Tja, wenn ich mich an mein „Erstes Mal in Ägypten“ erinnere, es war 1995, so war es nicht die klassische Annäherung an dieses Land (Nilkreuzfahrt oder Baden im Roten Meer) wie bei den meisten Reisenden, sondern eher ein Abenteuer.
Ich wollte mit einem Freund noch einmal meine alte Wirkungsstätte Jordanien als Tourist besuchen und da es sich wunderbar anbot, nach der Rundreise in Jordanien von Aqaba nach Nuweiba auf den Sinai übersetzen. Nach der üblichen Sinairundfahrt sollten dann 3 Tage Badeurlaub in Sharm die Tour beenden.
Nach einer vergnüglichen Überfahrt mit einer alten, ausgemusterten, ehemaligen italienischen Fähre erreichten wir den Hafen von Nuweiba. Mehr als 95 % unserer Mitreisenden waren ägyptische Gastarbeiter die, teils abenteuerlich bepackt, ihre Familien besuchen wollten. Da ich durch meinen Arbeitsaufenthalt in Jordanien durch unsere ägyptischen Helfer und Vorarbeiter deren Mentalität und Freundlichkeit kannte, kamen wir schnell in Kontakt und hatten viel Spaß miteinander.
Unsere Fröhlichkeit legte sich aber schlagartig, als im Hafen von Nuweiba die ägyptische Hafenpolizei (Port Police) das Kommando übernahm. Alle Ägypter mussten sich in der prallen Mittagssonne hinter ihrem Gepäck aufstellen und stundenlang auf ihre Überprüfung warten. Dabei ging die Polizei nicht gerade zimperlich mit ihren Landsleuten um.
Wir Touris wurden in eine Halle geführt, in der ein eingestaubtes Röntgengerät auf seinen Einsatz wartete. Wir warteten auch, aber auch nach über zwei Stunden tat sich nichts. Die angesprochenen Polizisten (diesmal die Touristenpolizei) zuckten nur mit den Schultern da sie kein Wort Englisch sprachen und gingen zum Gebet.
Nach ca. 4 Stunden Warterei in der heißen Halle (ohne Getränke) wurden wir auf einmal zur Hafenausfahrt geführt. Wir konnten schon den wartenden Reiseführern zuwinken, als sich plötzlich meinem Freund und mir von hinten zwei Hände auf die Schultern legten und wir, und zwar nur wir, von einem streng blickenden Polizisten auf die Wache geführt wurden. Es versteht sich von selbst, dass wir die ganze Zeit unser Gepäck selbst am „langen Arm“ mitschleppen mussten.
Nach zwei weiteren Stunden unerquicklicher Warterei wurden wir kommentarlos unserem Reiseführer übergeben. Auf unseren zornigen Protest hin erklärte dieser entschuldigend, dass sich z.Zt ein Machtkampf zwischen Polizei und Reisegesellschaften über die Höhe des Bakschisches, das die Reiseveranstalter der Polizei für die problemlose Einreise ihrer Gäste zu zahlen hätten, abspielte.
Er habe aber bereits bei der übergeordneten Stelle in Sharm Beschwerde eingelegt.
Der nächste Tag mit seinem Jeepausflug versöhnte uns aber schnell und wir waren schon bereit, die ganze Angelegenheit unter „Abenteuer im Orient“ abzulegen, als abends um 18 Uhr das Telefon im Zimmer klingelte und sich in makellosem Deutsch ein Captain der Touristenpolizei meldete. Er stellte sich als Chef der hiesigen Polizei vor und fragte höflich aber bestimmt an, ob wir bereit seien mit ihm bei einem Tee über die Vorfälle im Hafen zu sprechen. Da man einer solchen Einladung kaum widersprechen kann, wurden wir auch überaus pünktlich und sehr höflich von ihm selbst mit einem Polizeijeep abgeholt.
Auf der Wache angekommen stand die ganze Belegschaft (auch unsere Freunde vom Vortag) vor uns stramm. Im Büro des Chefs war nicht nur der Tee, sondern ein kompletter Abendimbiss einschließlich köstlicher, süßer Naschereien vorbereitet worden .
Es kam wie es kommen musste, es wurde viel geredet ohne etwas zu sagen, ich habe für ihn einen zweiseitigen Bericht geschrieben („bitte in Englisch und in Grossbuchstaben“) und nach drei Stunden Völlerei und Quatschen schieden wir als gute Freunde.
Nur unser zwischenzeitlich aufgetauchter Reiseführer musste noch auf der Wache bleiben und ebenfalls einen Bericht schreiben.
Na ja, was soll man sagen? Ägypten hat eben die älteste Bürokratie der Welt!!
Da sich mein Bericht mit dem seinigen deckte und ihn vor Schwierigkeiten bewahrte, hat mir übrigens unser Guide am Ende der Rundfahrt in Sharm einen silbernen Ankh-Anhänger geschenkt, den ich immer noch hoch in Ehren halte.
Was gibt es noch zu sagen? Vielleicht: „So sind sie halt“ und „Welcome to Egypt“
Gruß
Bes
...auf weinfarbenem Meer segelnd zu anderen Menschen...
Homer, Odyssee, 1. Gesang, Vers 183