Tempel von Edfu
Der Bus hält. Auf uns wartet wieder eine Heuschreckenallee, wieder eine Sicherheitskontrolle und wieder Nasser, der seine Pharaonen zusammenruft um die Eintrittskarten auszuteilen. Um auf das Tempelgelände zu kommen müssen wir zuerst durch ein kleines Gebäude durch, das zum Glück klimatisiert ist. Nasser beschließt aus diesem Grund seine ersten Ausführungen hier zum Besten zu geben, noch bevor wir einen ersten Blick auf den Tempel geworfen haben. Schließlich spricht Nasser auch endlich die Bombenanschläge in Sharm El-Sheik an. Er versichert uns, dass wir uns keine Sorgen machen müssen, dass diese Terroristen nur eine kleine Minderheit darstellen, und die ägyptische Bevölkerung mit diesen Menschen in keinster Weise zu vergleichen ist. In diesem letzten Punkt sind wir uns wirklich alle einig. Denn auf unserer ganzen Reise haben wir uns nie bedroht oder auch nur unerwünscht gefühlt.
Dann wird es aber wirklich Zeit, und wir holen noch einmal tief Luft, bevor wir in die Hitze der ägyptischen Sonne zurückkehren. Eine kleine Kurve um das Gebäude herum, und schon sehen wir ihn vor uns, den Tempel mit seinem riesigen Pylon in einiger Entfernung. Ich bin schrecklich schlecht im Schätzen, aber wir müssen schon ein schönes Stück durch den Sand stapfen, bis wir schließlich den Tempel betreten können. Auf den Tempel zuzugehen ist ein besonderes Erlebnis. Er kommt einem ja von weitem schon so riesig vor, aber er wächst natürlich mit jedem Schritt, und schließlich habe ich das Gefühl, eine Ameise zu sein. Riesig. Gewaltig. Ich bin immer wieder von diesen Dimensionen beeindruckt.
Gemeinsam mit Nasser wandern wir durch die Hallen und Kammern. Schließlich landen wir im Dämmerlicht des Allerheiligsten und ich komme mir schrecklich fehl am Platz vor. Immerhin bin ich ja kein Priester, und auch dass Nasser uns „Pharaonen“ getauft hat hilft da irgendwie nicht.
Nasser lässt uns noch zwanzig Minuten Zeit, um auf eigene Faust durch den Tempel zu wandern. An einer Wand finde ich schließlich die Szene aus dem Horus-Mythos und bin wieder einmal überglücklich. Dani hat sich schon längst aus dem Staub gemacht. Vor der großen Säulenhalle bittet mich ein britisches Päärchen sie vor einer Horus-Statue zu fotografieren. Praktischerweise erwidern sie den Gefallen und fotografieren anschließend mich.
Und dann ist es auch schon wieder Zeit und ich muss zurück zum Bus. Wie immer, alle warten schon auf mich.
Auf der Fahrt zurück zum Schiff sehe ich mir auf meiner Digitalkamera die Fotos an, die ich gemacht habe. Darunter ist auch das Foto von mir und der Falken-Statue. Erst da erkenne ich wirklich die Dimensionen dieses Tempels. Ich bin gerade mal halb so groß wie die Statue. Die Statue selbst aber, macht nicht einmal ein Zehntel des Pylons aus.
edit by isis
Vielen Dank für deinen Bericht. Ich habe Deinen Bericht gleich mal in die ---> Rubrik Reise und Hotelberichte kopiert. April 2006
Meine Nilkreuzfahrt
- bint_hathor
- Weltenbummler
- Beiträge: 1782
- Registriert: Mo 01 Mär, 2004 15:31
- Wohnort: bei Trier
Hallo, Kati,
gerade bin ich aus dem Urlaub zurückgekommen (nein, leider nicht Ägypten, sondern "nur" Zypern) und lese mich nun u.a. durch Deinen Bericht. Er erinnert mich stark an meinen Ägypten-Urlaub vor 2 Jahren und ich bin schwer gespannt auf die Fortsetzung! Ich habe auch hinterher einen Reisebericht geschrieben - ist ja praktisch, dass man am PC ständig weiter ergänzen kann, wenn einem wieder irgendwas einfällt, aber am Schluss hatte ich 26 Seiten, das war mir fürs Forum dann doch zu viel...
Viele Grüße,
bint_hathor
gerade bin ich aus dem Urlaub zurückgekommen (nein, leider nicht Ägypten, sondern "nur" Zypern) und lese mich nun u.a. durch Deinen Bericht. Er erinnert mich stark an meinen Ägypten-Urlaub vor 2 Jahren und ich bin schwer gespannt auf die Fortsetzung! Ich habe auch hinterher einen Reisebericht geschrieben - ist ja praktisch, dass man am PC ständig weiter ergänzen kann, wenn einem wieder irgendwas einfällt, aber am Schluss hatte ich 26 Seiten, das war mir fürs Forum dann doch zu viel...



Viele Grüße,
bint_hathor
- Kati_Salzburg
- Reisender
- Beiträge: 13
- Registriert: Mi 29 Dez, 2004 18:37
- Wohnort: Salzburg
Wow, ich hab mich lange nicht gemeldet. Aber es hat sich so viel getan in diesem Jahr, dennoch hab ich meine Kreuzfahrt nicht vergessen. Kaum zu glauben, wie lang das schon wieder her ist. Naja, falls es noch jemanden interessiert, hier kommt der nächste Teil!
Als wir schließlich zum Schiff zurückkehren sind alle Ängste und Sorgen vergessen. Wir springen vor dem Abendessen noch einmal in den Pool und machen uns dann über das orientalische Büffet her, das heute auf dem Programm steht.
Danach findet in der Bar die auf solchen Reisen wohl obligatorische Galabaya-Party statt. Den ganzen Tag über haben die Kellner dafür auf dem Schiff Lose verkauft, die jetzt gegen Preise eingelöst werden. Während die meisten lediglich T-Shirts, Galabayas und ägyptisches Bier gewinnen, ergattert unsere Urlaubsbekanntschaft glatt den Hauptpreis: ein Gutschein für eine Massage auf dem Pooldeck.
Apropos Pooldeck: Dorthin zieht es uns heute ganz besonders. Wir fahren nämlich noch diese Nacht weiter bis nach Kom Ombo. Und es ist eine fantastische Nacht. Ein riesiger, silbern glänzender Mond steht am Himmel, und es ist so stockdunkel um das Schiff herum, dass wir Fluss, Land und Himmel nicht mehr voneinander untersheiden können. Es ist, als ob wir in unendlicher Dunkelheit dahingleiten würden. Immer wieder begegnen uns andere Schiffe, die allesamt wunderschön beleuchtet sind. Es ist eine unwirkliche, himmlische Stimmung, ich bin mir nicht mehr sicher ob ich träume oder wach bin. Auf dem Pooldeck sind außer uns nur zwei Kellner und vier oder fünf andere Passagiere. Ich schlürfe meinen Eistee, der ewig warme und sanfte ägyptische Wind streicht durch meine Haare. Was für ein Leben, was für eine Reise. Ich will hier nie mehr weg. Und dann tauchen am Flussufer plötzlich immer mehr Lichter auf, wir nähern uns Kom Ombo. Plötzlich lässt sich direkt unter der herrlichen Mondscheibe eine Gruppe beleuchteter Säulen erkennen, auf die wir direkt zusteuern. Der Doppeltempel bei Nacht. Ich frage mich, ob sich dieses Glücksgefühl noch steigern lässt, und ich ahne: ja.
Im Hafen sind schließlich nur noch wir vier an Deck und schauen unserer Crew beim Anlegen zu. Ein kniffliges und spannendes Manöver, dass die Ägypter mit absoluter Gelassenheit und Sicherheit bewältigen. Plötzlich ertönt statt den sanften 80er Jahre Popballaden der Donauwalzer. Wir drehen uns erstaunt zur Bar um und da stehen die Kellner und zwinkern uns verschmitzt zu. Aber Österreich ist mir in diesem Moment ganz fern.
edit by isis
Vielen Dank für deinen Bericht. Ich habe Deinen Bericht gleich mal in die ---> Rubrik Reise und Hotelberichte kopiert. Februar 2007
Als wir schließlich zum Schiff zurückkehren sind alle Ängste und Sorgen vergessen. Wir springen vor dem Abendessen noch einmal in den Pool und machen uns dann über das orientalische Büffet her, das heute auf dem Programm steht.
Danach findet in der Bar die auf solchen Reisen wohl obligatorische Galabaya-Party statt. Den ganzen Tag über haben die Kellner dafür auf dem Schiff Lose verkauft, die jetzt gegen Preise eingelöst werden. Während die meisten lediglich T-Shirts, Galabayas und ägyptisches Bier gewinnen, ergattert unsere Urlaubsbekanntschaft glatt den Hauptpreis: ein Gutschein für eine Massage auf dem Pooldeck.
Apropos Pooldeck: Dorthin zieht es uns heute ganz besonders. Wir fahren nämlich noch diese Nacht weiter bis nach Kom Ombo. Und es ist eine fantastische Nacht. Ein riesiger, silbern glänzender Mond steht am Himmel, und es ist so stockdunkel um das Schiff herum, dass wir Fluss, Land und Himmel nicht mehr voneinander untersheiden können. Es ist, als ob wir in unendlicher Dunkelheit dahingleiten würden. Immer wieder begegnen uns andere Schiffe, die allesamt wunderschön beleuchtet sind. Es ist eine unwirkliche, himmlische Stimmung, ich bin mir nicht mehr sicher ob ich träume oder wach bin. Auf dem Pooldeck sind außer uns nur zwei Kellner und vier oder fünf andere Passagiere. Ich schlürfe meinen Eistee, der ewig warme und sanfte ägyptische Wind streicht durch meine Haare. Was für ein Leben, was für eine Reise. Ich will hier nie mehr weg. Und dann tauchen am Flussufer plötzlich immer mehr Lichter auf, wir nähern uns Kom Ombo. Plötzlich lässt sich direkt unter der herrlichen Mondscheibe eine Gruppe beleuchteter Säulen erkennen, auf die wir direkt zusteuern. Der Doppeltempel bei Nacht. Ich frage mich, ob sich dieses Glücksgefühl noch steigern lässt, und ich ahne: ja.
Im Hafen sind schließlich nur noch wir vier an Deck und schauen unserer Crew beim Anlegen zu. Ein kniffliges und spannendes Manöver, dass die Ägypter mit absoluter Gelassenheit und Sicherheit bewältigen. Plötzlich ertönt statt den sanften 80er Jahre Popballaden der Donauwalzer. Wir drehen uns erstaunt zur Bar um und da stehen die Kellner und zwinkern uns verschmitzt zu. Aber Österreich ist mir in diesem Moment ganz fern.
edit by isis
Vielen Dank für deinen Bericht. Ich habe Deinen Bericht gleich mal in die ---> Rubrik Reise und Hotelberichte kopiert. Februar 2007
Hallo Kati,
auch nach dieser langen Pause habe ich den neuesten Teil deines Berichtes mit Wonne verschlungen.
Da wir ab dem 5.3. auf der Grand Palm unterwegs sein werden,
ist dieser wirklich toll geschriebene Bericht ein wunderbares Futter für meine Vorfreude!
Nur weiter so und vielen Dank für diesen schönen Reisebericht.
Lieben Gruß aus Berlin,
Sirie
auch nach dieser langen Pause habe ich den neuesten Teil deines Berichtes mit Wonne verschlungen.
Da wir ab dem 5.3. auf der Grand Palm unterwegs sein werden,
ist dieser wirklich toll geschriebene Bericht ein wunderbares Futter für meine Vorfreude!
Nur weiter so und vielen Dank für diesen schönen Reisebericht.
Lieben Gruß aus Berlin,
Sirie
Was du nicht willst das man dir tut, das füge keinem andern zu
- Kati_Salzburg
- Reisender
- Beiträge: 13
- Registriert: Mi 29 Dez, 2004 18:37
- Wohnort: Salzburg
Und schon wieder ist eine halbe Ewigkeit vergangen... Aber ich gelobe Besserung!
24. Juli 2005
Doppeltempel von Kom Ombo
Ein neuer Morgen, ein neuer Weckruf, und ein neuer Tempel, der auf mich wartet. Nachdem wir uns beim Frühstück die Bäuche mit köstlichen Eieromlettes vollgeschlagen haben, machen wir uns mit Nasser auf den kurzen Fußmarsch zum Doppeltempel von Kom Ombo, den ich seit unserer Ankunft gestern immer fest im Blick habe.
Es ist, wie immer, noch ziemlich früh am Morgen, und wir sind fast alleine im Tempel. Die Luft ist für ägyptische Verhältnisse heute direkt kühl, wir freuen uns alle darüber, wir wissen ja auch noch nicht, was uns heute noch bevorsteht. Im Tempel selbst scheucht uns Nasser von einem Relief zum anderen, und nachher lässt er uns nicht mal zehn Minuten Zeit um auf eigene Faust durch die alten Mauern zu wandern. Ich bin echt enttäuscht. Aber so leicht lasse ich mich nicht abspeisen, und spaziere besonders langsam zurück zum Ausgang. Es ist verblüffend. Nun habe ich ja schon den einen oder anderen Tempel gesehen, aber keiner gleicht dem anderen, keiner ist weniger beeindruckend, jeder ist für sich einzigartig. In Kom Ombo stehe ich vor den Säulen und kann mich nicht entscheiden zwischen Stärke, Macht, Schönheit, Grazie, Demut... hier scheint alles vereint zu sein.
Als ich mich schließlich doch umdrehe, ist meine kleine Reisegruppe schon beinahe wieder am Hafen angelangt. Und so verlasse auch ich letztendes an diesem Morgen zum ersten mal einen Tempel nicht schweißgebadet.
edit by isis
Vielen Dank für deinen Bericht. Ich habe Deinen Bericht gleich mal in die ---> Rubrik Reise und Hotelberichte kopiert. Mai 2007
24. Juli 2005
Doppeltempel von Kom Ombo
Ein neuer Morgen, ein neuer Weckruf, und ein neuer Tempel, der auf mich wartet. Nachdem wir uns beim Frühstück die Bäuche mit köstlichen Eieromlettes vollgeschlagen haben, machen wir uns mit Nasser auf den kurzen Fußmarsch zum Doppeltempel von Kom Ombo, den ich seit unserer Ankunft gestern immer fest im Blick habe.
Es ist, wie immer, noch ziemlich früh am Morgen, und wir sind fast alleine im Tempel. Die Luft ist für ägyptische Verhältnisse heute direkt kühl, wir freuen uns alle darüber, wir wissen ja auch noch nicht, was uns heute noch bevorsteht. Im Tempel selbst scheucht uns Nasser von einem Relief zum anderen, und nachher lässt er uns nicht mal zehn Minuten Zeit um auf eigene Faust durch die alten Mauern zu wandern. Ich bin echt enttäuscht. Aber so leicht lasse ich mich nicht abspeisen, und spaziere besonders langsam zurück zum Ausgang. Es ist verblüffend. Nun habe ich ja schon den einen oder anderen Tempel gesehen, aber keiner gleicht dem anderen, keiner ist weniger beeindruckend, jeder ist für sich einzigartig. In Kom Ombo stehe ich vor den Säulen und kann mich nicht entscheiden zwischen Stärke, Macht, Schönheit, Grazie, Demut... hier scheint alles vereint zu sein.
Als ich mich schließlich doch umdrehe, ist meine kleine Reisegruppe schon beinahe wieder am Hafen angelangt. Und so verlasse auch ich letztendes an diesem Morgen zum ersten mal einen Tempel nicht schweißgebadet.
edit by isis
Vielen Dank für deinen Bericht. Ich habe Deinen Bericht gleich mal in die ---> Rubrik Reise und Hotelberichte kopiert. Mai 2007