@big.ramses
Solche Übergriffe, wie Du sie schilderst, sind einer der Gründe, warum ich mir Sorgen über die Verhältnisse in Ägypten mache. Ich hatte ja auch schon weiter oben vom gewaltigen Konfliktpotential gesprochen, welches insbesondere in Hurghada besteht und das mit dem "Russenboom" sicher nicht gesunken ist. Für mich zeigt das auch immer wieder, wie problematisch so ein Pauschurlaub in Ägypten im Grunde ist.
Als ich vor 5 Jahren 3 Wochen Hotelurlaub in Hurghada gemacht habe, hat mich stets ein unangenehmes Gefühl begleitet. Die alleinige Tatsache, dass man im Hotel ein Scheiniydlle erlebt, die so nicht existiert, dass man als Tourist im Hotel einenin Relation verschwenderischen Luxus erlebt, während "vor den Türen" viel Armut herrscht (auch wenn Ägypten im Vergleich zu anderen afrikanischen Staaten vergleichsweise noch gut dasteht), waren und sind Dinge, über die ich nicht einfach hinwegsehen kann. Das ist eine Ungleichheit, die wir sicher nicht ändern können. Ich persönlich habe aber für mich große Probleme damit, sie derart plakativ in einem Beach Resort auszuleben. Wenn ich mir das Hotelleben in manchem so angucke, dann erinnert mich das schon an die Dekadenz des Kolonialismus.
Dadurch, dass Ägypten ein Land ist, in das - bedingt durch die zahlreichen Sehenswürdigkeiten - mehr Menschen reisen, als wohl in jedes andere arabische Land, ist jeder Ägypter automatisch mit diesen klaffenden Unterschieden konfrontiert, Das betrifft die finanzielle Situation, die Religion und auch die Weltanschauung. Wenn man in die Augen vieler Bedienster sieht, wird einem auffallen, wie missmutig viele ihren Dienst verrichten. Kein Wunder, ein Leben lang anderen Menschen einen Luxus zu ermöglichen, dem man selber auch nicht nur anähernd jemals erreichen wird, kann nur frustierend sein. Natürlich leben diese Menschen vom Tourismus, das wissen sie auch. Das ist wohl einer der zahlreichen Widersprüche dieses Landes.
Das ist/darf keine Rechtfertigung für sexuelle Belästigungen oder Beleidigungen jeder Art sein. Dennoch scheint es mir zu einfach und zu kurz gegriffen, von derartigen Erlebnissen gleich auf das ganze Land zu schließen. Die gegenwärtige Situation in Hurghada ist in meinen Augen auch das Ergebnis eines rücksichtslosen Massentourismus, an dem wir alle nicht ganz unbeteiligt sind. Von den negativen Auswirkungen der Weltpolitik (Nahostkrise, Irakkrieg etc.) ganz zu schweigen.
(Bedenken sollte man übrigens auch, dass die meisten großen Hotels in Ägypten internationalen Hotelketten gehören, die Gelder also ins Ausland fließen.)
Was mir den negativen Erfahrungsberichten und allem berechtigten Ärger über das Erlebte, ein wenig fehlt, ist das Hinterfragen, warum es passiert ist und - da es ja kein Einzelfall zu sein scheint - das Einordnen in einen größeren Kontext. Vielleicht ist ja das Resultat einer solchen Überlegung, bei einem zukünftigen Ägyptenurlaub, Hurghda oder wenn man auf den Strandurlaub nicht verzichten möchte, die großen Hotelgegenden zu meiden. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Shopbesitzer in Downtown unaufdringlicher sind als die deren Laden direkt an den Hotelmeilen liegen. Als ich vor 5 Jahren im Giftun Village war, musste ich auf den ersten Metern auch kräftig schlucken und war reichlich überfordert von der Aufdringlichkeit, mit der wir dort angegangen wurden. Da hatte ich zuerst auch Hemmungen, das Hotel zu verlassen Inzwischen habe ich aber gelernt damit umzugehen und kann mich eigentlich (nahezu) überall ohne Probleme frei bewegen. Aller Anfang ist eben schwer.
