des Prinzen geschrieben wurde.
Der Prinz und seine Mutter verbrachten meist die Wintermonate hier im Palast,
um unter anderem aber auch nach seine weitläufigen Ländereien, wie
z.B. Zuckerrohrplantagen und die dazu gehörigen Zuckerfabriken,
zu beschauen bzw. zu verwalten; dafür war so ein großes „Büro“ schon angebracht.

Beeindruckend fand ich hier aber die „Tee“-Ecke, die mit wunderschönen
Maschrabija-Fenster mit Stuck und Buntglas geschmückt sind.
Im oberen Bereich ist auch ein Koranvers, der sich über die ganze Breite
erstreckt, eingearbeitet worden. Freunde versuchten mir das Ganze zu übersetzen,
also hier der Versuch, das Ganze in Deutsch zu packen; aber ohne Gewähr
auf Richtigkeit. „Der Allergnädigste, der Barmherzige: ein Sieg von Allah
und ein baldiger Erfolg – frohe Botschaft für die Gläubigen“.

Auch hier findet man viele einzelne schöne Stück, die den Weg wieder zurück in
den Palast gefunden haben. Was mich nun auch dazu bringt, die „Leidensgeschichte“
des Palastes und der ganzen Anlage zu erwähnen.
Der Prinz und seine Familie mussten im Zuge der Revolution von 1952 den Palast
verlassen und 1953 mit dem Beschluss, dass das gesamte Eigentum der
Familie Muhammad Ali verstaatlicht wurde, begann auch der Zerfall.
Vieles ist schon in den ersten Wirren gestohlen worden, bis aus Kairo eine
Inventarkommission entsandt wurde, die die Antiquitäten, Sammlerstücke und Möbel
im Palast und allen Nebengebäuden erfasste und auch schätzte.
Die Schätzer waren wohl keine Kenner der Materie bzw. es war kein einziger
Sachverständiger in dieser Kommission, denn z.B. wurden 1953 für alle
Antiquitäten 682,52 Pfund und für alle Möbel 2,100 Pfund angegeben.
(Nachzulesen auch --> HIER <--- )
Um die Schätzungen heute besser einordnen zu können, hier mal die heutige
Kaufkraft 682,52 Pfund wären heute ca. 21.000 Euro, die Antiquitäten
und die Möbel wurden mit der heutigen Kaufkraft von 65.000€
in der Liste aufgeführt.

So wurden dann weiter Stücke im Auftrag des Staates verkauft, da das meiste aber im
Palast gelagert wurde, verschwanden da auch viele wertvolle Stücke, die eigentlich
in der Liste aufgeführt waren. Was noch fataler war, dass irgendein Beamter auf die
Idee kam, seltene Teppiche und Möbel im Keller zu lagern, obwohl bekannt
war, dass dieser bei der Nilflut meist unter Wasser stand
Dieser Umstand war wohl der Weiternutzung des Palastes vom Staat als
Hauptverwaltungssitz für die Behörde für Agrarreform / Landgewinnung
geschuldet, und auch das Finanzministerium fand hier „Unterkunft“.
In den 1960ern wurden sogar Teile bzw. Gebäude untervermietet, die dann
ihr Dasein als Erholungsdomizil fristeten.
Erst 1988 erließ der damalige Premierministers Dr. Atef Sedky einen Beschluss,
in dem er alle islamischen Baudenkmäler registrieren ließ, und so kam es, dass
der Palast in die Liste der islamischen Denkmäler Oberägyptens aufgenommen wurde.
Das brachte den Palast aber auch nicht weiter, denn 2002 wurden noch zwei
weitere Gebäude an Regierungsbehörden vermittelt. Erst 2008 hat der Präsident Hosni Mubarak
verfügt, dass der Palast von Prinz Youssef Kamal als historisches Denkmal erhalten werden solle.
Es mussten aber nochmals 10 Jahre verstreichen, bis 2018 dem Ministerium für Altertümer Gelder
(31 Millionen Ägyptische Pfund) zur Verfügung gestellt wurden, um die Restauration
durchzuführen. Es musste aber auch viel gemacht werden, da die Wände Risse aufwiesen.
Die Mashrabiya-Holzelemente sowie auch die fehlenden Fliesen mussten mit gleichartigen
Stücken erneuert bzw. ausgebessert werden usw. Der Palastgarten verdiente wohl die
Bezeichnung auch nicht mehr; so wurde versucht, ihn nach originalen
Aufzeichnungen wieder aufzubauen bzw. zu bepflanzen. Alle Holzarbeiten von
Decken, Wänden und Böden mussten aufwendig z.B. vom Ruß gereinigt
und ausgebessert werden. Es wurden auch mehr als 500 Objekte, die einstmals im
Besitz des Prinzen waren, hier wieder ausgestellt.
Nachdem die Rückbauarbeiten, wenn man es so nennen will, abgeschlossen
waren, wurde die Palastanlage 2019 für Besucher wiedereröffnet.
Ein kleiner Wermutstropfen bleibt aber … denn bis heute ist nur
ca. die Hälfte der ganzen Anlage wieder hergestellt; wie oben im Plan zu sehen,
kann nur der „rote“ Bereich betreten werden. Die anderen Gebäude
wie z.B. der Haramlek-Palast für die Frauen, der seiner Mutter
unterstand, ist leider nicht zu besichtigen, der mich persönlich aber
auch sehr gereizt hätte. (dazu aber später etwas mehr)

Von hier außen kann man auch noch die außen liegende Treppe zum
Dach erkennen. In manchen Beschreibungen ist zu lesen, dass man
dieses unglaublich aufwändig gearbeitete Treppenhaus auch benutzen konnte,
um auf das Dach mit den zwei Kuppeln zu gelangen.
Bei unserem Besuch war das nicht möglich, wobei ich mir auch nicht sicher bin,
ob ich die auch hätte testen wollen; aber in der Truppe wären einige
dabei gewesen, die da hoch gegangen wären.

Hier im verbleibenden Teil des Palastgartens sieht man auch gleich
hinter dem Palastgebäude die Abgrenzung bzw. die Mauer, die die ganze Anlage
teilt. Das Gebäude auf Bild eins war nicht zugänglich … und laut
Plan würde ich es als die ehemalige Wäscherei ansehen.
Beim Sichten der Bilder zu Hause ist mir doch auch glatt aufgefallen, dass
die Spitze des Mausoleums von Scheich Omran / Sheikh Imran zu sehen war.
Die Mutter des Prinzen ließ dieses zuvor existierende Mausoleum zum Dank für
den Scheich hier im Palastgelände errichten. Die Legende besagt, sie hätte
von einem Angriff auf den Prinzen durch einen Löwen geträumt und
dieser Scheich hätte ihn im Traum gerettet. Nachdem der Prinz von einer Jagd
zurückkam, wurde dieser Traum bestätigt, da der Prinz ihr erzählte,
dass ein Mann ihn vor einem Löwenangriff gerettet hätte.

Nun aber durch den Garten zurück zum
großen Speisesaal für festliche Gelegenheiten.
Irgendwie erinnert der Aufbau mit dem hohen Tor / Eingang und
den Zinnen eher an eine Burg als an einen Bankettsaal.


Hier also war einstmals die große Tafel zu finden, an der der Prinz zu Tisch bat.
Ich zeige euch nur mal ein paar Exponate von dem unsagbar schönen
Tafelgeschirr. Leider waren die Beschriftungen nur in Arabisch,
so konnte ich die Stücke nicht zuordnen. Wie aber zu lesen ist,
sind hier einige der schönsten und seltensten königlichen Stücke zu sehen, die
Prinz Youssef Kamal unter anderem auch aus Europa und der ganzen Welt
von seinen unzähligen Reisen mitgebracht hat.




Um vielleicht noch einmal auf die Fehleinschätzung der Inventarliste zu kommen,
ich habe -- Hier -- einige Posten aus der Liste gefunden.
Zum besseren Verständnis habe ich den Wert einmal in unsere heutige Kaufkraft
umgerechnet. Ganz nebenbei ist mir dann erst einmal wieder aufgefallen,
wie sehr das Ägyptische Pfund, alleine schon in meiner nun doch schon fast 40-jährigen
Urlaubszeit (ca. 1988 / 1 DM - 2,50 LE), in den „Keller“ gefallen ist.
1953 war 1 Ägyptisches Pfund offiziell etwa ca. 12 Deutsche Mark wert.
So wurde z.B. ein 13-teiliges antikes Holzbett auf 2,5 Pfund
= heute 71 € (oder ca. 4.200 EGP) geschätzt.
- zwei ein Meter hohe Keramikvasen in Form eines Kruges
– 40 Pfund, heute 1.231 Euro (ca. 72.900 LE)
- Zwei Fayence Gefäße 12 Pfund – heute 369 Euro (ca. 21.870 LE )
- zwei 60cm hohe Vasen 10 Pfund – heute 308 Euro (ca. 18.225 LE)
- 38 Porzellanteller 33 Pfund – heute 1.016 Euro (ca. 60.142 LE)
- 13 Eiscreme Becher 2,60 Pfund - 80 Euro ( ca. 4.739 LE)
Quelle: https://www.faroukmisr.net/p_yoseif_kamal_alwafd.htm


Auf diesem Podest findet man einen - sagen wir mal - Thron des Prinzen.
Die Decke der Nische ist auch wieder mit außergewöhnlichen
Holzarbeiten ausgestattet, und wenn man davor steht, sieht es aus, als ob
die Absicht bestand, es wie ein Baldachin erscheinen zu lassen.


Nun aber mal zur Küche, denn ohne die bringt das beste Tafelsilber nichts.
Da wir nicht den Dienstbootenausgang, also den kurzen Weg durch die
Verbindungstüre Richtung Küche nutzen durften, mussten wir erst einmal um
das Gebäude herumlaufen. Hier ist es mir dann noch deutlicher aufgefallen,
dass alle Mauern mit „Burg“-Zinnen versehen waren.
Der Küchentrakt besteht aus drei Gebäudeteilen, der Hauptküche
und zwei Lagerräumen; auch war der Gebäudekomplex
zweistöckig, wobei der obere Stock (der nicht zugänglich ist)
wohl für das Küchenpersonal war.

In dieser großen Küche mit dem riesigen Herd
sind sicherlich so einige kulinarische Köstlichkeiten gezaubert worden.
Hier war ganz bestimmt auch Einiges geboten an Hektik, wenn
hier mehrere Köche zu Gange waren.



Auf der gegenüberliegenden Seite des Speisesaals
findet man das zweistöckige Haus
des Bezirksinspektors. In diesem Gebäude befanden sich einst die
fürstlichen Liegenschaftsverwalter und einige Buchhalter,
die die Geschäfte des Prinzen führten.
Aber auch dieses Amtsgebäude ist nicht zugänglich gewesen.

Noch einmal ein letzter Blick auf den Palast des
Prince Youssef Kamal:

Beim Verlassen der Palastanlage versuchten wir noch einen Blick
auf die nicht zugänglichen - oder besser gesagt - die Bereiche zu bekommen,
die nicht in den heutigen Museumsteil aufgenommen wurden.
Hinter dem Gebäude des Bezirksinspektors und somit in der
Mitte des südlichen Mauerabschnitts findet man diesen
Sabil / Trinkwasserbrunnen (Plan Nr. 3).
Dieser kunstvoll gestaltete Brunnen bzw. Pavillon wurde mit weißen
Marmorplatten verkleidet und die Säulen aus grünem Marmor angefertigt.

Nun aber noch am Nil entlang zum Palast der Frauen, dem Haramlek-Palast.
Im Untergeschoss / Keller befand sich die Hauptküche; den ersten Stock erreichte man,
wie im „Männer“-Palast auch, über eine Marmortreppe, die zu einem Vorbau bzw.
Haupteingang führte. Im ersten Stockwerk befinden sich vier Zimmer, eine große Halle,
ein Treppenhaus und ein Badezimmer sowie eine kleine Küche.
Der zweite Stock war ähnlich aufgebaut, nur dass es keine kleine Küche gab, sondern
dafür ein großes Hauptbadezimmer. Dieses Stockwerk war auch für Nazbror Hanem,
die Mutter des Prinzen ausgestattet, da sie aber krank gewesen ist, hat der Prinz extra für sie einen
Holzaufzug / Lift einbauen lassen, was das Gebäude auch wieder einzigartig machte.

Dieser Palast hier unterscheidet sich aber am anschaulichsten durch die
markanten weißen Marmorbalkone. Der große weiße Balkon mit direktem Nilblick
zeigt uns, dass sich dahinter der große Salon der Prinzenmutter befindet.
Nun ist es noch bedauerlicher, dass der Haramlek-Palast nicht zu besichtigen war;
ich hoffe nur, da er ja auch nicht im offiziell zu besichtigen Teil der Palastanlage
aufgenommen wurde, dass er nicht komplett dem Verfall preisgegeben wird.


Vielleicht noch kurz etwas zur Jagdleidenschaft des Prinzen.
Die führte ihn nicht nur durch ganz Ägypten, sondern fast die ganze Welt.
Da er auch leidenschaftlich gerne auf Expeditionen ging, z.B.
eine Reise nach Kaschmir (Indien) 1915, in die Libysche Wüste 1924.
Von diesen Reisen brachte er auch lebende Tiere mit, die er dem Zoo stiftete;
andere ließ er präparieren, wovon er viele dem Landwirtschaftsmuseum
in Kairo stiftete. Auch heute sind noch viele im Museum des Manial-Palastes zu sehen.
Er verstarb 1965 in Österreich, wobei mir nicht so klar ist, wo er
er nun bestattet wurde: Ägypten oder Österreich.
Darüber gibt es unterschiedliche Angaben.
Hier habe ich auch noch einen sehr lesenswerten Bericht
http://papyrus-magazin.de/geschichte/pr ... schmerzen/
Aber nun wieder zurück über
den Nil zur Wüstenautobahn
Richtung Luxor.

