Meine Nilkreuzfahrt
- Kati_Salzburg
- Reisender
- Beiträge: 13
- Registriert: Mi 29 Dez, 2004 18:37
- Wohnort: Salzburg
Meine Nilkreuzfahrt
Hi Leute!
Ich habs letzten Sommer endlich nach Ägypten geschafft und mich jetzt entschlossen, meine Erfahrungen in bits und bites zu verewigen, damit ich mich auch in ein paar Jahren noch dran erinnern kann. Vielleicht interessiert's ja hier jemanden, deshalb werd ichs hier veröffentlichen.
Meine gute Freundin Dani hat mich begleitet und meine Besessenheit ertragen, also vielen Dank!
Hier ist der erste Teil, wird ein Weilchen dauern, bis ich alles beisammen hab.
Viel Spaß beim Lesen und vielen Dank im Voraus für das Interesse!
Alles Liebe
Kati
21. Juli 2005
Anreise
Früh morgens steigen wir am Salzburger Hauptbahnhof in den Zug nach Wien. Ein flaues Gefühl im Magen begleitet mich, ich war schon lange nicht mehr so aufgeregt. Es kommt mir so vor, als wäre das die erste Zugfahrt meines Lebens, was natürlich nicht der Wahrheit entspricht. Aber es ist eine Zugfahrt, die mich schlussendlich nach Ägypten bringt, und deshalb erscheint mir alles neu und aufregend. Ich mache mir die ganze Zeit über Sorgen: was, wenn der Zug nicht rechtzeitig ankommt und wir den Flug verpassen?
Endlich in Wien bringt uns der Shuttle-Bus zum Flughafen. Wir haben Probleme den richtigen Schalter zu finden und müssen nachfragen, schließlich können wir aber einchecken und unser Gepäck aufgeben. Erst als ich meine Bordkarte in Händen halte fällt mir eine riesige Last von den Schultern. Jetzt kann nichts mehr schiefgehen, ich werde in dieses Flugzeug steigen und tatsächlich nach Ägypten fliegen!
In einem Café am Flughafen genehmige ich mir jetzt ganz in Ruhe eine Mélange und einen Schokomuffin. Vom Panoramafenster aus beobachte ich die Flugzeuge. Anschließend gehen wir durch die Passkontrolle und schlendern noch ein bisschen durch die Duty-Free-Shops.
Die Zeit vergeht schnell, plötzlich ist es Mittag und mit einem mal finde ich mich auf meinem Platz im Flugzeug wieder. Ich denke ständig: „Nicht zu fassen, nicht zufassen, es passiert wirklich!“. Auf dem Flug wird irgendein Film gezeigt, ich bekomme vor Aufregung kein Wort mit. Das Mittagessen – Lasagne – lasse ich mir dann doch nicht entgehen, und ich bin angenehm überrascht. Austrian Airlines hält seine Versprechen.
Am späten Nachmittag sehe ich zum ersten Mal den Nil vom Flugzeug aus. Ich muss mich zusammenreißen, aber das Grinsen auf meinem Gesicht lässt sich nicht vermeiden und spricht Bände. Da taucht auch schon Luxor auf, wir sind mittlerweile im Landeanflug, es rumpelt kurz und zwei Minuten später steht die Maschine in Luxor.
Als ich aus dem Flugzeug auf die Rampe steige, empfängt mich eine Hitze die mir zunächst den Atem verschlägt. Um das Flugfeld und das moderne Gebäude herum nichts als Sand. Ich kann mich gar nicht richtig umsehen, denn der klimatisierte Bus vor mir ist einfach zu verlockend. Ja, die Hitze ist wirklich ein Schock, das hätte ich nicht erwartet.
Nach der Passkontrolle, dem Stempel für das Visum und dem Gepäckband bringt uns unser Reiseleiter, der uns seit Betreten des Flughafengebäudes nicht mehr von der Seite gewichen ist und uns erfolgreich durch die ägyptische Bürokratie gelotst hat, zu einem klimatisierten Kleinbus, der uns zusammen mit zwei anderen Österreicherinnen zum Hafen und damit zu unserem Schiff bringen soll. Es ist früher Abend, die ägyptische Sonne präsentiert sich als eine große orange Scheibe nahe dem Horizont, und ich erlebe diese erste Fahrt durch Luxor als eine Fahrt durch einen wahr gewordenen Traum. Am Stadtrand empfängt uns üppige Vegetation, so wie man es sich erwartet, auf den staubigen Straßen begegnen einem Eselfuhrwerke mit winkenden Kindern darauf, Männer in grauen Galabayas und verschleierte Frauen. Ägypten ist tatsächlich Ägypten.
Als wir durch die Stadt fahren höre ich unseren Fahrer – der uns in gebrochenem Englisch die ganze Fahrt über ein wenig über Luxor erzählt – plötzlich sagen: „Tempel Street“. Ich blicke in die Richtung, die er zeigt, spüre mein Herz ein wenig schneller klopfen und erhasche wirklich einen Blick auf eine Säule des Luxortempels. Ich kann mir ein „Oh, mein Gott!“ nicht verkneifen und höre prompt Dani hinter mir kichern, aber ich bin glücklich. Überglücklich.
Am Hafen angekommen reißen sich sofort fünf Kofferträger um unser Gepäck, wir geben inzwischen dem Fahrer ein wenig Trinkgeld und machen uns dann auf zu unserem Schiff, der MS Crown Prince. Mir gefällt das Schiff auf ‚Anhieb. An der Rezeption bekommen wir unseren Zimmerschlüssel und erfahren, dass wir uns gleich in die Bar auf dem Oberdeck begeben sollen, um unseren Reiseführer kennen zu lernen. In der Bar lassen wir uns erschöpft in die großen Polstersofas fallen und kippen ein Glas Orangensaft. Nasser, unser Reiseführer erledigt mit uns den Papierkram und kassiert gleich das gesamte Trinkgeld für die Crew im Voraus. Wir sind gerade noch rechtzeitig zum Abendessen angekommen und Nasser lädt uns im Anschluss zu einem überraschenden weil nicht geplanten abendlichen Stadtbummel durch Luxor ein.
Vor dem Abendessen suchen wir aber erst unsere Kabine. Sie gefällt mir gut, aber das erste, das mir auffällt, sind die beiden Schwimmwesten, die man demonstrativ auf dem Bett platziert hat. Viel Zeit bleibt uns nicht, wir ziehen uns schnell um und eilen zu einem ersten vorzüglichen Abendbüffet.
Ich habs letzten Sommer endlich nach Ägypten geschafft und mich jetzt entschlossen, meine Erfahrungen in bits und bites zu verewigen, damit ich mich auch in ein paar Jahren noch dran erinnern kann. Vielleicht interessiert's ja hier jemanden, deshalb werd ichs hier veröffentlichen.
Meine gute Freundin Dani hat mich begleitet und meine Besessenheit ertragen, also vielen Dank!
Hier ist der erste Teil, wird ein Weilchen dauern, bis ich alles beisammen hab.
Viel Spaß beim Lesen und vielen Dank im Voraus für das Interesse!
Alles Liebe
Kati
21. Juli 2005
Anreise
Früh morgens steigen wir am Salzburger Hauptbahnhof in den Zug nach Wien. Ein flaues Gefühl im Magen begleitet mich, ich war schon lange nicht mehr so aufgeregt. Es kommt mir so vor, als wäre das die erste Zugfahrt meines Lebens, was natürlich nicht der Wahrheit entspricht. Aber es ist eine Zugfahrt, die mich schlussendlich nach Ägypten bringt, und deshalb erscheint mir alles neu und aufregend. Ich mache mir die ganze Zeit über Sorgen: was, wenn der Zug nicht rechtzeitig ankommt und wir den Flug verpassen?
Endlich in Wien bringt uns der Shuttle-Bus zum Flughafen. Wir haben Probleme den richtigen Schalter zu finden und müssen nachfragen, schließlich können wir aber einchecken und unser Gepäck aufgeben. Erst als ich meine Bordkarte in Händen halte fällt mir eine riesige Last von den Schultern. Jetzt kann nichts mehr schiefgehen, ich werde in dieses Flugzeug steigen und tatsächlich nach Ägypten fliegen!
In einem Café am Flughafen genehmige ich mir jetzt ganz in Ruhe eine Mélange und einen Schokomuffin. Vom Panoramafenster aus beobachte ich die Flugzeuge. Anschließend gehen wir durch die Passkontrolle und schlendern noch ein bisschen durch die Duty-Free-Shops.
Die Zeit vergeht schnell, plötzlich ist es Mittag und mit einem mal finde ich mich auf meinem Platz im Flugzeug wieder. Ich denke ständig: „Nicht zu fassen, nicht zufassen, es passiert wirklich!“. Auf dem Flug wird irgendein Film gezeigt, ich bekomme vor Aufregung kein Wort mit. Das Mittagessen – Lasagne – lasse ich mir dann doch nicht entgehen, und ich bin angenehm überrascht. Austrian Airlines hält seine Versprechen.
Am späten Nachmittag sehe ich zum ersten Mal den Nil vom Flugzeug aus. Ich muss mich zusammenreißen, aber das Grinsen auf meinem Gesicht lässt sich nicht vermeiden und spricht Bände. Da taucht auch schon Luxor auf, wir sind mittlerweile im Landeanflug, es rumpelt kurz und zwei Minuten später steht die Maschine in Luxor.
Als ich aus dem Flugzeug auf die Rampe steige, empfängt mich eine Hitze die mir zunächst den Atem verschlägt. Um das Flugfeld und das moderne Gebäude herum nichts als Sand. Ich kann mich gar nicht richtig umsehen, denn der klimatisierte Bus vor mir ist einfach zu verlockend. Ja, die Hitze ist wirklich ein Schock, das hätte ich nicht erwartet.
Nach der Passkontrolle, dem Stempel für das Visum und dem Gepäckband bringt uns unser Reiseleiter, der uns seit Betreten des Flughafengebäudes nicht mehr von der Seite gewichen ist und uns erfolgreich durch die ägyptische Bürokratie gelotst hat, zu einem klimatisierten Kleinbus, der uns zusammen mit zwei anderen Österreicherinnen zum Hafen und damit zu unserem Schiff bringen soll. Es ist früher Abend, die ägyptische Sonne präsentiert sich als eine große orange Scheibe nahe dem Horizont, und ich erlebe diese erste Fahrt durch Luxor als eine Fahrt durch einen wahr gewordenen Traum. Am Stadtrand empfängt uns üppige Vegetation, so wie man es sich erwartet, auf den staubigen Straßen begegnen einem Eselfuhrwerke mit winkenden Kindern darauf, Männer in grauen Galabayas und verschleierte Frauen. Ägypten ist tatsächlich Ägypten.
Als wir durch die Stadt fahren höre ich unseren Fahrer – der uns in gebrochenem Englisch die ganze Fahrt über ein wenig über Luxor erzählt – plötzlich sagen: „Tempel Street“. Ich blicke in die Richtung, die er zeigt, spüre mein Herz ein wenig schneller klopfen und erhasche wirklich einen Blick auf eine Säule des Luxortempels. Ich kann mir ein „Oh, mein Gott!“ nicht verkneifen und höre prompt Dani hinter mir kichern, aber ich bin glücklich. Überglücklich.
Am Hafen angekommen reißen sich sofort fünf Kofferträger um unser Gepäck, wir geben inzwischen dem Fahrer ein wenig Trinkgeld und machen uns dann auf zu unserem Schiff, der MS Crown Prince. Mir gefällt das Schiff auf ‚Anhieb. An der Rezeption bekommen wir unseren Zimmerschlüssel und erfahren, dass wir uns gleich in die Bar auf dem Oberdeck begeben sollen, um unseren Reiseführer kennen zu lernen. In der Bar lassen wir uns erschöpft in die großen Polstersofas fallen und kippen ein Glas Orangensaft. Nasser, unser Reiseführer erledigt mit uns den Papierkram und kassiert gleich das gesamte Trinkgeld für die Crew im Voraus. Wir sind gerade noch rechtzeitig zum Abendessen angekommen und Nasser lädt uns im Anschluss zu einem überraschenden weil nicht geplanten abendlichen Stadtbummel durch Luxor ein.
Vor dem Abendessen suchen wir aber erst unsere Kabine. Sie gefällt mir gut, aber das erste, das mir auffällt, sind die beiden Schwimmwesten, die man demonstrativ auf dem Bett platziert hat. Viel Zeit bleibt uns nicht, wir ziehen uns schnell um und eilen zu einem ersten vorzüglichen Abendbüffet.
- Kati_Salzburg
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Nach dem Abendessen bleibt uns noch genau eine Viertel Stunde bis unser Abendspaziergang beginnen soll. Wir können es uns nicht verkneifen einen ersten Blick auf das Pooldeck zu werfen. Es ist inzwischen komplett dunkel geworden, und wir treten aus dem kühlen Schiffsbauch in einen sanften, immer noch heißen aber erträglichen Wind. Vor uns liegt das blinkende und lärmende Luxor, und als ich meinen Kopf nach rechts drehe, sehe ich zum ersten mal richtig den Luxor-Tempel, mit seinen beleuchteten Säulen, unter einem silbernen Vollmond. Da ist er. Tatsächlich. Mir bleibt aber nicht viel Zeit um diesen Anblick zu genießen, denn unsere Reisegruppe wartet schon an der Rezeption auf uns.
Und dann geht es los in die nächtliche Stadt. Ich war noch nie im Orient, und bin ganz überwältigt von all den Eindrücken. Wir schlängeln uns vorbei an Frei-Luft-Imbissständen, versuchen nicht überfahren zu werden, stehen urplötzlich mitten in einer Hochzeitsgesellschaft und verstehen unser eigenes Wort nicht mehr. Nasser erzählt uns etwas über eine kostenlose Tierklinik, Apotheken in denen man so ziemlich alles rezeptfrei bekommt, Essen, das herrlich duftet aber schmächtige Touristenmägen todkrank macht, Kirchen und Moscheen. Und dann kommt mein persönliches Highlight dieses Abends: wir spazieren durch die Straße, die direkt am beleuchteten Luxor-Tempel vorbeiführt. Das hätt ich nicht erwartet. Ich strecke den Arm aus, weil es mir vorkommt, ich können die Säulen über den Zaun hinweg berühren, aber so lang ist mein Arm dann doch nicht und ich muss mich mit ihrem Anblick begnügen. Es ist das Großartigste, das ich in meinem Leben je gesehen habe. Ich ahne zu diesem Zeitpunkt noch nicht, wie oft ich diesen Satz auf dieser Reise noch sagen werde.
Auf dem Rückweg zum Schiff trete ich in einen Pferdeapfel, meine neuen weißen Schuhe sind gottseidank abwaschbar. Es ist 11 Uhr abends als wir wieder todmüde in unserer Kabine ankommen. Wir wissen, dass es morgen gleich ganz früh losgeht, also packen wir nur noch einen Teil unserer Koffer aus und fallen schließlich in unsere Betten. Bevor ich einschlafe wird mir erst richtig bewusst, dass ich wirklich endlich in Ägypten bin und was da morgen alles auf mich wartet.
Am nächsten Morgen läutet um 5 Uhr 30 das Telefon. Ah ja, der Weckdienst, wie praktisch. Müde aber voller freudiger Erwartung krieche ich aus dem Bett und riskiere einen Blick aus unserem Panoramafenster, das seit unserer Ankunft mit einem Vorhang verhangen war. Ich blicke direkt auf die Hafenpromenade. Schade, ich hätte mich so auf den Nil gefreut. Was soll’s.
Beim Frühstück sitzen wir den beiden Österreicherinnen von gestern gegenüber. Wir stellen schnell fest, dass wir vier die einzigen Österreicher unter lauter Deutschen, Holländern und Briten am Schiff sind. Wir verstehen uns auf Anhieb gut, sind aber in verschiedenen Reisegruppen. Macht nichts, denn unsere Reisegruppe ist kleiner. Es sind nicht mehr als zwölf Leute.
Um 6 Uhr 30 geht es los. Nasser holt uns an der Rezeption ab und wir machen uns auf nach Theben. Im Bus stimmt er uns schon mal auf das heutige Programm ein. Zuerst sehen wir uns die Memmnon-Kolosse an, dann geht’s zum Hatschepsut-Tempel und schließlich ins Tal der Könige. Außerdem gibt uns Nasser eine Kostprobe seines Humors und tauft unsere Reisegruppe „Pharaonen“. Naja. Ich mache mir bewusst, dass ich eben auch nur ein Tourist bin.
Es dauert nicht lange, und ich stehe vor den Memmnon-Kolossen. Wow. Riesig. Ich stehe zuerst nur da und tue gar nichts. Wie oft hab e ich mir all die Fotos in meinen Büchern angesehen und jetzt... Schließlich mache ich mich auf den Weg und umrunde jede einzelne Statue, lasse mir ganz viel Zeit um mir jedes Detail anzusehen und ein paar Fotos zu machen. Und glatt bin ich die Letzte, die zum Bus zurückstapft. Was für ein Auftakt. Wenn das so weitergeht, übertrifft dieser Urlaub alle meine Erwartungen.
edit by isis
Vielen Dank für deinen Bericht. Ich habe Deinen Bericht gleich mal in die ---> Rubrik Reise und Hotelberichte kopiert. März 2006
Und dann geht es los in die nächtliche Stadt. Ich war noch nie im Orient, und bin ganz überwältigt von all den Eindrücken. Wir schlängeln uns vorbei an Frei-Luft-Imbissständen, versuchen nicht überfahren zu werden, stehen urplötzlich mitten in einer Hochzeitsgesellschaft und verstehen unser eigenes Wort nicht mehr. Nasser erzählt uns etwas über eine kostenlose Tierklinik, Apotheken in denen man so ziemlich alles rezeptfrei bekommt, Essen, das herrlich duftet aber schmächtige Touristenmägen todkrank macht, Kirchen und Moscheen. Und dann kommt mein persönliches Highlight dieses Abends: wir spazieren durch die Straße, die direkt am beleuchteten Luxor-Tempel vorbeiführt. Das hätt ich nicht erwartet. Ich strecke den Arm aus, weil es mir vorkommt, ich können die Säulen über den Zaun hinweg berühren, aber so lang ist mein Arm dann doch nicht und ich muss mich mit ihrem Anblick begnügen. Es ist das Großartigste, das ich in meinem Leben je gesehen habe. Ich ahne zu diesem Zeitpunkt noch nicht, wie oft ich diesen Satz auf dieser Reise noch sagen werde.
Auf dem Rückweg zum Schiff trete ich in einen Pferdeapfel, meine neuen weißen Schuhe sind gottseidank abwaschbar. Es ist 11 Uhr abends als wir wieder todmüde in unserer Kabine ankommen. Wir wissen, dass es morgen gleich ganz früh losgeht, also packen wir nur noch einen Teil unserer Koffer aus und fallen schließlich in unsere Betten. Bevor ich einschlafe wird mir erst richtig bewusst, dass ich wirklich endlich in Ägypten bin und was da morgen alles auf mich wartet.
Am nächsten Morgen läutet um 5 Uhr 30 das Telefon. Ah ja, der Weckdienst, wie praktisch. Müde aber voller freudiger Erwartung krieche ich aus dem Bett und riskiere einen Blick aus unserem Panoramafenster, das seit unserer Ankunft mit einem Vorhang verhangen war. Ich blicke direkt auf die Hafenpromenade. Schade, ich hätte mich so auf den Nil gefreut. Was soll’s.
Beim Frühstück sitzen wir den beiden Österreicherinnen von gestern gegenüber. Wir stellen schnell fest, dass wir vier die einzigen Österreicher unter lauter Deutschen, Holländern und Briten am Schiff sind. Wir verstehen uns auf Anhieb gut, sind aber in verschiedenen Reisegruppen. Macht nichts, denn unsere Reisegruppe ist kleiner. Es sind nicht mehr als zwölf Leute.
Um 6 Uhr 30 geht es los. Nasser holt uns an der Rezeption ab und wir machen uns auf nach Theben. Im Bus stimmt er uns schon mal auf das heutige Programm ein. Zuerst sehen wir uns die Memmnon-Kolosse an, dann geht’s zum Hatschepsut-Tempel und schließlich ins Tal der Könige. Außerdem gibt uns Nasser eine Kostprobe seines Humors und tauft unsere Reisegruppe „Pharaonen“. Naja. Ich mache mir bewusst, dass ich eben auch nur ein Tourist bin.
Es dauert nicht lange, und ich stehe vor den Memmnon-Kolossen. Wow. Riesig. Ich stehe zuerst nur da und tue gar nichts. Wie oft hab e ich mir all die Fotos in meinen Büchern angesehen und jetzt... Schließlich mache ich mich auf den Weg und umrunde jede einzelne Statue, lasse mir ganz viel Zeit um mir jedes Detail anzusehen und ein paar Fotos zu machen. Und glatt bin ich die Letzte, die zum Bus zurückstapft. Was für ein Auftakt. Wenn das so weitergeht, übertrifft dieser Urlaub alle meine Erwartungen.
edit by isis
Vielen Dank für deinen Bericht. Ich habe Deinen Bericht gleich mal in die ---> Rubrik Reise und Hotelberichte kopiert. März 2006
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- Reisender
- Beiträge: 44
- Registriert: Sa 11 Feb, 2006 14:45
Hallo!
Wir fahren im Sommer zum dritten Mal auf den Nil. Die Eindrücke, die bisher in diesem Bericht geschildert werden, decken sich auch mit den unseren.
Sämtliche Erlebnisse, von der Anreise über die Einschiffung bis zum ersten Besuch der Umgebung, lassen eine Vorfreude auf unseren Urlaub aufleben.
Bei Deinem Bericht kann man förmlich die Hitze spüren und die Gerüche der Gewürze wahrnehmen.
Ich freue mich schon auf die Fortsetzung.
Gruß Michael
Wir fahren im Sommer zum dritten Mal auf den Nil. Die Eindrücke, die bisher in diesem Bericht geschildert werden, decken sich auch mit den unseren.
Sämtliche Erlebnisse, von der Anreise über die Einschiffung bis zum ersten Besuch der Umgebung, lassen eine Vorfreude auf unseren Urlaub aufleben.
Bei Deinem Bericht kann man förmlich die Hitze spüren und die Gerüche der Gewürze wahrnehmen.
Ich freue mich schon auf die Fortsetzung.
Gruß Michael

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- Weltenbummler
- Beiträge: 6307
- Registriert: So 10 Okt, 2004 19:59
- Kontaktdaten:
Vielen Dank für den wirklich ausführlichen und gut zu lesenden Bericht.
So kann es (in der Rubrik "Kreuzfahrten") weitergehen...
So kann es (in der Rubrik "Kreuzfahrten") weitergehen...

Autor des Reiseführers "ÄGYPTEN - DAS NILTAL von Kairo bis Abu Simbel"
Geschichten aus und über Ägypten: Toms-Notes.com
Geschichten aus und über Ägypten: Toms-Notes.com
- Kati_Salzburg
- Reisender
- Beiträge: 13
- Registriert: Mi 29 Dez, 2004 18:37
- Wohnort: Salzburg
hi! vielen dank, freut mich, dass es euch gefällt. hier kommt der nächste teil. ach ja, bin ich im falschen forum gelandet?
alles liebe kati
Hatschepsut-Tempel
Ich bin noch ganz erfüllt von Memmnon, da geht es schon weiter zu Hatschepsut. Ja, und ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus. Langsam aber sicher entfaltet auch die Sonne ihre ganze Kraft, und als wir auf dem Busparkplatz in die kleinen Bimmel-Bahnen umsteigen, die uns direkt zum Tempel bringen soll, empfängt uns schon eine ordentliche Hitze. Zuerst müssen wir aber erst noch eine große Prüfung bestehen. Vor uns liegt ein schmaler Weg, der links von Zaun und rechts von unzähligen kleinen Souvenierbuden begrenzt ist. Die Verkäufer lauern schon auf uns. Und das ist tatsächlich der reinste Spießrutenlauf. Von überallher laufen die Verkäufer mit ihren T-Shirts, Tüchern, Postkarten und Plastikstatuen auf einen zu, halten einem das Zeug direkt unter die Nase. Natürlich ist alles extra billig, handgemacht, und weil wir es sind bekommen wir auch einen Freundschaftspreis. Blöderweise ist das für Touristen der einzige Weg zum Tempel. Und auf dem Rückweg muss man da auch noch mal durch. Aber ich wehre mich tapfer und bin am Ende genauso reich wie vorher. Nasser bezeichnet das Ganze treffend als „Heuschreckenallee“.
In der Bimmel-Bahn sitze ich dummerweise mit dem Rücken zum Tempel und renke mir fast den Hals aus, weil ich ständig versuche den Tempel zu sehen. Dani, die mir gegenüber sitzt, findet das natürlich sehr komisch und muss mich unbedingt fotografieren. Der Tempel selbst und seine Umgebung ist einfach unbeschreiblich. Wenn man auf einer der Terassen steht und nach oben zu den Felswänden blickt, kann man schon verstehen, warum Hatschepsut diesen Ort gewählt hat. Es ist unglaublich und ich bin ganz erfüllt von all den Bildern. Ich greife jede Säule und jede Statue an, stelle mir vor wie viele Menschen in wie vielen Jahren schon dieses Stück Stein berührt haben und will gar nicht mehr weg. Aber Nasser wartet schon wieder auf uns, und so verabschiede ich mich.
Tal der Könige
Gegen Mittag kommen wir im Tal der Könige an. Nasser gibt uns wie immer eine kleine Einführung, bevor er uns auf eigene Faust durch die Gluthtze stapfen lässt. Ich bin überglücklich über meine zwei Wasserflaschen, aber ich komme schnell dahinter, dass es hier überall billiges Wasser gibt, und auch in unserem kleinen Bus gibt es eine Kühlbox aus der Nasser Wasser verkauft. Um meinen Flüssigkeitshaushalt muss ich mir also keine Sorgen machen. Nasser hat uns drei Gräber empfohlen: Tutmosis III., Ramses I., und Ramses IX. Im Tal ist es brütend heiß, aber das ist nichts im Vergleich zu den Temperaturen in den Gräbern. Dazu kommt die extrem hohe Luftfeuchtigkeit. Im ersten Moment kann ich gar nicht atmen. Nach zehn Sekunden rinnt mir der Schweiß in Strömen vom Körper, aber ich halte durch, denn die Gräber sind es wert. Wundervolle Farben und eine ganz eigenartige Stimmung herrscht da unten im Fels. Ich frage mich nur, wie die Ägypter, die in den Gräbern den ganzen Tag für Ruhe und Ordnung sorgen, diese Temperaturen aushalten ohne zu zerfließen. In einem der Gräber kann ich es mir nicht verkneifen mit der Hand über die Hieroglyphen auf dem Sarkophag zu streifen. Sofort steht einer der Aufpasser hinter mir und ermahnt mich: „Don’t touch!“. Aber der schon etwas ältere Mann lächelt mich dabei an, so als ob er verstehen würde, warum ich so fasziniert bin. Und ich? Ich kann nur breit zurückgrinsen.
Nachdem wir heil wieder aus den Gräbern emporgestiegen sind, ruhen wir uns noch ein wenig im Schatten aus. Obwohl ich bekennende Atheistin bin, muss ich zugeben, dass dieses Tal tatsächlich ein heiliges Tal ist. Man spürt diesen Zauber tatsächlich noch, und ich frage mich, wie magisch es hier früher gewesen sein muss.
Zum Mittagessen sind wir wieder zurück auf dem Schiff. Nachdem wir uns am Büffet ausgelassen haben, schmeißen wir uns zum ersten mal in unsere Bikinis um das Pool-Deck zu erobern. Auch hier entkommen wir der Hitze nicht. Das Schiff liegt noch immer im Hafen von Luxor, und ich kann das für 14 Uhr angekündigte Ablegen kaum noch erwarten. Inzwischen machen wir es uns auf den Liegen unter den Sonnendächern gemütlich und ich genieße schon mal den glitzernden Nil und die Landschaft. Lang halte ich es aber nicht aus, bevor ich mich endlich aufmache um den Pool einzuweihen. Vor dem eigentlichen Pool befindet sich eine Art knöcheltiefes Kneipp-Becken, in dem sich bereits die Holländer breitgemacht haben. Der richtige Pool geht mir gerade mal bis zum Brustbein und lässt sich mit zwei Tempi durchschwimmen. Aber er ist herrlich kühl und verkürzt mir die Zeit bis zur Abfahrt.
Schließlich geht es dann auch endlich los. Ein Schiff nach dem anderen legt ab, und als die Landschaft schön gemächlich vorüberzieht und ich mir von einem der ewig fleißigen und zuvorkommenden Kellner den ersten Eistee servieren lasse, denke ich mir: „Ja, so lässt es sich wirklich aushalten.“
Am Abend machen wir uns für das angekündigte Galadiner fertig. Heute werden statt des üblichen Buffets alle Gerichte an den Tisch serviert. Insgesamt sind es fünf ausgezeichnete Gänge:
1. Räucherlachs
2. Tomatencremesuppe
3. Hähnchen mit Käse im Blätterteig
4. Steak mit Pilzsauce, Broccoli, Karotten und Kartoffeln
5. Omelette surprise mit Eis
Die Kellner sind wie immer zuvorkommend und unglaublich schnell. Ich kann weder aufstehen noch mich niedersetzen ohne dass mir sofort jemand den Stuhl zurechtrückt, und mir selbst nachzuschenken kann ich gleich vergessen, es kann sogar passieren, dass mir der Kellner die Wasserflasche noch schnell aus der Hand reißt um zu verhindern, dass ich mir das Glas selbst wieder fülle. Das nenne ich Service.
Danach machen wir vier österreichischen Mädels es uns noch an Deck ein wenig gemütlich, genießen den warmen Wind und die angenehme Beleuchtung. Wir sind schon am frühen Abend in Esna angekommen. Nach einem weiteren Glas Eistee gehen wir dann schlafen, denn auch morgen heißt es wieder früh aufstehen.
edit by isis
Vielen Dank für deinen Bericht. Ich habe Deinen Bericht gleich mal in die ---> Rubrik Reise und Hotelberichte kopiert. März 2006
alles liebe kati
Hatschepsut-Tempel
Ich bin noch ganz erfüllt von Memmnon, da geht es schon weiter zu Hatschepsut. Ja, und ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus. Langsam aber sicher entfaltet auch die Sonne ihre ganze Kraft, und als wir auf dem Busparkplatz in die kleinen Bimmel-Bahnen umsteigen, die uns direkt zum Tempel bringen soll, empfängt uns schon eine ordentliche Hitze. Zuerst müssen wir aber erst noch eine große Prüfung bestehen. Vor uns liegt ein schmaler Weg, der links von Zaun und rechts von unzähligen kleinen Souvenierbuden begrenzt ist. Die Verkäufer lauern schon auf uns. Und das ist tatsächlich der reinste Spießrutenlauf. Von überallher laufen die Verkäufer mit ihren T-Shirts, Tüchern, Postkarten und Plastikstatuen auf einen zu, halten einem das Zeug direkt unter die Nase. Natürlich ist alles extra billig, handgemacht, und weil wir es sind bekommen wir auch einen Freundschaftspreis. Blöderweise ist das für Touristen der einzige Weg zum Tempel. Und auf dem Rückweg muss man da auch noch mal durch. Aber ich wehre mich tapfer und bin am Ende genauso reich wie vorher. Nasser bezeichnet das Ganze treffend als „Heuschreckenallee“.
In der Bimmel-Bahn sitze ich dummerweise mit dem Rücken zum Tempel und renke mir fast den Hals aus, weil ich ständig versuche den Tempel zu sehen. Dani, die mir gegenüber sitzt, findet das natürlich sehr komisch und muss mich unbedingt fotografieren. Der Tempel selbst und seine Umgebung ist einfach unbeschreiblich. Wenn man auf einer der Terassen steht und nach oben zu den Felswänden blickt, kann man schon verstehen, warum Hatschepsut diesen Ort gewählt hat. Es ist unglaublich und ich bin ganz erfüllt von all den Bildern. Ich greife jede Säule und jede Statue an, stelle mir vor wie viele Menschen in wie vielen Jahren schon dieses Stück Stein berührt haben und will gar nicht mehr weg. Aber Nasser wartet schon wieder auf uns, und so verabschiede ich mich.
Tal der Könige
Gegen Mittag kommen wir im Tal der Könige an. Nasser gibt uns wie immer eine kleine Einführung, bevor er uns auf eigene Faust durch die Gluthtze stapfen lässt. Ich bin überglücklich über meine zwei Wasserflaschen, aber ich komme schnell dahinter, dass es hier überall billiges Wasser gibt, und auch in unserem kleinen Bus gibt es eine Kühlbox aus der Nasser Wasser verkauft. Um meinen Flüssigkeitshaushalt muss ich mir also keine Sorgen machen. Nasser hat uns drei Gräber empfohlen: Tutmosis III., Ramses I., und Ramses IX. Im Tal ist es brütend heiß, aber das ist nichts im Vergleich zu den Temperaturen in den Gräbern. Dazu kommt die extrem hohe Luftfeuchtigkeit. Im ersten Moment kann ich gar nicht atmen. Nach zehn Sekunden rinnt mir der Schweiß in Strömen vom Körper, aber ich halte durch, denn die Gräber sind es wert. Wundervolle Farben und eine ganz eigenartige Stimmung herrscht da unten im Fels. Ich frage mich nur, wie die Ägypter, die in den Gräbern den ganzen Tag für Ruhe und Ordnung sorgen, diese Temperaturen aushalten ohne zu zerfließen. In einem der Gräber kann ich es mir nicht verkneifen mit der Hand über die Hieroglyphen auf dem Sarkophag zu streifen. Sofort steht einer der Aufpasser hinter mir und ermahnt mich: „Don’t touch!“. Aber der schon etwas ältere Mann lächelt mich dabei an, so als ob er verstehen würde, warum ich so fasziniert bin. Und ich? Ich kann nur breit zurückgrinsen.
Nachdem wir heil wieder aus den Gräbern emporgestiegen sind, ruhen wir uns noch ein wenig im Schatten aus. Obwohl ich bekennende Atheistin bin, muss ich zugeben, dass dieses Tal tatsächlich ein heiliges Tal ist. Man spürt diesen Zauber tatsächlich noch, und ich frage mich, wie magisch es hier früher gewesen sein muss.
Zum Mittagessen sind wir wieder zurück auf dem Schiff. Nachdem wir uns am Büffet ausgelassen haben, schmeißen wir uns zum ersten mal in unsere Bikinis um das Pool-Deck zu erobern. Auch hier entkommen wir der Hitze nicht. Das Schiff liegt noch immer im Hafen von Luxor, und ich kann das für 14 Uhr angekündigte Ablegen kaum noch erwarten. Inzwischen machen wir es uns auf den Liegen unter den Sonnendächern gemütlich und ich genieße schon mal den glitzernden Nil und die Landschaft. Lang halte ich es aber nicht aus, bevor ich mich endlich aufmache um den Pool einzuweihen. Vor dem eigentlichen Pool befindet sich eine Art knöcheltiefes Kneipp-Becken, in dem sich bereits die Holländer breitgemacht haben. Der richtige Pool geht mir gerade mal bis zum Brustbein und lässt sich mit zwei Tempi durchschwimmen. Aber er ist herrlich kühl und verkürzt mir die Zeit bis zur Abfahrt.
Schließlich geht es dann auch endlich los. Ein Schiff nach dem anderen legt ab, und als die Landschaft schön gemächlich vorüberzieht und ich mir von einem der ewig fleißigen und zuvorkommenden Kellner den ersten Eistee servieren lasse, denke ich mir: „Ja, so lässt es sich wirklich aushalten.“
Am Abend machen wir uns für das angekündigte Galadiner fertig. Heute werden statt des üblichen Buffets alle Gerichte an den Tisch serviert. Insgesamt sind es fünf ausgezeichnete Gänge:
1. Räucherlachs
2. Tomatencremesuppe
3. Hähnchen mit Käse im Blätterteig
4. Steak mit Pilzsauce, Broccoli, Karotten und Kartoffeln
5. Omelette surprise mit Eis
Die Kellner sind wie immer zuvorkommend und unglaublich schnell. Ich kann weder aufstehen noch mich niedersetzen ohne dass mir sofort jemand den Stuhl zurechtrückt, und mir selbst nachzuschenken kann ich gleich vergessen, es kann sogar passieren, dass mir der Kellner die Wasserflasche noch schnell aus der Hand reißt um zu verhindern, dass ich mir das Glas selbst wieder fülle. Das nenne ich Service.
Danach machen wir vier österreichischen Mädels es uns noch an Deck ein wenig gemütlich, genießen den warmen Wind und die angenehme Beleuchtung. Wir sind schon am frühen Abend in Esna angekommen. Nach einem weiteren Glas Eistee gehen wir dann schlafen, denn auch morgen heißt es wieder früh aufstehen.
edit by isis
Vielen Dank für deinen Bericht. Ich habe Deinen Bericht gleich mal in die ---> Rubrik Reise und Hotelberichte kopiert. März 2006
- Kati_Salzburg
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tja, ich hab mir das damals mit dem reisetagebuch eigentlich fest vorgenommen, aber irgendwie bin ich nicht dazugekommen. ich hab nur zwei, drei kleine gedichtchen niedergekritzelt, aber um deine frage zu beantworten: ja, ich schreib das aus dem kopf. ist witzig, weil mir beim schreiben vieles wieder einfällt.
lg kati
lg kati
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Schöner Bericht
Hallo Kati, Dein Bericht ist sehr lebendig geschrieben, super. Ich habe auch so einen Reisebericht verfasst und ihn in Buchform mit Bildern für meine Freundin geschrieben. Sie war zum ersten Mal auf Nilkreuzfahrt und ich hatte Reiseleiter gespielt. Das Aufschreiben der Eindrücke und Erlebnisse rufen die ganzen Emotionen hervor. So wie Du schreibst, hast Du dich wohl auch mit dem Ägyptenvirus angesteckt und bist nicht zum letzten Mal in Ägypten.
Ich freue mich schon auf Deine Fortsetzungen.
Gruß
Stern vom Nil
Ich freue mich schon auf Deine Fortsetzungen.
Gruß
Stern vom Nil
-
- Weltenbummler
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In einem der Gräber kann ich es mir nicht verkneifen mit der Hand über die Hieroglyphen auf dem Sarkophag zu streifen.



Da kann ich nicht jubeln, so sollte man sich nicht gehen lassen. Wenigstens hat der Wächter guten Einsatz gezeigt.

Es wird ja immer besser...
Ich greife jede Säule und jede Statue an
Wenigstens stand der Tempel noch, als ich da war. So schlimm kann es also nicht gewesen sein.

Mal im Ernst, möglichst nix anpacken, auch wenn es manchmal spannend wäre.
Autor des Reiseführers "ÄGYPTEN - DAS NILTAL von Kairo bis Abu Simbel"
Geschichten aus und über Ägypten: Toms-Notes.com
Geschichten aus und über Ägypten: Toms-Notes.com
- Kati_Salzburg
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- Kati_Salzburg
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23. Juli 2005
Tempel von Esna
Schon wieder schrecklich früh, und schon wieder läutet das Telefon. Wir sind in Esna, und da der Tempel in direkter Nähe zum Hafen liegt, machen wir uns heute zu Fuß auf den Weg.
Als wir das Schiff verlassen müssen wir wie immer durch den Metalldetektor laufen. Statt dem Piepsen hört man nur noch einen schrecklichen Dauerpfeifton, weil sowieso jeder eine Videokamera oder einen Fotoapparat in der Tasche hat, aber das Piepsen kümmert auf dem Schiff keine Seele. Auch vor den Tempeln gibt es „Kontrollen“. Bei mir piepst es jedes mal, aber es ist mir nur ein einziges mal wirklich passiert, dass ein Wachmann dann auch in meinen Rucksack schauen wollte. Inzwischen jagt mir auch die Heuschreckenallee vor jedem Tempel keine Angst mehr ein. Nasser erklärt uns, dass sich das Erdniveau um den Tempel über die Jahre angehoben hat, deshalb sind die Reste des Tempels komplett in einer riesigen Mulde verschwunden, in die man über eine windige Treppe hinabklettern muss. Kein Problem für mich, und schließlich stehe ich in meiner ersten richtigen Säulenhalle. Mehr ist ja nicht mehr übrig, aber es ist herrlich. Eigenartigerweise ist der ganze Lärm der Stadt in der Halle nicht mehr zu hören. Alles was ich höre, sind ein kleiner Schwarm Vögel und Nassers Ausführungen. Ich wandere durch die Säulen und nehme die dämmrige Stimmung in mich auf. Wir bleiben nicht sehr lange, unser Kapitän will früh nach Edfu aufbrechen.
edit by isis
Vielen Dank für deinen Bericht. Ich habe Deinen Bericht gleich mal in die ---> Rubrik Reise und Hotelberichte kopiert. März 2006
Tempel von Esna
Schon wieder schrecklich früh, und schon wieder läutet das Telefon. Wir sind in Esna, und da der Tempel in direkter Nähe zum Hafen liegt, machen wir uns heute zu Fuß auf den Weg.
Als wir das Schiff verlassen müssen wir wie immer durch den Metalldetektor laufen. Statt dem Piepsen hört man nur noch einen schrecklichen Dauerpfeifton, weil sowieso jeder eine Videokamera oder einen Fotoapparat in der Tasche hat, aber das Piepsen kümmert auf dem Schiff keine Seele. Auch vor den Tempeln gibt es „Kontrollen“. Bei mir piepst es jedes mal, aber es ist mir nur ein einziges mal wirklich passiert, dass ein Wachmann dann auch in meinen Rucksack schauen wollte. Inzwischen jagt mir auch die Heuschreckenallee vor jedem Tempel keine Angst mehr ein. Nasser erklärt uns, dass sich das Erdniveau um den Tempel über die Jahre angehoben hat, deshalb sind die Reste des Tempels komplett in einer riesigen Mulde verschwunden, in die man über eine windige Treppe hinabklettern muss. Kein Problem für mich, und schließlich stehe ich in meiner ersten richtigen Säulenhalle. Mehr ist ja nicht mehr übrig, aber es ist herrlich. Eigenartigerweise ist der ganze Lärm der Stadt in der Halle nicht mehr zu hören. Alles was ich höre, sind ein kleiner Schwarm Vögel und Nassers Ausführungen. Ich wandere durch die Säulen und nehme die dämmrige Stimmung in mich auf. Wir bleiben nicht sehr lange, unser Kapitän will früh nach Edfu aufbrechen.
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Vielen Dank für deinen Bericht. Ich habe Deinen Bericht gleich mal in die ---> Rubrik Reise und Hotelberichte kopiert. März 2006
- Kati_Salzburg
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Ok, nach einer kleinen Pause kommt hier der nächste Teil:
Als wir wieder auf dem Schiff ankommen, holen wir uns erst mal eines der heißen feuchten Tücher ab, die nach jedem Ausflug bereitstehen. Sie duften herrlich nach Zitrone und sind nach den staubigen heißen Ausflügen eine Wohltat.
Die Mittagsstunden verbringen wir mal wieder am Pool. Auf der Fahrt nach Edfu geht es etwas ruhiger zu als gestern. Da mussten wir einige Zeit vor der Nil-Schleuse bei Esna warten. Und damit sich ja keine Langeweile breit macht, kamen wie auf Kommando ein ganzer Schwarm Händler in kleinen Booten und warfen ihre Souvenirs in Plastiksäcken zu uns hoch. Ich kam mir ein bisschen vor, wie beim Völkerball in der Volksschule, da hab ich auch nie was gefangen.
Heute dösen wir ein bisschen dahin, das frühe Aufstehen jeden Tag ist selbst für eine Krankenschwester mit regelmäßigen Frühdiensten gewöhnungsbedürftig. Nach dem Mittagessen macht sich auf dem ganzen Schiff vor allem unter den Passagieren Unruhe breit. Es gehen Gerüchte um einen Anschlag auf Touristen um, und als wir uns schließlich in Edfu für den nächsten Ausflug an der Rezeption versammeln, ist es bereits Gewissheit: in Sharm El-Sheikh gab es mehrere Sprengstoffanschläge. Wir sind alle geschockt. Jeder versucht zu Hause anzurufen um den Daheimgebliebenen mitzuteilen, dass es uns gut geht. Ich bekomme ein mulmiges Gefühl in der Magengegend. Es soll viele Tote geben, heißt es. Ich würde gern zurück in unsere Kabine gehen um ein bisschen BBC zu gucken und mehr zu erfahren als nur die hier grassierenden Gerüchte. Aber Nasser treibt uns zur Eile an, der Bus wartet schon.
Als wir im Bus durch Edfu fahren, kann ich es mir nicht verkneifen, die weiß uniformierten Touristenpolizisten zu zählen. Immer wieder denke ich daran, wie es wohl meinen Eltern daheim geht. Eigentlich müssten sie dank meiner jahrelangen Ägyptomanie wissen, wo Sharm El-Sheik und wo Edfu liegt. Ich frage mich auch, wie das wohl ist, wenn man mit seiner Familie auf Urlaub fährt, und einfach mal sorglos sein will, und dann stirbt vielleicht ein Teil der Familie bei einem Anschlag, und man muss allein wieder nach Hause fahren. Ich kann mir das gar nicht vorstellen.
Tatsächlich bin ich ein wenig beunruhigt, aber ich sage mir: Sharm El-Sheik ist „weit“ weg. Und ich habe acht Jahre auf diese Reise gewartet. Ich will sie genießen, ich werde sie genießen, komme was da wolle. Auch aus so tragischen Geschichten muss man das Beste machen.
edit by isis
Vielen Dank für deinen Bericht. Ich habe Deinen Bericht gleich mal in die ---> Rubrik Reise und Hotelberichte kopiert. April 2006
Als wir wieder auf dem Schiff ankommen, holen wir uns erst mal eines der heißen feuchten Tücher ab, die nach jedem Ausflug bereitstehen. Sie duften herrlich nach Zitrone und sind nach den staubigen heißen Ausflügen eine Wohltat.
Die Mittagsstunden verbringen wir mal wieder am Pool. Auf der Fahrt nach Edfu geht es etwas ruhiger zu als gestern. Da mussten wir einige Zeit vor der Nil-Schleuse bei Esna warten. Und damit sich ja keine Langeweile breit macht, kamen wie auf Kommando ein ganzer Schwarm Händler in kleinen Booten und warfen ihre Souvenirs in Plastiksäcken zu uns hoch. Ich kam mir ein bisschen vor, wie beim Völkerball in der Volksschule, da hab ich auch nie was gefangen.
Heute dösen wir ein bisschen dahin, das frühe Aufstehen jeden Tag ist selbst für eine Krankenschwester mit regelmäßigen Frühdiensten gewöhnungsbedürftig. Nach dem Mittagessen macht sich auf dem ganzen Schiff vor allem unter den Passagieren Unruhe breit. Es gehen Gerüchte um einen Anschlag auf Touristen um, und als wir uns schließlich in Edfu für den nächsten Ausflug an der Rezeption versammeln, ist es bereits Gewissheit: in Sharm El-Sheikh gab es mehrere Sprengstoffanschläge. Wir sind alle geschockt. Jeder versucht zu Hause anzurufen um den Daheimgebliebenen mitzuteilen, dass es uns gut geht. Ich bekomme ein mulmiges Gefühl in der Magengegend. Es soll viele Tote geben, heißt es. Ich würde gern zurück in unsere Kabine gehen um ein bisschen BBC zu gucken und mehr zu erfahren als nur die hier grassierenden Gerüchte. Aber Nasser treibt uns zur Eile an, der Bus wartet schon.
Als wir im Bus durch Edfu fahren, kann ich es mir nicht verkneifen, die weiß uniformierten Touristenpolizisten zu zählen. Immer wieder denke ich daran, wie es wohl meinen Eltern daheim geht. Eigentlich müssten sie dank meiner jahrelangen Ägyptomanie wissen, wo Sharm El-Sheik und wo Edfu liegt. Ich frage mich auch, wie das wohl ist, wenn man mit seiner Familie auf Urlaub fährt, und einfach mal sorglos sein will, und dann stirbt vielleicht ein Teil der Familie bei einem Anschlag, und man muss allein wieder nach Hause fahren. Ich kann mir das gar nicht vorstellen.
Tatsächlich bin ich ein wenig beunruhigt, aber ich sage mir: Sharm El-Sheik ist „weit“ weg. Und ich habe acht Jahre auf diese Reise gewartet. Ich will sie genießen, ich werde sie genießen, komme was da wolle. Auch aus so tragischen Geschichten muss man das Beste machen.
edit by isis
Vielen Dank für deinen Bericht. Ich habe Deinen Bericht gleich mal in die ---> Rubrik Reise und Hotelberichte kopiert. April 2006