Tauchkurs in Ägypten oder vorher zu Hause machen?
Verfasst: Di 09 Mär, 2004 00:16
Hallo an alle!
Da dieses Thema sicherlich für viele Ägyptenurlauber interessant ist und ja auch schon in der einen oder anderen Form diskutiert wurde, versuche ich mal eine kleine Zusammenfassung der Optionen, die vor allem Tauchanfänger haben (denn die alten Hasen haben ohnehin ihre Stammbasen und haben schon beim Dekobier etliche Tips bekommen).
Zunächst ist festzustellen: Es gibt eine sehr amerikanisch orientierte Ausbildungsschiene (dazu gehören die Franchise-Firmen PADI und SSI) und eine in Europa entstandene Ausbildungsrichtung (der heute diverse Verbände unter dem Dach der CMAS sowie weitere unter dem Mantel von CEDIP und FIDO angehören).
Vorweg: Sicheres Tauchen lernt der Anfänger, egal wie anschließend der Herausgeber des Zertifikats heißt, nur bei guten Tauchschulen und zu Hause bei engagierten Vereinen. Und da kommt das erste Problem:
Woran erkenne ich eine gute Tauchschule?
Es gibt keine einheitliche Klassifizierung wie bei Hotelsternen, und wenn eine Tauchschule den Zusatz "Five Star" trägt, heißt das nur, daß sie soundso viele Taucher zertifiziert hat, über ihre Ausbildungsqualität sagt das gar nichts aus.
Wenn eine Tauchschule sowohl CMAS als auch PADI oder SSI anbietet, ist das schon ein positives Zeichen.
Ganz Mißtrauische lassen sich gerade bei kleinen Tauchbasen die gültige Zertifizierungslizenz für das aktuelle Jahr zeigen, es gibt leider auch schwarze Schafe, die ein Schild aufhängen, von denen es aber niemals die ersehnte Zertifizierung gibt - Geld weg und im nächsten Urlaub mit leeren Händen alles noch mal!
Wenn ihr schon vor Ort seid, guckt mal bei der Tauchbasis nach Aufklebern der Gäste. Hängen da viele, vor allem von Vereinen, ist das ein gutes Signal.
Wollt ihr euch schon vorher erkundigen, ist die Newsgroup de.rec.sport.tauchen eine gute Infoquelle. Auch auf http://www.taucher.net findet ihr massenweise Tauchbasisbeurteilungen (allerdings Vorsicht: Viele Topbewertungen scheinen Auftragsarbeiten der Baseninhaber zu sein!). Und die Hunderte von Basen in Ägypten zu katalogisieren ist kaum möglich.
Wenn euch der Tauchkurs (vorher fragen) vier bis fünf Tage von morgens bis spät nachmittags beschäftigt, ist er OK. Crashkurse in zwei Tagen sind Bluff und ihr Geld nicht wert.
Fragt auch unbedingt nach (am besten schriftlich bestätigen lassen), wie viele Schüler maximal mit einem Tauchlehrer unterwegs sind. Ein Verhältnis bis 1 : 5 ist in klaren Gewässern in Ordnung.
Zweite Frage: Welche Ausbildungsrichtung wähle ich?
Kommerzielle Tauchschulen bieten meist und gern die amerikanischen Systeme an, das ist für sie am einträglichsten. Siehe hierzu einen Artikel auf http://www.iupa.de/artikel.php?select=Artikel
(Achtung: Das ist eine Tauchseite, die bewußt Satire enthält! Siehe Impressum)
Diese amerikanischen Systeme sind für den Urlaubsanfänger eine bequeme Sache, denn die Anforderungen an tauchtheoretisches Wissen und körperliche Fitness sind gering.
Tauchvereine bilden dagegen fast ausschließlich nach CMAS-Richtlinien aus. Bei allen europäischen Dachverbänden sind die Erwartungen an theoretisches Wissen höher als bei den amerikanischen - aber mehr Wissen schadet nicht! Auch werden diverse Übungen mit ABC-Ausrüstung (Maske, Schnorchel, Flossen) erwartet.
Eine kleine Tücke steckt im PADI-System: Wer den sogenannten OWD-Kurs gemacht hat, darf offiziell nur max. 18 m tief tauchen. Will er auch mal mit einer Gruppe mittauchen, die größere Tiefen aufsucht (meist ist in Ägypten die Grenze bei 30 m), wird ihm zum zusätzlichen AOWD geraten. Der kostet natürlich noch einmal Geld, ca. 70 % des OWD-Preises.
Mit einem CMAS-etc.-Bronzeschein (= Anfängerschein) fällt diese 18-m-Grenze weg, da bereits in der Bronze-Theorie die Problematik tieferer Tauchgänge enthalten ist.
Dritte Frage: Vorher zu Hause oder im Urlaub?
Wer seinen Tauchurlaub gleich richtig genießen will, macht die Ausbildung komplett zu Hause. Auch wenn ein Baggersee nicht das Rote Meer ist, gilt immer noch, daß derjenige, der in einem anspruchsvollen Gewässer mit Schlammgrund und schlechter Sicht gut tauchen kann, es auf jeden Fall in warmen klaren Gewässern beherrscht.
Wer im Dezember spontan für Januar Ägypten bucht, hat allerdings keine Wahl.
Letzlich: Beim Reiseveranstalter vorbuchen?
Dafür gibt es kein vernünftiges Argument! Der Veranstalter macht das, abgesehen von wenigen Ausnahmen, nicht aus Servicegründen, sondern kassiert Provision. Und man kann ja auch mal mit den Tauchbasen vor Ort handeln (z. B. kostenlose Ausstellung der Zertifizierung, die meist auf den Kurspreis aufgeschlagen wird). Und falls irgendwas dazwischenkommt, willigt die Basis, bei der man direkt gebucht hat, in der Regel auf Kulanzebene in Kursabbruch ein, der Veranstalter könnte auf "gebucht ist gebucht, Ihr Pech!" argumentieren.
Ich hoffe, diese allgemeinen Hinweise sind für viele Forumleser nützlich.
Joachim
Da dieses Thema sicherlich für viele Ägyptenurlauber interessant ist und ja auch schon in der einen oder anderen Form diskutiert wurde, versuche ich mal eine kleine Zusammenfassung der Optionen, die vor allem Tauchanfänger haben (denn die alten Hasen haben ohnehin ihre Stammbasen und haben schon beim Dekobier etliche Tips bekommen).
Zunächst ist festzustellen: Es gibt eine sehr amerikanisch orientierte Ausbildungsschiene (dazu gehören die Franchise-Firmen PADI und SSI) und eine in Europa entstandene Ausbildungsrichtung (der heute diverse Verbände unter dem Dach der CMAS sowie weitere unter dem Mantel von CEDIP und FIDO angehören).
Vorweg: Sicheres Tauchen lernt der Anfänger, egal wie anschließend der Herausgeber des Zertifikats heißt, nur bei guten Tauchschulen und zu Hause bei engagierten Vereinen. Und da kommt das erste Problem:
Woran erkenne ich eine gute Tauchschule?
Es gibt keine einheitliche Klassifizierung wie bei Hotelsternen, und wenn eine Tauchschule den Zusatz "Five Star" trägt, heißt das nur, daß sie soundso viele Taucher zertifiziert hat, über ihre Ausbildungsqualität sagt das gar nichts aus.
Wenn eine Tauchschule sowohl CMAS als auch PADI oder SSI anbietet, ist das schon ein positives Zeichen.
Ganz Mißtrauische lassen sich gerade bei kleinen Tauchbasen die gültige Zertifizierungslizenz für das aktuelle Jahr zeigen, es gibt leider auch schwarze Schafe, die ein Schild aufhängen, von denen es aber niemals die ersehnte Zertifizierung gibt - Geld weg und im nächsten Urlaub mit leeren Händen alles noch mal!
Wenn ihr schon vor Ort seid, guckt mal bei der Tauchbasis nach Aufklebern der Gäste. Hängen da viele, vor allem von Vereinen, ist das ein gutes Signal.
Wollt ihr euch schon vorher erkundigen, ist die Newsgroup de.rec.sport.tauchen eine gute Infoquelle. Auch auf http://www.taucher.net findet ihr massenweise Tauchbasisbeurteilungen (allerdings Vorsicht: Viele Topbewertungen scheinen Auftragsarbeiten der Baseninhaber zu sein!). Und die Hunderte von Basen in Ägypten zu katalogisieren ist kaum möglich.
Wenn euch der Tauchkurs (vorher fragen) vier bis fünf Tage von morgens bis spät nachmittags beschäftigt, ist er OK. Crashkurse in zwei Tagen sind Bluff und ihr Geld nicht wert.
Fragt auch unbedingt nach (am besten schriftlich bestätigen lassen), wie viele Schüler maximal mit einem Tauchlehrer unterwegs sind. Ein Verhältnis bis 1 : 5 ist in klaren Gewässern in Ordnung.
Zweite Frage: Welche Ausbildungsrichtung wähle ich?
Kommerzielle Tauchschulen bieten meist und gern die amerikanischen Systeme an, das ist für sie am einträglichsten. Siehe hierzu einen Artikel auf http://www.iupa.de/artikel.php?select=Artikel
(Achtung: Das ist eine Tauchseite, die bewußt Satire enthält! Siehe Impressum)
Diese amerikanischen Systeme sind für den Urlaubsanfänger eine bequeme Sache, denn die Anforderungen an tauchtheoretisches Wissen und körperliche Fitness sind gering.
Tauchvereine bilden dagegen fast ausschließlich nach CMAS-Richtlinien aus. Bei allen europäischen Dachverbänden sind die Erwartungen an theoretisches Wissen höher als bei den amerikanischen - aber mehr Wissen schadet nicht! Auch werden diverse Übungen mit ABC-Ausrüstung (Maske, Schnorchel, Flossen) erwartet.
Eine kleine Tücke steckt im PADI-System: Wer den sogenannten OWD-Kurs gemacht hat, darf offiziell nur max. 18 m tief tauchen. Will er auch mal mit einer Gruppe mittauchen, die größere Tiefen aufsucht (meist ist in Ägypten die Grenze bei 30 m), wird ihm zum zusätzlichen AOWD geraten. Der kostet natürlich noch einmal Geld, ca. 70 % des OWD-Preises.
Mit einem CMAS-etc.-Bronzeschein (= Anfängerschein) fällt diese 18-m-Grenze weg, da bereits in der Bronze-Theorie die Problematik tieferer Tauchgänge enthalten ist.
Dritte Frage: Vorher zu Hause oder im Urlaub?
Wer seinen Tauchurlaub gleich richtig genießen will, macht die Ausbildung komplett zu Hause. Auch wenn ein Baggersee nicht das Rote Meer ist, gilt immer noch, daß derjenige, der in einem anspruchsvollen Gewässer mit Schlammgrund und schlechter Sicht gut tauchen kann, es auf jeden Fall in warmen klaren Gewässern beherrscht.
Wer im Dezember spontan für Januar Ägypten bucht, hat allerdings keine Wahl.
Letzlich: Beim Reiseveranstalter vorbuchen?
Dafür gibt es kein vernünftiges Argument! Der Veranstalter macht das, abgesehen von wenigen Ausnahmen, nicht aus Servicegründen, sondern kassiert Provision. Und man kann ja auch mal mit den Tauchbasen vor Ort handeln (z. B. kostenlose Ausstellung der Zertifizierung, die meist auf den Kurspreis aufgeschlagen wird). Und falls irgendwas dazwischenkommt, willigt die Basis, bei der man direkt gebucht hat, in der Regel auf Kulanzebene in Kursabbruch ein, der Veranstalter könnte auf "gebucht ist gebucht, Ihr Pech!" argumentieren.
Ich hoffe, diese allgemeinen Hinweise sind für viele Forumleser nützlich.
Joachim