Grabung am Totentempel Thutmosis III. in Qurna

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Beitragvon Isis » Di 02 Feb, 2021 11:23

salam

ich habe in der neuen ausgabe von ancient egypt magazine ( Nr. 123 Januar/Februar 2021)
einen bericht über drei gräber XV, IX, X aus dem mittleren reich gefunden.
der bericht stammt von Myriam Seco Álvarez und Javier Martínez Babón die daten zu den
funden beziehen sich auf diesen artikel.

damit ihr erst mal wisst wo sich die gräber befinden habe ich sie im bild eingezeichnet.

Bild

Bild

das grab XV (plan Nr.1) aus dem mittleren reich hat einen rechteckigen schacht der 1,60m breit,
3m lang und 4,85m in der tiefe misst.
das grab wurde in der antike schon von grabräubern heimgesucht und geplündert, was die „unordnung“
im gab selbst erklärte.
hier wurden unter anderem drei handklappern aus elfenbein entdeckt. an den klappern befinden sich
löcher wo sie einst wohl zusammengebunden waren. die innenseiten der teile sind glatt gehalten wobei
die außenseiten in der form der hände gestaltet wurden. selbst ein armreif und die finger bis zu der
ausarbeitung der fingernägel wurden nachgestellt.

der rechte teil des armes (bild oben) Inv. Nr. 15592 hat eine länge von 20,9 cm und
ist 3,3 cm breit. die linke seite (bild unten) also das gegenstück dazu Inv. Nr. 15593
ist 21,1 cm lang und auch 3,3 cm breit.

Bild

bei dem dritten teil das gefunden wurde handelt es sich um einen linken arm .
Inv. Nr. 15594 er ist 18,6 cm lang, am handgelenk 3,40 cm und am arm 3,60 cm breit.
das gegenstück dazu wurde leider nicht gefunden.

Bild

ein weiteres fundstück war ein zauberstab aus elfenbein der keinerlei dekoration
besitzt. Inv. Nr. 15636 aber ähnlichkeiten zu den in den assasif gräbern 819
und 836 gefundenen aufweist.

Bild

auch wurden hier im grab zwei fruchtbarkeitsfiguren aus kalkstein entdeckt.
diese hier mit der Inv. Nr. 15597 wurde in zwei teile zerbrochen vorgefunden,
sie hat die maße 6,70cm lang, 3,70cm breit und ist 2,20cm dick.
die figur besitzt keine füße, warum das so ist, ist noch nicht eindeutig geklärt und kann somit
nur spekuliert werden. ob es wohl einen magischen hintergrund dafür gibt das die figur
daran gehindert wird das grab und somit den verstorbenen zu verlassen ist z.b. eine theorie.

Bild

nun kommen wir zum zweiten grab mit der nummer IX (karte nr. 2)
das grab wurde 2012 gefunden und erforscht. es hat einen rechteckigen grabschacht der
1,60m breit, 3m lang ist und 4,90m in die tiefe misst. am ende befinden sich zwei
gegenüberliegende kammern. die nach osten ausgerichtete kammer ist 3 m lang, 2,10 m
breit und 1,55 m hoch. die maße der westkammer betragen 2,10 m lang, 1,70 m breit
und 1,20 m hoch. auch dieses grab wurde schon von grabräubern geplündert.
am boden des schachts wurde eine kalksteinstele gefunden. sie ist 19 cm hoch, 13,80 cm breit
und 4,20 cm dick. ( Inv. Nr. 9467 )
(leider habe ich selbst keine bilder von der stele, so dass ich sie euch zeigen könnte und das
bild im bericht unterliegt leider dem copyright.)
auf der stele sind zwei sich gegenüber sitzende beamte dargestellt die durch einen tisch getrennt sind.
sie tragen die typischen langen roben mit den breiten halsketten und halten lotusblüten in der hand.
darüber ist schriftlich festgehalten um welche opfergaben
es sich handelt ...
brot, bier, ochsen, geflügel, weihrauch und öl. auch sind die zwei namen der dargestellten
hier festgehalten
auf der rechten seite der inschriften ist zu lesen …

[zitat] für den Ka von Renefseneb - wen Ity gerechtfertigt hat gezeugt. [/zitat]

und auf der linken seite der szene ...

[zitat] für den Ka von Iy - wen Sat-Hor gerechtfertigt hat gezeugt. [/zitat]

leider fehlen rang und titel auf der stele, so dass man die namen nicht in die
thebanische chronologie einreihen könnte.

das grab X liegt in unmittelbarer nähe und wurde auch 2012 erforscht. (bild nr. 3)
der rechteckige grabschacht ist 1,6 m breit, 3 m lang und 7,5 m tief, und weist drei
seitenkammern auf.
auch hier wurde am boden des schachts eine stele gefunden oder besser gesagt
fragmente einer stele die leider nicht so gut erhalten waren.
anhand der teile wurden folgende maße ermittelt - 18,7 cm hoch und 13,6 cm breit,
und 4,2 cm dick. (Inv.-Nr. 9479)
die gestaltung der stele ist fast identisch mit der aus grab IX wobei sich hier
ein mann und eine frau durch einen tisch getrennt gegenübersitzen.
der name des mannes ist leider nicht mehr vorhanden aber man fand den namen
der frau heraus …

[zitat] die Dame des Hauses, Sat-Khenty-Khety, die Ity zu Recht gezeugt hat [/zitat]

es wurden auch fragmente aus elfenbein in form einer hand (6,8 x 2,4 cm; Inv.-Nr. 9480)
und unter anderem noch ein fragment eines zauberstabes ( 5 x 6,7 cm groß (Inv. Nr. 9481)
gefunden.
man geht eben aufgrund art und aufbau des grabes und der ähnlichkeit der gefundenen
stelen davon aus, das die verstorbenen in irgendeiner art miteinander verwandt waren.

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Beitragvon Isis » Do 03 Mär, 2022 10:41

salam

hier habe ich einen ausführlichen bericht über den Totentempel Thutmosis III.
Dr. Myriam Seco Alvarez führt durch den tempel und erklärt die grabung.
leider gibt es keinerlei untertitel :) so bleibt allen nicht spanisch sprechenden nur das vergnügen die bilder zu genießen.

https://www.rtve.es/play/videos/arqueom ... SOTivzpEI0

und hier ein kleiner chlip wie man sich den tempel zu thutmosis zeiten vorstellt.

https://www.facebook.com/tharsisarqueom ... 3448354320

ma salama

... isis ...

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Re: Grabung am Totentempel Thutmosis III. in Qurna

Beitragvon Isis » Mi 17 Apr, 2024 11:41

salam

post verschoben ...

... isis ...

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Re: Grabung am Totentempel Thutmosis III. in Qurna

Beitragvon Isis » Fr 19 Apr, 2024 14:13

Dieses mal werde ich eine Zusammenfassung von Zwei Jahren machen
müssen, da wir 2022 leider nicht in Luxor sein konnten.

Bei der 15. Grabungssaison 2022 wieder unter der Leitung von
Dr. Myriam Seco Alvarez (Ägyptologin; Dozentin an der Universität Sevilla und Leiterin des
Thutmosis III-Temple Projects in Theben-West) wurden wieder viele neue Erkenntnisse
gemacht. Es gibt wohl Anzeichen das ein Teil des Tempels älter ist als erst gedacht.
Leider ist nicht viel bekannt welche Anzeichen bzw. Funde es sind, die sie zu
der Anmahne bringen.

Einen großen Anteil der Kampanie nahm auch die Arbeit an den
tierischen Knochen ein. Es soll neue Zusammenhänge über die Opfertiere
und Nutztiere hier im Tempel erstellt werden.

Es war auch wieder einmal soweit, dass die 8 Persea Bäume
die 2017 an der zentralen Rampe in „Baumbrunnen“ gepflanzt wurden,
geschnitten werden mussten.
Einfach klasse zu sehen wie die Bäume wieder wachsen.

Bild

Bild

Die Persea Bäume waren in Ägypten schon seit der 3. Dyn. bekannt,
wie die Funde der Früchte aus Gräbern uns zeigen.
Die Bäume werden mit der Sonnenanbetung in Verbindung gebracht, auch
haben sie in der ägyptischen Medizin eine rolle gespielt.

Bild

Diese super Luftbilder hat uns Astrodr, der extra 2023 in hohe Lüfte ging
mitgebracht, so haben wir einmal wieder aktuelle Übersichtsbilder der
Grabung am Totentempel in el Qurna
dem Millionenjahrhaus von Thutmosis III.
- Men-cheper-Re - Der von dauernder Gestalt ist der Re (auf Erden)
oder wird auch mit Dauerhaft ist die Gestalt/Erscheinungsform des Re
mit dem Namen Henket Anch - Gemach des Lebens.

Bild

Das bringt mich noch einem auf die Suche nach Erwähnungen des Tempels

Einen Tempel mit dem Namen Henket-Ankh wurde unter anderem auch im
Grab TT49 des Neferhotep der Oberster Schreiber des Amun, während der Herrschaft
von Tutanchamun, Ay und Horemheb ausführlich genannt. Er beschreibt das Talfest
(auch „Schönes Fest vom Wüstental) das nach der Schließung und dem versuch der
Zerstörung unter Echnaton / Amenophis IV in dem wiederhergestellten Tempel stattfand.

Amun, lord of the thrones of the Two Lands, in his fair
Festival of the Valley, receive loaves which have been offered before him on the altar
of the lord ofeternity, and smell the incense of the offerings when there is a gathering
(?) in the temple Henket-Ankh...”
(DAVIES 1933: 53, Pl. XXXVI).

Die Zerstörung des Tempels in der Amarnazeit belegen auch die Zahlreichen
Kalkstein- und Sandsteinblöcke auf denen die Ikonographie, der Name und
die Beinamen Amuns sorgfältig gelöscht wurden.

In „neuerer Zeit“ wurde der erste Hinweis auf die Tempelanlage von einem
Oberst Howard Vyse gemacht. Er fand viele Lehmziegel mit der Kartusche
von Thutmosis III. bei einem Besuch des Ramesseums und hat als
Fundort „Gebäude in unmittelbarer Nähe“ angegeben.
1844 wurde das „Gebäude“ von Lepsius in seine Karte aufgenommen
und als „Das Magazin“ benannt, bis der Zusammenhang und die Lokalisirung
des Henket Anch - Tempel der Millionen Jahre von Thutmosis III
erkannt wurde vergingen noch Jahre.

Es folgten danach noch einige Grabungen, aber als das Grabungsteam
des Thutmosis III Tempelprojekt hier die arbeiten 2008 Aufgenommen haben,
war der Thempel schon wieder 70 Jahre verweist hier gelegen.

zum Vergleich hier mal ein paar Bild vom „damals“ als ich angefangen habe mich
für diesen Tempel zu interessieren - also die letzten 20 Jahre
2003 bis 2023

Bild

Bild

Bild

und schon sind wir auch bei der 16. Grabung 2023 des Million Jahre Tempels.
Diese Jahr lag der Schwerpunkt der Arbeiten an den Werkstätten und Lagerhäuser,
der Hochterrasse und außerhalb der Umfassungsmauer an den Gräber des Mittleren Reiches.
Da sich leider nirgends eine Grabnummer in den Berichten finden lässt,
vermute ich mal an Hand der Bilder, aus dem Grabungsbericht die Lage
des Grabes hier neben der großen Mauer.
(Nachtrag das Grab bekam die Nummer 36)

Bild

und hier auch noch ein Paar Bilder vom 20m langen Grabeingang.
Dieses Jahre war auch wieder ein umfangreiches Team von Archäologen,
Ägyptologen, Epigraphikern, Zeichnern, Architekten, Anthropologen,
Ärzten, Paläobiologen und Restauratoren an der Grabung beteiligt.

Bild

damit man einen besseren Überkick über die gefundenen Gräber und
die zeitliche Einordnung bekommt, habe ich mal die Areale und
die Grabnummern zusammen gestellt.

Bild

wo wir nun schon bei Bestattungen sind vielleicht noch ein Nachtrag
aus 2021. Es wurde bekannt gegeben das bei den Forschungen auch ungewöhnliche
Krankheiten an den Mumien entdeckt wurden.
Ein Mensch erkrankte an Leukämie, ein Fall wurde bekannt der an Spina bifida
„offener Rücken“ litt und einer sogar an Hydrozephalus „Wasserkopf“

Hier mal zwei Bilder der 2021 Grabung die im Westsektor gefunden wurden.
(Leider ist (mal wieder) keine Grabnummer bei dem Bericht
von https://thutmosisiiitempleproject.org/ zu finden, somit ist es mir leider auch nicht
möglich den genauen Fundort zu benennen)

Bild

Die Gräber im nordwestlichen Sektor stammen aus der XXV. und XXVI. Dynastie
also Ende der dritten Zwischenzeit und der Spätzeit, sie befinden sich außerhalb der
Tempelmauern. Einige verfügen über absteigenden Treppen, andere wurden über Schächte
betreten, die dann zu den unterirdischen Grabkammern führten.

Bild

Bei den Luftbildern ist mir auch wieder das Grab 22 XXII
aufgefallen, da es doch einen ungewöhnlichen Aufbau hat.
Das Grab ist eigentlich eher einer Tempelanlage nachempfunden worden.
Es verfügt über einen Eingangspylon, gefolgt von einer Terrasse und verschiedene
Räume. Die Grabkammer selbst ist über einen Brunnen Schacht zu erreichen.
Hier wurden alleine mehr als hudert Mumienteile gefunden und die Forscher haben
herausgefunden das es sich in etwa um sechzig Leichen gehandelt haben muss.
Sie haben auch herausgefunden, dass die Mumien nach ihrer „Zerstörung“
hier im Grab 22 wieder bestattet wurden, so dass es sich hier eher um
eine Mumie Cachette wie in Deir el Bahari handelt.
Auch wurden geflügelte Skarabäen, Söhne des Horus und Udjat Augen sowie
Pappfragmente und Leichentücher mit Figuren und Inschriften geborgen.
Zwischen den ältesten und den jüngsten Gräbern die hier gefunden
wurden liegen fast 1400 Jahren.

Bild

und hier die gegenüberliegende Seite des Tempels noch einmal in Nahaufnahme,
erstaunlich was hier an Wiederaufbau geleistet wurde. So kann
man die Dimensionen erst so richtig erahnen.

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wo wir schon beim Wiederaufbau sind. Auf der Baustelle wird gearbeitet wie zu
Thutmosis Zeiten. Der einzige unterschied ist eben das die alten Steine bzw. die
Bausubstanz durch diese „orangenen“ Matten wieder von den „neuen“ Steinen
sichtbar getrennt werden.
(wie wir ja auch schon beim Pylon vor Jahren beobachten konnten)

Bild

Bild

und hier vielleicht noch ein kleines Video, wie solche
Nilschlammziegel auf der Baustelle hergestellt wurden.

https://www.facebook.com/templofunerari ... 5432404403

In dieser Kampagne wurden auch 20 Quadratischen Kammern / Räume
in der Ecke der Lagerhäuser auf der Hochterrasse entdeckt. In den Lagerräume befanden sich
unzählige Tonbehälter, die wohl nicht nur als Opfergaben, sondern auch als Bezahlung
der Arbeiter hier gedacht waren. Den wir wissen ja das Arbeiter, meist mit
Brot und Bier entlohnt wurde.

Bild

Bild

Bild

ein kleiner Nachtrag zur Lage der Lagerhäuser.
Astrodr hat aktuelle Bilder 2024 mitgebracht auf denen man
den Fundort genauer sehen kann.

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Hier auch mal einen kleinen Überblick,
damit man erahnen kann um welche Mengen es sich hier handelt
und wie viel Arbeit hier noch wartet.

Bild

Was schon lange meine Aufmerksamkeit erregt war das Gewölbe, dass
man auch Gut von der Straße aus sehen konnte.

Bild

Auf dem Plan ist zu lesen, das sich hier in der zweiten Kammer noch Reste einer
Gewölbedecke befinden. Bei der Rekonstruktion hat man sich wohl dazu
entschieden die Gewölbedecke nur „anzudeuten“, denn anders macht
es für mich keinen Sinn, dass nur das kleine Stück angefertigt wurde.

Da man hier ja Magazine vermutet, werden einst eben alle fünf Gebäude
über ein solches Tonnengewölbe verfügt haben. Die Aufbaustruktur ist
heute noch im nahegelegenen Rammeseum super zu sehen.

Bild

Hier vielleicht mal ein Beispiel für die unzähligen Funde von Ostraca.
Bei diesem Ostracon aus Sandstein und Keramik soll es sich laut Expertenmeinung um
eine Skizze mit der Liste von Opfergaben handeln. Sie diente wohl als Entwurf für die
Dekoration der Wände und soll aus der Zeit um 1450 v. Chr. Stammen.

Bild

es sei auch mal erwähnt, dass auch ein Team vom Thutmosis III Tempel Project
Forschungsarbeiten im Ägyptischen Museum durchführten. 2017 waren sie ganze 3 Wochen
mit der suche nach Objekten aus der Grabung von Georges Daressy 1888/1889 beschäftigt.
Eine Zusammenfassung seiner Arbeiten erschien aber erst 30 Jahre nach den Funden,
auch waren seine Angaben dazu sehr Spärlich.
Die suche im Keller des Museums stellte sich schwieriger als gedacht heraus. Es ging
ihnen wie vielen Forschern vor ihnen auch schon, dass sie sich erst einmal durch
alte Akten bzw. Verzeichnisse (Journal d’entrée Bücher) durcharbeiten mussten. Es stellt sich,
dann herausstellt das die gesuchten Objekte z.b. eine Bronze Kopf, der mit einer
Sonnenscheibe und einem Menat Kragen verziert war, Perlen und einem Ostracon
verschiedene Nummer im Laufe der Jahre bekommen haben, was die Suche
nochmals erschwerte. Als Fundort wurde damals der Standort noch als „Das Magazin“
von Scheich Abd el Gournah ( El Qurna ) genannt. Einige Stücke wurden innerhalb
des Großen Kellers des Museums mehrmals umgeräumt und wie erwähnt falsch verzeichnet,
einige wurde an andere Museen weiter gegeben, so dass man viele Stücke nicht erforschen
konnte . Das gesuchte Ostracon mit der fünf Zeilen Inschrift und Zeichnungen wurde
schlussendlich dann doch gefunden. Als Verfasser wird ein Khonsu genannt,
um einen Zusammenhang mit dem Prister Khonsu, der unter Ramses II für
die Verehrung Thutmoses III. verantwortlich war herzustellen, war dieser Fund für die Forschungsarbeiten sehr wichtig. Es wurde bis jetzt auch kein anderer Priester
aus der Ramessidenzeit namens Khonsu, aus dem Personal des Tempels gefunden.
So geht man davon aus, dass es sich auf dem im Museum wieder gefundenen Ostracon,
eben um die gleiche Person handelt der auch auf dem Türsturz aus dem Ramessideen Gebäude
im zweiten Hof dargestellt ist. (siehe dazu ausführlicher Bericht 2019 Seite 1)
Mehr zu der Suche im Museum findet ihr hier -
Untersuchung und Interpretation von Votiv- und Alltagsgegenständen
María Franco González Granada, 2019

Bei dieser Recherche bin ich doch auch glatt über einen „alten“ Bekannten
gestolpert. Das Säulenfragemet hat die Inventarnummer 4 in der Umfangreichen
Aufzeichnung des Tempel Project bekommen.

Bild

Vielleicht noch eine Zusammenfassung zum ersten Pylon,
so sah der verweist Pylon 2006 noch aus.
Bei früheren Grabungen wurde dem Pylon nicht viel Beachtung geschenkt,
wo man heute davon ausgeht das eben die freuten Bodenverhältnisse
und die nähe zum Ackerland daran schuld tragen.
Bei H. Ricke wurde der Pylon nur kurz erwähnt, in dem er
die Maße beschrieb. Länge 65m und einer Breite (Dicke) von 9m.

Bild

Und hier Blicken wir auf den eigentlichen Tempel und den Zweiten Pylon.

Bild

zu den ersten Arbeiten die hier 2008 durchgeführt wurden gehörte
auch erst einmal die Freilegung. Bei dieser ersten Reinigungsarbeit wurde der Pylon
erst mal von einer 1,50m hohen Schicht des Unrates befreit.
Es ist kaum zu glauben, dass alleine bei dieser Aktion schon mal
vierzig Lastwagenladungen abgefahren werden mussten.

Bei der Grabung 2012 wurde festgestellt, dass der Innenkern
einen besseren Erhaltungszustand aufwies als die Außenstruktur.
Zum Schutz des ganzen wurden hier mit erheblichem aufwand an „selbstgemachten“
Nilschlammziegeln das ganze geschützt. (siehe Oben)

Bild

Wie hier auf den Bildern von 2019 gut zu sehen ist,
waren die Arbeiten sehr erfolgreich.
Wie auch herausgefunden wurde handle es sich hier um den
ersten „echten“ Pylon vor einem Totentempel.

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Nach dem drei ursprüngliche Ecken des Nordflügels ermittelt waren, konnte
somit auch die Südseite des Pylons bestimmt werden. Die Südseite war wegen
Bebauung und von Erosion sehr zerstört. Jeder der Beiden Seiten wurden mit
einer Länge von 26,75 m und einer Breite von 9 m rekonstruiert.

Bild

Es wurden an der Außenseite auch die Basen der Fahnenmasten gefunden und
bei der Wiederherstellung / Sicherung mit Berücksichtigt.
Bei den arbeiten wurden auch viele Kalksteinfragmente die mit
hochwertigen Reliefs und Inschriften versehen war hier verstreut gefunden

Auch wurden die zwei runden Gruben mit einem Durchmesser von 3,5m entdeckt,
diese wurden 4,5m tief ausgegraben, wo der Grundwasserspiegel erreicht war.
Da man davon ausgeht das sich in ihnen einst Persea Bäume befanden, die
symmetrisch vor dem Eingang positioniert wurden, hat man sich dazu entschlossen
auch hier (wie oben in der Tempelanlage) wieder welche zu pflanzen.
Die Bäume erfüllen hier sowohl eine dekorative als auch eine symbolische Funktion.

Bild

Bild

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2014 habe ich schon mal darüber gelesen und auf Seite 1 auch schon berichtet,
dass versucht wurde das Grabungsgelände zu erweitern.
Dass die Straße die durch den ersten Hof führt nicht verlegt wird,
ahne ich schon lange und habe es auch als sehr ambitioniertes Vorhaben angesehen.
Warum aber die Absicht, die Felder Richtung Kaianlage zu erforschen, verhindert
wird kann ich auch nicht sagen. Einst trug die Kaianlage den großen Namen
"(Mencheperre)| ist der Liebling des Nun", die sie mit dem Nil verband.
Wenn ich mir die Luftbilder und die Google
Bilder dazu ansehe, ist es echt schade das man in die Richtung des Fluchtlandes
nicht weiter arbeiteten kann.

wer weis ?? vielleicht tut sich doch irgendwann etwas in der Richtung,
denn vor 20 Jahren hätte ich auch nie gedacht das ich den Tempel
einmal so zu sehen bekomme.

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Re: Grabung am Totentempel Thutmosis III. in Qurna

Beitragvon Astrodoc » Mi 11 Sep, 2024 08:21

Na, Isis, wann gibt's hier mal wieder eine Ergänzung? 8) :wink: :roll: :lach:
(Schau mal in dein E-Mail-Postfach! :pharao_wink: )
Schöne Grüße!
Astrodoc

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Re: Grabung am Totentempel Thutmosis III. in Qurna

Beitragvon Isis » Do 26 Dez, 2024 10:16

salam

Das spanisch-ägyptische Team unter der Leitung von Myriam Seco entdeckt bei den Ausgrabungen des Tempels der Millionen Jahre von Thutmosis III. eine seltsame Bestattung

https://www.abc.es/cultura/misteriosa-t ... 40-nt.html

wieder mal ein spektakulärer fund auf dem tempelgelände des thutmosis III.
hier wurde der erste fund einer mumie die auf dem bauch, also mit blick nach unten bestattet wurde gemacht.

Bild
https://www.abc.es/cultura/misteriosa-t ... 40-nt.html

bei uns hier in europa kennt man ja solche bestattungen aus dem spät mittelalter,
wo vampire oder eben hexen so bestattet wurden. auch reichte den alten ägyptern es nicht die mumie mit dem gesicht nach unten zu beerdigen, denn sie haben selbst den sarg mit steinen beschwert, so dass es gewährleiste ist dass diese person sich nicht daraus befreien kann. es reichte wohl nicht die mumie zu verbrennen, denn so hätte sie ja nach ihrem glauben auch nicht mehr wiederkehren können, so ganz ohne menschliche hülle.
das zeigt uns das diese frau schon zu lebzeiten wohl sehr gefürchtet war wenn man mit allen mittel verhindern wollte das sie „wieder kommt“.

Der mumifizierte Leichnam der Frau wurde mit zwei Gefäßen zu ihren Füßen, ihren einzigen Grabbeigaben, in einem aus Lehmziegeln errichteten Gewölbegrab beigesetzt. Es wurde in einem der beiden Grabhügel der ältesten Nekropole gefunden, die neben dem Tempelbezirk entdeckt wurde. In diesem 4.000 Jahre alten Friedhof, der sich außerhalb der nördlichen Stadtmauer befindet, wurden einfache Leute bestattet, die während der 11. Dynastie, am Ende der Ersten Zwischenzeit und zu Beginn des Neuen Reiches, in der antiken Stadt Theben lebten. Für Archäologen war die Entdeckung dieses geheimnisvollen Grabes laut Seco eine „große Überraschung“.



ma salama
… isis …

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Re: Grabung am Totentempel Thutmosis III. in Qurna

Beitragvon Isis » Mo 13 Jan, 2025 11:37

2024 stand die 17. Kampagne / Grabungssaison
an, die 10 Wochen andauern sollte.

Dieses Jahr stand auch wieder die Sicherung und
Forschung im Vordergrund.

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Beeindruckende Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten wurde
am Grab Nummer 29 aus dem Mittleren Reich geleistet.

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Die hierbei beschäftigten Architekten und Restauratoren haben es wieder einmal
geschafft, den ursprünglichen Zustand mit neuesten Konservierungsstechniken
und dazu kompatiblen „neue gemachten“ Lehmziegeln wiederherzustellen.
Auch wurde natürlich auf genaue Dokumentation vor, während und nach den
Arbeiten wertgelegt. Sie können für zukünftige Arbeiten bzw. Projekte
noch sehr hilfreich sein.

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Auch wurden drei neue Gräber entdeckt; zwei davon aus dem
ersten Jahrhundert vor Christus. Auf eines davon bin ich
im Post oben von der „Hexenbestattung“ schon näher eingegangen.
Ich hoffe, dass man über diese Bestattung auch noch mehr herausgefunden
hat und vor allem, dass es auch bald publiziert wird.
Sehr sehr spannend …
Bei den anderen beiden Gräbern wird als Fundort nur
„außerhalb der nördlichen Umfassungsmauer“ angegeben.

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In einem der Gräber befand sich noch eine Vielzahl von Fragmenten der
Grabkartonage, die einst aus Leinen- und Papyrusschichten bestand.
Ihre Inschriften liefern wertvolle Einblicke in die Bestattungsriten bzw.
den Stand und vielleicht sogar den Namen der Verstorbenen.
Hier ein kleiner Einblick in die Feldforschung mit Papyrusfragmenten.

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Auch wurde wieder an der „Müllhalde“ des Tempels, die sich ebenfalls
auf der Nordseite befindet, weitergearbeitet.
Die hier gefundenen Knochen geben immer wieder neue Auskünfte, wie sich die Menschen
zur damaligen Zeit ernährten. Neben den Keramikfragmenten und
Ostraka wurden selbst Stücke von Stelen gefunden, die nun
in Zusammenhang gebracht werden müssen.

Archäologie verbindet - kann man so sagen -, denn auch in dieser Kampagne war
wieder ein Internationales Team um Myriam Seco Alvarez versammelt; darunter
Ägyptologen, Archäologen, Architekten, Restauratoren, Archäoanthropologen und Ärzte,
die alle versuchten, neue Erkenntnisse zusammenzutragen.


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Da wir nun schon an der Umfassungsmauer sind,
vielleicht noch etwas zu einem älteren Fund:
Direkt neben dem Haupteingang, auf der Innenseite Richtung Norden,
wurde eine Grube mit einer Lehmziegelstruktur gefunden.
Das Depot reicht bis unter die Mauer, so dass davon ausgegangen wird, dass es
mit der Bauphase in Verbindung steht.

Darüber sind zwei Räume zu erkennen, die über diesen „Rundzugang“
(leider fällt mir da keine andere Bezeichnung dazu ein) betreten wurde.
Was für mich das ganze sehr interessant macht: Da dieser Bau unterhalb des
Fußbodenniveaus des Tempels gefunden wurde, konnte diesen beiden Räumen
bis jetzt keine eindeutige Nutzung zugewiesen werden.

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Und hier noch mal ein Nachtrag zu den Magazinen mit den Tonnengewölben:

Isis 2023 hat geschrieben:Auf dem Plan ist zu lesen, dass sich hier in der zweiten Kammer noch Reste einer
Gewölbedecke befinden. Bei der Rekonstruktion hat man sich wohl dazu
entschieden, die Gewölbedecke nur „anzudeuten“, denn anders macht
es für mich keinen Sinn, dass nur das kleine Stück angefertigt wurde.


Hier sehen wir nun die Reste der originalen Decke bzw. des Gewölbes,
das sich noch vor Ort befindet.

Bild

Bild

Noch einmal etwas zu den Persea-Bäumen:
Wie ich oben schon erwähnte, waren die Bäume auch in der Medizin bekannt
und beliebt. Auf den kulturellen bzw. mythologischen Aspekt bin ich noch nicht
eingegangen. Die Persea`s werden auch mit dem Isched-Baum in Verbindung gebracht,
obwohl es dazu noch keine eindeutigen Beweise gibt. Es wird vermutet, dass im Sonnentempel
von Heliopolis einst ein Persea-Baum stand … und da in einem Totenbuch in Kapitel 17
aus dem Mitlleren Reich ein jSd-Baum als der heliopolitanische Baum erwähnt
wird, liegt der Vermutung zumindest sehr nahe.

Totenbuch Spruch 17 – laut Erik Hornung
„Ich bin jener große Kater, der den Isched-Baum neben sich gespalten hat
in Heliopolis in jener Nacht des Kampfes, der Einsperrung der Rebellen,
an jenem Tag, an dem man die Feinde des Allherren vernichtet.“

Unter Thutmosis I wurde der Isched Baum als „heilig“ beschrieben, aber erst
unter Thutmosis III findet man verschiedene bildliche Darstellungen des Lebensbaums
oder eben des Baums des Lebens. Konkret findet man im kleinen Amun-Tempel
im Barkenschrein des Thutmosis III in Medinet Habu eine Darstellung dazu.
Leider habe ich davon kein Bild, aber im nahegelegenen Ramesseum
hat Ramses II auch eine bildliche Darstellung des Isched-Baumes und
den dazugehörigen Ritus anbringen lassen. Der Hauptgedanke war wohl, wenn der
Königsnamen auf die Blätter geschrieben wurde, erwartete den Herrscher
eine lange und glückliche Regentschaft.

Hier (Ramesseum) schreibt Atum den Namen von Ramses II auf das Blatt,
während der Pharao im oder vor dem Isched-Baum sitzend dargestellt ist;
vor ihm sind die Göttin Seschat und Thot zu sehen.
Auch bei Porter & Moss ist zu lesen „im“ Persea Tree, was zeigt, dass auch
sie den Baum des Lebens mit den Persea`s gleich setzten.

Bild

Bei meinen Recherchen habe ich auch herausgefunden, dass die „immergrünen“
Blätter des Persea-Baumes auch bei Bestattungen eine Rolle spielten, da auch
Mumienkränze gefunden wurden.

Aber zurück zum Millionenjahrhaus von Thutmosis III.
- Men-cheper-Re – um genauer zu sein: südlich der Rampe wurde
eine der Baumgruben bis zu einer Tiefe von 8,4m ausgegraben.
Die Grube hat oben einen Durchmesser von 3,30m, der sich nach unten verjüngt.
So haben die Baumgruben fast die gleichen Abmaße wie die am
ersten Pylon (siehe oben 2023), nur mit dem Unterschied, dass diese hier oben, also
weiter weg vom Fruchtland und dem Grundwasserspiegel, gelegen sind
und tiefer waren, weshalb sie besser erhalten geblieben sind.
Beim Ausschachten wurden auch Reste von Baumwurzeln und Blättern gefunden,
eindeutige Spuren, dass Thutmosis III. hier einstmals Bäume pflanzen ließ.

Bild

Hier stehen wir (wie auf Seite eins schon einmal erwähnt)
vor dem Südeingang, der laut Ricke erst in die dritte Bauphase
zu datieren ist, als der Tempel um ein Heiligtum für die Göttin Hathor
erweitert wurde. Die leider stark zerstörte Rampe bestand aus Sand- und
unverzierten Kalksteinblöcken mit einem Kern aus Lehmziegeln.

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Bei den Grabungen wurde auch am südlichen Ende, am vermutlichen
Hathor-Heiligtum, gearbeitet. Ricke gab 1939 schon an, dass sich hier einst
drei Kapellen befunden haben müssten. Heute sind nur noch die Bodenplatten erhalten,
auf denen noch die Negative der Mauern zu sehen sind. Er ging auch davon aus,
dass man die Kapellen über einen Portikus, der aus Säulen mit Hathor-Kapitellen
bestand, und einen sich anschließenden, langen Korridor erreichte.
Da die Funde aber zu gering sind, konnte diese Vermutung (noch)
nicht bestätigt werden. Auch erschwerte die Arbeit die Tatsache, dass Ricke
im Tempel ein Magazin errichten ließ, in dem er die Fundstücke seiner
Grabung aufbewahrte. Diese Lagerstätte wurde bei den Grabungen 2008 - sagen wir mal -
wieder entdeckt; aber leider konnten nun Kalksteinblöcke mit Ikonographien und
Inschriften nicht mehr ihrem genauen Fundort zugewiesen werden.

Bild

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Hier auch mal eine Gegenüberstellung des Grabungsplans 2019
vom Thutmosis Projekt und wie ihn Ricke sich 1939 vorstellte.

Bild

Er hat auch Parallelen zum Bau von Djeser Djeseru in Deir el-Bahari, dem
Totentempel von Hatschepsut, gezogen, der ebenfalls südlich eine Hathor-Kapelle
besitzt. Auch stützt er seine Vermutung auf den Fund im Grab des
Priesters Re / Ray / Ra ( TT72 ), denn dort ist zu lesen, dass er den Rang
des „Ersten Gottesdieners/Hohepriesters der Hathor,
innerhalb von Henket-ankh“ (ḥm-nṯr tpj n Ḥwt-Ḥr ḥrt-ỉb Ḥnkt-ʿnḫ) innehatte.


Auch wurde der Tempel in der Roten Kapelle der Hatschepsut (Chapelle Rouge)
im Karnak-Tempel erwähnt, wie hier zu lesen ist:
Ḥwt Mn-ḫpr-Rʿ Ḥnkt-ʿnḫ – der Tempel Heneket Anch des Mencheperre

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In den 1930ern hatte Ricke den Südteil noch im besseren Erhaltungszustand vorgefunden.
Hier kann man die Rampe und die Strukturen der Hathor-Kapelle noch
besser erkennen (Bild 1). Im zweiten Hof hatte er im Bereich des Portikus ein
Hathor-Kapitell gefunden (Bild 2). Er fand auch Reste von Fayence-Plättchen, weshalb
er annahm, dass sich hier auch ein Schrein oder ein Naos befunden haben könnten,
die mit den Platten verziert waren.

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Der Lehmziegelbau hier neben der Rampe wird von Ricke in die Ramessidenzeit datiert.
Er sieht auch einen Zusammenhang mit Verwaltungsgebäuden, da von hier aus
auch eine Treppe zu dem anderen Verwaltungsbezirk führte. (Bild 2)
Dazu aber in einem späteren Bericht mehr.

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Auch ist wieder zu lesen, dass einiges an Sicherungsarbeiten oberhalb
der Süd- und Westumfassungsmauer für zukünftige Besichtigungen
fertig gestellt worden ist. Weiterhin wird wohl an Wegen und auch schon an
Informationstafeln, die später entlang einer Route aufgestellt werden sollen, gearbeitet.

Ich für mein Teil kann es gar nicht mehr abwarten,
bis man die Tempelanlage besichtigen kann.

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Re: Grabung am Totentempel Thutmosis III. in Qurna

Beitragvon Isis » Do 09 Apr, 2026 18:07

Im Oktober 2025 stand die
18. Kampagne / Grabungssaison an.


Vorweg gesagt:
Myriam Seco Alvarez (Universität Sevilla) hat am 20.01.2026
einen Vortrag gehalten.
Ägypten: Die ewige Entdeckung
Die Entdeckung des Totentempels von Thutmosis III.

Aus diesem Vortrag habe ich hier im Bericht zum besseren Verständnis
auch einige Bilder verwendet.
Wer den ganzen Vortag sehen möchte – https://www.youtube.com/watch?v=yCjEBaUfo6g
Leider ist auch dieser Vortrag nur in Spanisch, und da ich dieser Sprache nicht
mächtig bin, blieb mir nur, die aussagekräftigen Bilder zu genießen.


Begonnen bzw. wieder aufgenommen wurden die Arbeiten in den Abschnitten
im Westen und Norden außerhalb der Umfassungsmauer,
sowie die Ausgrabungen in den Tempelwerkstätten und Lagerräumen.
Durch das Erforschen von Strukturen und Materialien will man
die wirtschaftlichen und logistischen Abläufe des Tempels verstehen.


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An der „Müllhalde“ oder eben Abfallhalde nördlich des Tempels wurde auch
wieder weiter gearbeitet. Wenn ich mir die Bilder aus dem Vortrag dazu ansehe,
ist das ganze wohl „unerschöpflich“ … was da an Keramik noch zu bearbeiten ist.

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Hier haben wir z.B. verschiedene Brotbackformen, die hier im Tempel
benutzt wurden, und auch Krüge aller Art, unter anderem Krüge für Bier.

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Im Vortrag, wurde auch auf ein Grab des Gräberfeldes außerhalb der Umfassungsmauer
näher eingegangen. Die ganze nördliche Nekropole wird in die XI. Dynastie eingeordnet;
hier wurden vorwiegend Leute des „einfachen“ Volkes bestattet, was
den Vorteil hatte, dass diese Gräber für Grabräuber nicht so interessant waren
und somit einige noch verschlossen vorgefunden wurden.

Bild

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Diese Grablege ist ein Beispiel für ein intaktes Grab aus dieser Zeit.
Der Holzsarkophag der Frau ist leider zerfallen, aber es wurden zahlreiche
kleine Artefakte gefunden. Auch wurde ihr Kopf zu Seite gelegt,
damit sie sogar noch in ihren Spiegel „schauen“ konnte.

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Noch einmal ein Nachtrag zum Grab 29 aus dem Mittleren Reich
(siehe zur genauen Lage oben im Bericht von 2024):
In ihrem Vortrag ist Frau Seco Alvarez auch auf dieses Grab
kurz eingegangen. Eine detaillierte Veröffentlichung habe ich leider
immer noch nicht gefunden. (Wer eine findet, kann mich gerne informieren.)
Hier blicken wir dieses Mal von der Umfassungsmauer aus, also von
oben auf die Rekonstruktion.

Bild

Der Vorhof wurde bis zum Felsuntergrund freigelegt.

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Der Grabüberbau der rekonstruiert werden konnte, besteht aus einer
Fassade, die gefolgt wird von einer Querhalle, von der aus man in einen
20m langen Gang kommt. Der Grabkorridor und das Gewölbe
des Grabes liegen unter der Umfassungsmauer des Tempels.
Am Ende des Ganges befindet sich ein Grabschacht, der 8m in die Tiefe führt,
um dann wiederum zu den zwei geplünderten Grabkammern zu führen.
Dass das Grab geplündert wurde, war nicht verwunderlich, da es sich hier um ein
Grab aus der ägyptischen Oberschicht handelt.

Sehr beeindruckend war auch die 3D Rekonstruktion.

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Bild

Bild

Es wurde auch über das Grab mit der Nummer 22
gesprochen, und ein paar neue Eindrücke dazu habe ich hier einmal
zusammengestellt, mit einigen neuen Infos aus dem Inneren des Grabes.

Der obere Aufbau des Grabes war schon beeindruckend und ist
wieder gut rekonstruiert, so dass man ein gutes Bild bekommen kann.
Auch sieht man hier - wie bei Grab 29 -, dass die Tempelmauer über
das Grab erbaut wurde, was mich zur Frage führt: War die Grabanlage
so zerstört, dass man sie nicht mehr beachtetete oder war
es dem Architekten einfach egal?

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Bild

In der Mitte der Grabanlage wurde ein Grabschacht entdeckt.
Dieser führte hinab zu vier Grabkammern. Was die Ausgräber dort entdeckten,
war aber so nicht zu erwarten: Die Kammern entpuppten sich als Mumiendepot,
da sie voller Mumien waren. Es wurden 124 Fragmente von Mumien geborgen.
Warum nur noch verstreute Fragmente der Mumien gefunden wurden,
wurde leider nicht angesprochen, sondern lediglich, dass Teile fehlten und einige
Teile sogar Brandspuren aufwiesen. Nach diesem Fund wurde auch die Universität Zürich
mit ins Team geholt. Es kamen Ärzte sowie Anthropologen dazu, die unter anderem
bei der Vielzahl der Funde mit Röntgengeräten arbeiteten.

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Es sind viele Klein-, bzw. Kleinstteile zum Vorschein gekommen.
Wie diese Teile, die einstmals als Netz verbunden waren und den Verstorbenen bedeckten.
(Das Bild mit dem rekonstruierten Netz stammt aus dem Ägyptischen Museum Kairo)
Auch Uschebtis und geflügelte Skarabäen bzw. Isis als Schutzgöttin
wurden aufgefunden.

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Bild

Noch einmal zurück ins Innere der Tempelanlage, zu einem der Gräber, die
am Anfang gefunden wurden: Grab III.
Wie schon in einem meiner anderen Berichte angesprochen, wurde der Tempel
auf einer Nekropole des Mittleren Reiches erbaut. Und somit ist es nicht verwunderlich,
dass eben direkt unter der Anlage noch viele andere Gräber aus der Zeit zum Vorschein
kamen. Das Grab III wurde südlich der Rampe entdeckt.
Das Grab umfasst einen abfallenden, in Ost-West-Richtung verlaufenden Gang mit einer
in den weichen Fels gehauenen Nische sowie einen vertikalen Schacht und eine Grabkammer.

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Bild

Die meisten anderen Gräber aus der Zeit, die hier gefunden wurden, waren leer
aufgefunden. Grab Nummer III hingegen wurde versiegelt vorgefunden.
Im Inneren dieses Grabes befanden sich die Skelette von vier Familienmitgliedern.
Es stellte sich heraus, dass das Grab, das ursprünglich aus dem Mittleren Reich stammte,
in der 17. Dynastie wiederverwendet wurde.

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Auch wurde dieses Jahr das Vorhaben des - nennen wir es mal - „Freilichtmuseums“
weiter vorangetrieben. Es wurden Podeste aufgebaut, auf denen später eine Auswahl
an Steinfragmenten ausgestellt werden soll. Im Tempel wurden allein 16.000 Fragmente
gefunden. Da leider nicht alle einen extra Platz auf den Podesten finden können, wird
eine Auswahl an repräsentativsten Blöcken stattfinden, was sicher
nicht ganz so einfach werden wird bei der Masse.

Bild

Bild

Für nächstes Jahr ist geplant, darüber eine Dachkonstruktion zu errichten.
Wie das Ganze dann umgesetzt wird, muss wohl noch mit dem
Antikenministerium abgesprochen bzw. noch genehmigt werden.

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Des Weiteren wurde auch über die zukünftige Besichtigungsstrategie für Besucher
berichtet. Es soll wohl zwei Zugänge zum Tempelgelände geben.
Hier erst einmal ein Bild, wie man sich das ganze vorstellt:

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Der zweite Zugang soll sich seitlich der Tempelanlage befinden.
Auch hierzu wurde eine Zeichnung zum besseren Verständnis gezeigt.
Wie ihr sehen könnt, wird der Rundgang uns dann über die
Brüstungs- bzw. Umfassungsmauer entlang führen. (Roter Bereich auf der Karte)

Bild

Der Seiteneingang (Bild rechts) führt dann auf die Aussichtsplattform.
Von da aus kommt man anschließend über die Treppe auf die
Südmauer, die Westmauer und die nördliche Umfassungsmauer. (Bild links)

Bild

Für das Ziel „Touristen ein sicheres Erlebnis zu ermöglichen und
gleichzeitig die antiken Bauwerke zu schützen“
wurden die originalen Mauerreste aufwändig mit „neuen“ Ziegeln
(siehe Bericht oben) aufgefüllt, damit sie auch ja nicht in Mitleidenschaft vom
zukünftigen Fußgängerverkehr gezogen werden könnten.
Als nächster Schritt wurde eine Brüstung und ein Zaun/
Sicherheitsgeländer aus Stahl zur Absicherung errichtet.

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Dem nicht genug: So wurde als Abschluss auf den nun neu entstandenen
Besucherweg erst ein 7cm dicker Kalkestrich aufgetragen, auf den dann nochmals
2x2m dicke Bodenplatten verlegt wurden.

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Soooo sieht das Ganze nun aus …
und ist eigentlich schon für die Besucher bereit:

Bild

Vielleicht noch ein Zitat von Myriam Seco Alvarez:
„Wir gehen in die letzten Wochen der Kampagne mit der Hoffnung,
dass uns jeder gelegte Stein und jedes restaurierte Stück dem Traum näherbringt,
die Tore des Tempels von Thutmosis III. der Welt zu öffnen“.

Und hier noch einige Videos aus der 18. Kampanie

https://www.facebook.com/watch/?v=837537329072058

https://www.facebook.com/reel/1584943256013981

https://www.facebook.com/reel/1876078419640345

Nun noch einen herzlichen Dank an Myriam Seco Alvarez,
dass es dieses Jahr geklappt hat, dass wir uns real
treffen konnten, und dass sie Zeit dafür gefunden hat, nachdem
wir schon lange in Kontakt stehen.

Bild

Und natürlich auch einen lieben dank an Astrodoc für seine ständigen Bemühungen,
aktuellstes Fotomaterial zu Land und zu Luft heranzuschaffen, damit ich
euch hier auch auf dem Laufenden halten kann.


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Re: Grabung am Totentempel Thutmosis III. in Qurna

Beitragvon Astrodoc » Do 09 Apr, 2026 18:46

Sehr gerne! :liebe:
Schöne Grüße!
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Re: Grabung am Totentempel Thutmosis III. in Qurna

Beitragvon Isis » Do 16 Apr, 2026 19:38

Nachtrag zum Hexengrab

Am Donnerstag, dem 26. Dez. 2024 (siehe oben), habe ich euch schon
einmal etwas zum Fund geschrieben.
viewtopic.php?f=27&t=38002&p=164802&hilit=Grabung#p164750

und ebenfalls am Montag, dem 13. Jan. 2025, …
da zitiere ich mich mal selbst:

Isis hat geschrieben:Auch wurden drei neue Gräber entdeckt; zwei davon aus dem
ersten Jahrhundert vor Christus.
Auf eines davon bin ich im Post oben schon näher eingegangen.
Ich hoffe, dass man über diese „Hexenbestattung“ auch noch mehr herausgefunden
hat und vor allem, dass es auch bald publiziert wird.
Sehr sehr spannend …


Nun bin ich dank Myriam Seco Alvarez an eine Veröffentlichung
gekommen, auf die ich mich hier dann auch im Bericht beziehe.

Seco Álvarez, M., Martínez Babón, J. y Peña Romo, V. (2025):
“Un enterramiento femenino en decúbito prono del Primer Período Intermedio
hallado en el yacimiento del templo funerario de Tutmosis III en Luxor”.
Cuadernos de Prehistoria y Arqueología de la
Universidad Autónoma de Madrid, 51(1): 141-155.

Das Grab wurde nördlich der Außenmauer bei einem Grabhügel gefunden.
Dieses Grab und viele der dort gefundenen Gräber werden auf die
die Erste Zwischenzeit und den Beginn des
Mittleren Reiches (2216 bis 2025 v. Chr.) datiert.

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Die meisten der hier gefunden Gräber waren einfache, in den Fels gehauene,
rechteckige Schächte (Schachtgräber). Daher geht man davon aus, dass hier
die Mittelschicht bzw. Menschen mit niedriger
sozialer Stellung aus dem einfachen Volk der Thebaner bestattet wurden.

Das war wohl auch ein Vorteil für die Verstorbenen, denn man hat sogar einige
noch verschlossene Gräber vorgefunden, da sich die Grabräuber wohl dachten,
dass da nichts zu holen sei. Ein weiterer Vorteil war, dass zu Zeiten Thutmosis‘ III.
und dem Tempelbau hier eine Abfallgrube entstanden war, so dass die Gräber unter
Keramikabfällen, die durch die Aktivitäten des Tempels entstanden, verschwunden waren …
bis sie schlussendlich 2014 bei der siebten Ausgrabungskampagne wiederentdeckt wurden.

Einige Gräber hatten eindeutig Schäden durch ein großes Erdbeben genommen,
das hier wütete. Was auch den Tempel selbst betraf, denn dort verursachte
das Beben ebenfalls den Einsturz einer Mauer.

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Bild

Das Grab, um das es hier geht, befindet sich auf der Westseite des Hügels und wird
mit der Nummer B2 angegeben. Im vierten Jahr, das hier in diesem Gebiet gearbeitet
wurde, also in der Grabungssaison 2018, wurde das Grab entdeckt.
Als der Sandhügel abgetragen war, fand man Steine und diese Ziegelsteinumrandung.

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Ich greife schon mal die 3D Darstellung vorab auf, damit
der Aufbau des Grabes besser ersichtlich ist.

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Auch fand man Reste eines viereckigen Lehmgewölbes,
dass sich über einer rechteckig in den Fels gearbeiteten Grube befand.
Diese Art bzw. Typologie des Grabaufbaus von Gewölben mit nach oben
geneigten Lehmziegeln ist schon länger bekannt und wurde auch schon
von Spencer, A. J. (1979) im Buch “Brick Architecture in Ancient
Egypt.”, Aris & Phillips, Warminster, dokumentiert.

Dieser Auf- bzw. Überbau maß 2,20m x 1m und wurde aus
Ziegeln mit einer Größe von 32cm x 14cm x 6cm, die im
Fischgrätenmuster verlegt wurden, aufgebaut.

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Was sie dann aber fanden, überraschte doch alle sehr.
Eine weibliche Leiche wurde in außergewöhnlicher Körperhaltung in
Bauchlage und dem Gesicht nach unten bestattet.

Erste Untersuchungen der Leiche ergaben, dass es sich hier um eine sehr schlanke
Frau, die zwischen 35 und 50 Jahren alt sein sollte und ca. 1,53m groß war, handelte.
Der eigentliche Holzsarg, der 1,79m lang und 0,52m breit war,
wurde stark verwittert vorgefunden, da er unter der Last des eingestürzten
Gewölbes eingesunken war. Man geht davon aus, dass das Gewölbe durch
das oben angesprochene Erdbeben eingestürzt ist, da sich ein großer
Riss durch die ganze Grube zieht.
Auf dem Deckel des Sarges wurden auch Kalksteinblöcke im
Bereich der Füße und des Rückens, wie eine Art der Sicherung, platziert.

Der Leichnam der Frau wurde auch nicht mit Binden, also nicht professionell
einbalsamiert, vorgefunden; sie ist wohl eher auf natürliche Weise durch Austrocknung
mumifiziert worden. Ein Großteil der Gliedmaßen wies nur noch Sehnen und Hautreste auf.
Auch der Schädel ist vollständig skelettiert, im Inneren wurden noch kleine Mengen
des Gehirns gefunden, was auch ein Indiz für eine natürliche Austrocknung ist.

Unter der Leiche wurde ein Tuch gefunden, welches man
als Leichentuch interpretieren könnte; aber es wird davon ausgegangen, dass es
sich hier eher um ein Transport-Tragetuch für den Leichnam handelte, da die Frau
nicht mit dem Tuch bedeckt wurde, sondern es sich nur unter ihr befand.
Was auch gegen die Theorie des Leichentuches spricht, ist die Haltung der Beine,
die vollständig gespreizt daliegen, denn bei einem Leichentuch wären sie
geschlossen worden, damit man das Tuch darum wickeln konnte.

Womit wir nun schon bei der nächsten „Merkwürdigkeit“ der Bestattung sind!

Da sie mit dem Gesicht nach unten bestattet wurde, ist festgestellt worden, dass
hier nicht die erste Bestattung war. Da das Gesicht direkt auf dem Boden aufliegt,
und keinerlei Drehung der Wirbelsäule zu erkennen ist, wäre das bei der natürlichen
Trocknung ohne jegliches Stützen des Kopfes nicht möglich gewesen.
Stützen wurden hier aber nicht gefunden.
Der Körper befand sich somit nicht in seiner ursprünglichen
Position, sondern war von einem anderen Ort dorthin verbracht worden,
da der Hals durch die Austrocknung der Sehnen und der ihn bedeckenden
Haut bereits versteift war. Beim Umdrehen des Körpers stellte man fest, dass
die Haut drei etwa 5 Zentimeter große Fragmente enthielt, die postmortal abgebrochen
waren und zu drei Rippen gehörten, die dem plötzlichen Druck nachgegeben hatten.
Auch Schäden durch das Eigengewichte des Körpers schließen diesen Ort
als Ort der Erstbestattung aus.
Es wurde nicht weit entfernt ein ähnliches Grab gefunden, das einen Holzsarg
ähnlicher Größe enthielt, der schon vorsichtig geöffnet vorgefunden wurde und
keinerlei Knochenreste enthielt. Da dies sehr außergewöhnlich für eine
Plünderung wäre, so wurde die These gefasst:
Dieses leere Grab stellt vielleicht den Erstbestattungsort dar.

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Durch die wissenschaftliche Kooperationsarbeit mit dem Institut für Evolutionsmedizin
der Universität Zürich, wurden weitere interessante Details bekannt.
Die außergewöhnlich bestattete Frau hatte eigentlich keine „markanten“
Abnormitäten, wie wir es uns heute von einer Hexe vorstellen. Das einzige
degenerative Merkmal war wohl ein „Überbiss“, was dafür verantwortlich ist, dass
der Oberkiefer weiter nach vorne stand, was auch als
leichter Prognathismus diagnostiziert wurde. Die beginnende Arthrose
hatte ebenfalls keine Auswirkungen auf ihre Körperhaltung.

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Diese „untypischen“ Bestattungspraktiken des pharaonischen Ägypten
könnten nach antiken Vorstellungen die Furcht vor bestimmten
Verstorbenen symbolisieren, was sich bis in die Moderne erhalten hat.
Wir alle kennen ja die Hexen- oder Vampirgeschichten. Da ich
nun zu diesem Bericht aber einmal näher recherchiert habe, war ich selbst
erstaunt, was man dazu doch alles findet.

So wurde z.b. in Deir el Medina ein Ostrakon aus dem Neuen Reich
(ca. 1292–1077 v. Chr.) gefunden, auf dem zu lesen ist, dass ein Hohepriester vom
Geist eines Verstorbenen „verfolgt“ wurde.
Der Geist beklagt sich darüber, vergessen worden zu sein, dass ihm
keine Grabbeigaben zuteilwurden und dass sein Grab in Trümmern liege.
Der Priester beschließt, dem Geist zu helfen, um wieder Frieden zu finden.

Heute im Museum Museo Egizio in Turin zu sehen.

Bild
https://commons.wikimedia.org/wiki/File ... _Turin.JPG

Viele Bannsprüche auf Papyrus gegen alles Ungemach und übernatürliche Gefahren
sind ja bekannt. Auf dem Papyrus Chester Beatty VIII aus der 19. Dynastie,
der 1928 auch in Deir el Medina gefunden, wurde ist zu lesen:
„Ich werde ihm die Seele herausreißen und seinen Leichnam vernichten,
und ich werde jedes Grab verbrennen, das ihm gehört“ (Koenig, 1979: 109).
Dieser Papyrus gehörte wohl zu einem Familienarchiv,
denn Chester Beatty`s Fund der medizinischen Papyri (19 Stück)
umfasste die Papyri V bis VIII sowie XV und XVIII.
Verfasst wurden sie von einem Schreiber namens Kenherchepeschef, der sie
seiner Frau Naunachte vermachte und diese ihren Kindern usw. Die Sammlung war
wohl über Jahrhunderte im Familienbesitz, bis sie eben in der Grabkapelle
in Deir el Medina gefunden wurden.

Hier findet ihr ein Bild vom - Object: P.Chester Beatty 8 -
aus Copyrightgründen kann ich das Bild leider nicht anzeigen lassen.
https://www.britishmuseum.org/collectio ... _EA10688-3

Auch habe ich bei sae.saw-leipzig.de eine
Beschwörung gegen Wiedergänger entdeckt.

Zitat: mit den vier Edeldamen, deren Fackeln [in ihren Mündern sind,
deren Feuergluten hin] (ter) ihnen sind, [um zu] Fall [zu bringen] jeden Wiedergänger,
(jede) Wiedergängerin, (jeden) [Widersacher] (und jede) Widersacherin.

Auch soll es auf dem Papyrus von den „Lehre des Any ( Ani )“
eine Warnung geben, die darauf hinweist, dass der 7. Mesore ein Unglückstag
sei, da die Toten an diesem Tag durch die Friedhöfe wandelten und jeder,
der sich ihnen näherte, schwere Konsequenzen erleiden würde (Posener, 1981)
(Mesore ist der vierte Monat der Sommerjahreszeit)
Das erinnert doch sehr stark an unseren heutigen keltischen „Glauben“ an die
Walpurgisnacht (Beltane) am 30.4. oder Halloween (Samhain) am 31.10.

Bild

Man ging ja davon aus, dass die Seele (Ba und Ka) den Verstorbenen über den Mund
verließ. Um zu verhindern, dass bestimmte Personen, von denen man
glaubte, dass von ihnen Gefahren ausgehe, als Wiedergänger zurückkehren
könnten, wurden in solchen „anomalen Bestattungen“ beigesetzt.
Es wurden verschiedene Bestattungsweisen gefunden, z.B. verstümmelt,
mit Nägeln in bestimmten Körperteilen, mit Steinen, die sie fixierten,
oder indem man den Leichnam mit dem Gesicht nach unten bestattete, wie hier.

Nach antiken, griechisch-römischen Vorstellungen wurden diejenigen, die eines
gewaltsamen Todes gestorben waren, als „Biaiothanatoi“ bezeichnet,
was so viel wie „ruhelose Tote“ bedeutet. Sie konnten als böse Geister
zurückkehren, die darauf aus waren, den Lebenden zu schaden (Tsaliki, 2008: 3–4).

Es tauchen auch Geschichten von Wiedergängern / Untoten
bei historischen Quellen aus dem 5. Jahrhundert v. Chr.
und dem 4. Jahrhundert n. Chr. auf, wie z.B. bei dem Historiker Herodot,
dem Naturforscher Plinius dem Älteren und dem römischen Schriftsteller Apuleius.

In Zypern, um genauer gesagt in Khirokitia / Choirokoitia, wurden
wohl die ältesten in Bauchlage bestatteten Leichen gefunden.
Sie werden auf die Zeit zwischen 4500 und 3900/3800 v. Chr. datiert.

Es wurden auch in Europa zu Zeiten der Römer Gräber
mit ungewöhnlichen Bestattungen in Bauchlage gefunden, wie z.B. in
Spanien, Italien und England. Was hier auffällig war, waren die Todesarten,
die man feststellte, wie: gewaltsamer Tod, Selbstmord, Unfall oder Krankheit und
körperliche Missbildungen. Nur wurden diese Personen zu dieser Zeit
meist in den Ecken von Friedhöfen, also abseits der anderen Toten, und mit
wenigen Grabbeigaben bestattet.
Was mich wieder zurückbringt, denn auch hier waren nur wenige Grabbeigaben
gefunden worden.

An der Südseite der Grabgrube am Fuße des Sarges, wurden als einzige Grabbeigaben
diese zwei Keramikgefäße mit ihren zugehörigen Tonstopfen gefunden.
Die ovalen Gefäße aus Nilton sind zwischen 25 und 26 Zentimeter hoch und haben einen
maximalen Durchmesser von 15,8 Zentimetern, der Rand misst
zwischen 9 und 9,5 Zentimetern. Sie enthielten noch organischen Überreste,
die jedoch noch nicht identifiziert wurden. Die Gefäße wurden von den
Keramikspezialisten des Teams Mohamed Naguib und Mahmoud Shafai
untersucht und auf den Beginn der Ersten Zwischenzeit datiert.
Auch wurde ein Fragment einer Brotform gefunden, was die Frage
aufwirf: Wo ist der Rest der Form??

Bild


Man sieht also, es könnten viele Faktoren Einfluss nehmen, warum
es sich hier eben um eine so „außergewöhnliche“ Bestattung
handelt wie: gesundheitliche, rituelle oder auch soziale Faktoren
oder eben einfach nur der Aberglaube.

Was hier nun genau vorlag und warum die Lebenden so eine Angst vor dieser
Frau hatten, damit sie verhinderten, dass sie physisch oder spirituell nach ihrem Tod
wiederkehrte, um Schaden anzurichten, ist leider auch abschließend nicht klar.

ma salama
... isis ...

Nachtrag:
Ich bin auch noch auf weitere außergewöhnliche Bestattungen in
Ägypten gestoßen. In Amarna wurde ein Mann zwischen 20 und 35 Jahren
gefunden, wobei sich da die Fachleute noch nicht sicher sind, ob er zufällig
in diese Position gelangte. (Dolling, 2007: Nr. 23, 35 und 36).

Auch wurde in Sakkara eine Frau zwischen 40 und 44 Jahren aus
der Spätzeit gefunden. Auch ihr rechter Arm war unter ihrem Bauch und der
linke Arm an der Seite ausgestreckt vorgefunden. (Vymazalova et al., 2021: 119–120).