Wüstenwandern in der Oase Dakhla
Wüstenwandern in der Oase Dakhla
Heilort Wüste
von Faustus
Von jeher übte die Wüste einen ganz besonderen Reiz auf suchende Menschen aus – denken wir nur an Johannes den Täufer, Jesus oder in neueren Zeiten Antoine de Saint Éxyperie. Und heute, wo Esoterik und Spiritualität auf Suchende einen besonderen Reiz ausübt und sich die Touristik-Industrie auch dieses Bereichs annimmt, gibt es immer mehr Angebote von Wüstenreisen jeder Art.
Auch ich spürte mein ganzes Leben lang eine tiefe innere Sehnsucht nach der Wüste. Eines jedoch war mir immer klar: wenn ich in die Wüste gehe, dann nicht mit einer organisierten Gruppe von Pauschalreisenden. Aber alleine – das traute ich mich auch nicht.
So musste ich über 70 Jahre alt werden, bis ich FriedEL traf, die nicht nur eine geistige Einstellung hat zur Welt und dem, was sie zusammenhält, die meiner sehr nahe kommt; nein, FriedEL hat auch ein wunderbares Tanz- und Meditationshaus in der Wüstenoase Dakhla, wohin sie Reisen mit kleinen Gruppen von Interessierten anbietet. Als ich davon erfuhr, war mir sofort klar: das ist meine Chance! Dort will ich hin!
Und so reiste ich zum ersten Mal über Weihnachten und Sylvester 2007/08 nach Bir Gabal, nahe dem Ort El Qasr in der ägyptischen Wüste, in das kleine Wüstenhotel von Hatem, neben dem FriedEL´s „Hathor-Chalet“ liegt. Die Reisegruppe bestand aus nur 7 Personen; meine Ilse begleitete mich. Behutsam wurden wir von FriedEL in die völlig andersartige Welt der Wüstenoase eingeführt. Gemeinsame kleinere und größere Wanderungen in die umgebende Wüste ließen uns staunen über diese geheimnisvolle, faszinierende, unglaublich vielfältige Welt. Nach einigen Tagen wagte ich erste Alleingänge – die Orientie-rung ist dort relativ einfach und ungefährlich. Die Zeit verging wie im Flug und ich begriff: Ich muss die Wüste noch besser kennenlernen! Sie birgt etwas, das mich tief im Innersten anspricht und berührt, etwas, das ich im Alleingehen am besten erleben und spüren kann.
Zurück von der ersten Wüstenreise ließ mich dann dieser Gedanke nicht mehr los und ich suchte zielstrebig nach einer Möglichkeit zur Verwirklichung. Und wieder war es FriedEL, die mir zur zweiten Begegnung mit der Wüste verhalf. Ilse und ich durften im November 2008 erneut für zwei Wochen nach Bir Ga-bal – diesmal ohne Gruppe, und auch ohne vorgegebenes Programm. Jetzt hatte ich alle die Möglichkeiten, nach denen ich mich so gesehnt hatte. Zum Eingewöhnen an das Klima und zum Training für größere Touren machten wir in den ersten Tagen zunächst kleinere und dann immer größere Spaziergänge und Wanderungen, bis ich mich dann schließlich fit genug fühlte für die große Alleinwanderung hinauf auf das ca. 400 m höher gelegene Wüstenplateau.
Was ich bei dieser Wanderung und den danach noch folgenden weiteren Wüstengängen erlebte, will ich im Folgenden ein wenig beschreiben; nicht als chronologischen Bericht, sondern als den Versuch, die Wüste so zu beschreiben, wie sie auf mich gewirkt und was sie in mir bewirkt hat.
Für mich unerfahrenen Wüstenbesucher war dort in der Umgebung der Oase Dakhla die unglaubliche Vielfalt und Abwechslung an Formen, Farben und Landschaften am überraschendsten. Es gibt Sand-, Stein- und Lehmwüste; es gibt weite Ebenen und steile Berge; es gibt Kalkstein, Sandstein, Basalt und viele andere Gesteinsarten. Alles ist leicht fußläufig zu erreichen, und beim Wandern verändern sich die Landschaft und die optischen Eindrücke auf kürzesten Distanzen total. So ist wohl für jeden Menschen, der mit offenen Sinnen dort geht, die erste und auch die bleibende Reaktion das ehrfürchtige Staunen.
Bei mir stellte sich unverzüglich eine Hochstimmung ein. Ähnliche Gefühle, wenn auch wesentlich schwächer, kannte ich bisher nur beim Betrachten wunderbarer Kunstwerke in Museen oder beim Hören von bestimmter Musik. Dieses Glücksgefühl in der Wüste hat mich von Anfang bis zum Ende stets begleitet, und es dürfte wohl auch dafür verantwortlich sein, dass ich niemals auch nur eine Spur von Angst , Einsamkeit , Unsicherheit oder Verlassenheit empfand.
Doch es ist viel mehr, was der so weitgehend fremdbestimmte Mitteleuropäer dort völlig neu erfahren darf: Es gibt eine Weite, eine Freiheit, eine scheinbare Unendlichkeit des Raums und der Zeit, wie wir sie hier nie haben dürfen. Nirgends stehen dort Schilder mit Aufschriften wie „Betreten verboten“ oder „Kein Eingang. Privatbesitz“, „Bitte die Dünen nicht betreten“ oder „Bitte auf den Wegen bleiben“. Und: jeden Tag scheint die Sonne, immer ist schönes Wetter!
In der Wüstenebene, in der die Oase Dakhla, der Ort El Qasr sowie Bir Gabal mit dem Hotel und dem Chalet liegen, ist entlang der Straßen und der grünen Ackerflächen immer wieder Leben anzutreffen. Auf den Feldern und in den Gärten arbeiten Menschen, auf Wüstenpfaden zwischen dem Ort und den Fel-dern kann man Bauern auf Eseln reitend oder kleinen Eselskarren sitzend treffen. Fernab der kleinen Ortschaften findet man allerdings leider hin und wieder auch Reifenspuren von Geländewagen im Sand. Dennoch: nach nur wenigen Minuten Fußmarschs in die Wüste hinein wird es absolut still und einsam, und obwohl ich ganz selten Fußspuren von Menschen gesehen habe – tatsächlich begegnet bin nie jemandem. Wenn man Glück hat, kann man einen aufgescheuchten Wüstenfuchs beobachten; putzige kleine Käfer krabbeln häufig eifrig über den Sand und hinterlassen feine Spuren. Andere Spuren stammen von Schlangen oder Geckos, die jedoch nur selten zu sehen sind.
So traumhaft schön es da auch war – mich lockte von Anfang an die Besteigung des Bergabbruchs, der die Wüste hier „unten“ optisch und tatsächlich nach Norden begrenzt. Der recht anstrengende und teilweise nicht ungefährliche Aufstieg lohnt sich! Von unten nicht sichtbar erstreckt sich dort auf dem Pla-teau eine neue endlose Wüste, die durch nichts begrenzt zu sein scheint. Während unten stets die Bergkette als Orientierung (aber für mich auch als „Limitierung“) im Blickfeld steht, fand ich „oben“ das, was ich wirklich gesucht und ge-wünscht hatte: Einsamkeit und Ursprünglichkeit ohne jede Spur eines menschlichen Eingriffs. Und hier empfand ich in ganz besonderem Maße jenes „Glücksgefühl“, das ich bereits erwähnt habe. Ich machte mir bewusst, dass diese Landschaft wohl seit Jahrtausenden unverändert besteht. Ich „hörte“ eine nie gekannte Stille, die etwas anderes ist, als die „Ruhe“, die man (wenn auch selten) bei uns in der Natur noch finden kann. Diese völlige Abwesenheit eines jeden Geräuschs spornt offenbar das menschliche Gehör an, noch genauer zu lauschen, und was ich dann hörte, war alleine mein Atem, das Rauschen des Blutes in meinem Kopf und beim Gehen das leise Knirschen des Sandes unter meinen Füßen.
Eine optische Orientierung ist hier nicht mehr möglich. Natürlich kann man sich nach dem Sonnenstand richten oder die eigenen Spuren zurückverfolgen, sofern kein Sandsturm oder der Einbruch der Dunkelheit dies verhindern, doch die Landschaft selbst sieht in allen Richtungen ähnlich aus. Eine ganz zauberhafte, wohltuende Landschaft! Mir kam der Gedanke: wie von einem genialen Landschaftsgärtner mühevoll angelegt! Ringsum gleichartig und dennoch abwechslungsreich ist sie, mit Sandstreifen und wechselnden kleinen Hügeln, mit wunderschönen Steinformationen, die im Gegenlicht glitzern und bei Rückenlicht mit der ockerfarbenen Landschaft verschmelzen. Zunächst hatte ich hier nur einen Wunsch: laufen, laufen, laufen ... immer weiter. Doch dann irgendwann legte ich eine Rast ein, um noch besser die Stimmung empfinden, auf mich wirken lassen zu können.
Welche Stimmung?
Glück, Zufriedenheit, Ruhe, Sorglosigkeit, Leichtigkeit, Bedürfnislosigkeit, das Bewusstsein völlig neuer Nähe zum All und zum Schöpfer dieser ganzen Welt.
Vielleicht hat diese meine “Lieblingswüste” für manchen auch eine negative Seite: Ich habe dort absolut keine Spur von Leben gesehen, abgesehen von einem einzigen kleinen dornigen Strauch, der wunderbarerweise sogar Blüten trug. Auf dieser Wanderung von etlichen Stunden sah ich keine Tiere oder Spuren von Tieren, Menschen oder Fahrzeugen, ich fand keine Holzstücke oder weitere Pflanzen. Erstaunlich: ich habe dennoch nichts vermisst, ich habe die Wüste dort überhaupt nicht als “tot” empfunden, es war einfach nur schön. Wunder-schön.
Nie werde ich diese Eindrücke vergessen. Sie sind mir zum kostbaren Besitz geworden. Ich habe die Wüste erlebt als gewaltig, als wohltuend und freundlich, als bunt, vielseitig, faszinierend, als heilend. Ich war mir der Gefahren stets auch bewusst, aber ich habe mich nie geängstigt. (Mein GPS-Gerät und reichlich Trinkwasser hatte ich natürlich stets dabei.) Ich fühlte und fühle mich reich beschenkt. Ich durfte eine Welt erleben, wie es sie bei uns nicht gibt, und die in verschiedener Weise mein Denken und meine Erkenntnisse über die wichtigsten Fragen in mir beeinflusst hat.
Meine Eindrücke von “Wüste” sind beschränkt auf ein kleines Gebiet und einen kurzen Zeitraum. Gut kann ich mir vorstellen, dass andere Wüsten anders sind, dass Wüsten keineswegs immer so freundlich sind, dass tage- oder wochenlange Wüstendurchquerungen noch völlig andere Erfahrungen vermitteln können. Ich bin völlig zufrieden mit dem, was ich bekommen habe. Eine große Dankbarkeit erfüllt mich, eine leise innere Sehnsucht wird bleiben.
Dezember 2008
edit by isis
ich habe deinen bericht mal besser "sichtbar" gemacht
edit by isis
Vielen Dank für deinen Bericht. Ich habe Deinen Bericht gleich mal in die ---> Hotel- und Reise- Empfehlungen kopiert. Januar 2009
von Faustus
Von jeher übte die Wüste einen ganz besonderen Reiz auf suchende Menschen aus – denken wir nur an Johannes den Täufer, Jesus oder in neueren Zeiten Antoine de Saint Éxyperie. Und heute, wo Esoterik und Spiritualität auf Suchende einen besonderen Reiz ausübt und sich die Touristik-Industrie auch dieses Bereichs annimmt, gibt es immer mehr Angebote von Wüstenreisen jeder Art.
Auch ich spürte mein ganzes Leben lang eine tiefe innere Sehnsucht nach der Wüste. Eines jedoch war mir immer klar: wenn ich in die Wüste gehe, dann nicht mit einer organisierten Gruppe von Pauschalreisenden. Aber alleine – das traute ich mich auch nicht.
So musste ich über 70 Jahre alt werden, bis ich FriedEL traf, die nicht nur eine geistige Einstellung hat zur Welt und dem, was sie zusammenhält, die meiner sehr nahe kommt; nein, FriedEL hat auch ein wunderbares Tanz- und Meditationshaus in der Wüstenoase Dakhla, wohin sie Reisen mit kleinen Gruppen von Interessierten anbietet. Als ich davon erfuhr, war mir sofort klar: das ist meine Chance! Dort will ich hin!
Und so reiste ich zum ersten Mal über Weihnachten und Sylvester 2007/08 nach Bir Gabal, nahe dem Ort El Qasr in der ägyptischen Wüste, in das kleine Wüstenhotel von Hatem, neben dem FriedEL´s „Hathor-Chalet“ liegt. Die Reisegruppe bestand aus nur 7 Personen; meine Ilse begleitete mich. Behutsam wurden wir von FriedEL in die völlig andersartige Welt der Wüstenoase eingeführt. Gemeinsame kleinere und größere Wanderungen in die umgebende Wüste ließen uns staunen über diese geheimnisvolle, faszinierende, unglaublich vielfältige Welt. Nach einigen Tagen wagte ich erste Alleingänge – die Orientie-rung ist dort relativ einfach und ungefährlich. Die Zeit verging wie im Flug und ich begriff: Ich muss die Wüste noch besser kennenlernen! Sie birgt etwas, das mich tief im Innersten anspricht und berührt, etwas, das ich im Alleingehen am besten erleben und spüren kann.
Zurück von der ersten Wüstenreise ließ mich dann dieser Gedanke nicht mehr los und ich suchte zielstrebig nach einer Möglichkeit zur Verwirklichung. Und wieder war es FriedEL, die mir zur zweiten Begegnung mit der Wüste verhalf. Ilse und ich durften im November 2008 erneut für zwei Wochen nach Bir Ga-bal – diesmal ohne Gruppe, und auch ohne vorgegebenes Programm. Jetzt hatte ich alle die Möglichkeiten, nach denen ich mich so gesehnt hatte. Zum Eingewöhnen an das Klima und zum Training für größere Touren machten wir in den ersten Tagen zunächst kleinere und dann immer größere Spaziergänge und Wanderungen, bis ich mich dann schließlich fit genug fühlte für die große Alleinwanderung hinauf auf das ca. 400 m höher gelegene Wüstenplateau.
Was ich bei dieser Wanderung und den danach noch folgenden weiteren Wüstengängen erlebte, will ich im Folgenden ein wenig beschreiben; nicht als chronologischen Bericht, sondern als den Versuch, die Wüste so zu beschreiben, wie sie auf mich gewirkt und was sie in mir bewirkt hat.
Für mich unerfahrenen Wüstenbesucher war dort in der Umgebung der Oase Dakhla die unglaubliche Vielfalt und Abwechslung an Formen, Farben und Landschaften am überraschendsten. Es gibt Sand-, Stein- und Lehmwüste; es gibt weite Ebenen und steile Berge; es gibt Kalkstein, Sandstein, Basalt und viele andere Gesteinsarten. Alles ist leicht fußläufig zu erreichen, und beim Wandern verändern sich die Landschaft und die optischen Eindrücke auf kürzesten Distanzen total. So ist wohl für jeden Menschen, der mit offenen Sinnen dort geht, die erste und auch die bleibende Reaktion das ehrfürchtige Staunen.
Bei mir stellte sich unverzüglich eine Hochstimmung ein. Ähnliche Gefühle, wenn auch wesentlich schwächer, kannte ich bisher nur beim Betrachten wunderbarer Kunstwerke in Museen oder beim Hören von bestimmter Musik. Dieses Glücksgefühl in der Wüste hat mich von Anfang bis zum Ende stets begleitet, und es dürfte wohl auch dafür verantwortlich sein, dass ich niemals auch nur eine Spur von Angst , Einsamkeit , Unsicherheit oder Verlassenheit empfand.
Doch es ist viel mehr, was der so weitgehend fremdbestimmte Mitteleuropäer dort völlig neu erfahren darf: Es gibt eine Weite, eine Freiheit, eine scheinbare Unendlichkeit des Raums und der Zeit, wie wir sie hier nie haben dürfen. Nirgends stehen dort Schilder mit Aufschriften wie „Betreten verboten“ oder „Kein Eingang. Privatbesitz“, „Bitte die Dünen nicht betreten“ oder „Bitte auf den Wegen bleiben“. Und: jeden Tag scheint die Sonne, immer ist schönes Wetter!
In der Wüstenebene, in der die Oase Dakhla, der Ort El Qasr sowie Bir Gabal mit dem Hotel und dem Chalet liegen, ist entlang der Straßen und der grünen Ackerflächen immer wieder Leben anzutreffen. Auf den Feldern und in den Gärten arbeiten Menschen, auf Wüstenpfaden zwischen dem Ort und den Fel-dern kann man Bauern auf Eseln reitend oder kleinen Eselskarren sitzend treffen. Fernab der kleinen Ortschaften findet man allerdings leider hin und wieder auch Reifenspuren von Geländewagen im Sand. Dennoch: nach nur wenigen Minuten Fußmarschs in die Wüste hinein wird es absolut still und einsam, und obwohl ich ganz selten Fußspuren von Menschen gesehen habe – tatsächlich begegnet bin nie jemandem. Wenn man Glück hat, kann man einen aufgescheuchten Wüstenfuchs beobachten; putzige kleine Käfer krabbeln häufig eifrig über den Sand und hinterlassen feine Spuren. Andere Spuren stammen von Schlangen oder Geckos, die jedoch nur selten zu sehen sind.
So traumhaft schön es da auch war – mich lockte von Anfang an die Besteigung des Bergabbruchs, der die Wüste hier „unten“ optisch und tatsächlich nach Norden begrenzt. Der recht anstrengende und teilweise nicht ungefährliche Aufstieg lohnt sich! Von unten nicht sichtbar erstreckt sich dort auf dem Pla-teau eine neue endlose Wüste, die durch nichts begrenzt zu sein scheint. Während unten stets die Bergkette als Orientierung (aber für mich auch als „Limitierung“) im Blickfeld steht, fand ich „oben“ das, was ich wirklich gesucht und ge-wünscht hatte: Einsamkeit und Ursprünglichkeit ohne jede Spur eines menschlichen Eingriffs. Und hier empfand ich in ganz besonderem Maße jenes „Glücksgefühl“, das ich bereits erwähnt habe. Ich machte mir bewusst, dass diese Landschaft wohl seit Jahrtausenden unverändert besteht. Ich „hörte“ eine nie gekannte Stille, die etwas anderes ist, als die „Ruhe“, die man (wenn auch selten) bei uns in der Natur noch finden kann. Diese völlige Abwesenheit eines jeden Geräuschs spornt offenbar das menschliche Gehör an, noch genauer zu lauschen, und was ich dann hörte, war alleine mein Atem, das Rauschen des Blutes in meinem Kopf und beim Gehen das leise Knirschen des Sandes unter meinen Füßen.
Eine optische Orientierung ist hier nicht mehr möglich. Natürlich kann man sich nach dem Sonnenstand richten oder die eigenen Spuren zurückverfolgen, sofern kein Sandsturm oder der Einbruch der Dunkelheit dies verhindern, doch die Landschaft selbst sieht in allen Richtungen ähnlich aus. Eine ganz zauberhafte, wohltuende Landschaft! Mir kam der Gedanke: wie von einem genialen Landschaftsgärtner mühevoll angelegt! Ringsum gleichartig und dennoch abwechslungsreich ist sie, mit Sandstreifen und wechselnden kleinen Hügeln, mit wunderschönen Steinformationen, die im Gegenlicht glitzern und bei Rückenlicht mit der ockerfarbenen Landschaft verschmelzen. Zunächst hatte ich hier nur einen Wunsch: laufen, laufen, laufen ... immer weiter. Doch dann irgendwann legte ich eine Rast ein, um noch besser die Stimmung empfinden, auf mich wirken lassen zu können.
Welche Stimmung?
Glück, Zufriedenheit, Ruhe, Sorglosigkeit, Leichtigkeit, Bedürfnislosigkeit, das Bewusstsein völlig neuer Nähe zum All und zum Schöpfer dieser ganzen Welt.
Vielleicht hat diese meine “Lieblingswüste” für manchen auch eine negative Seite: Ich habe dort absolut keine Spur von Leben gesehen, abgesehen von einem einzigen kleinen dornigen Strauch, der wunderbarerweise sogar Blüten trug. Auf dieser Wanderung von etlichen Stunden sah ich keine Tiere oder Spuren von Tieren, Menschen oder Fahrzeugen, ich fand keine Holzstücke oder weitere Pflanzen. Erstaunlich: ich habe dennoch nichts vermisst, ich habe die Wüste dort überhaupt nicht als “tot” empfunden, es war einfach nur schön. Wunder-schön.
Nie werde ich diese Eindrücke vergessen. Sie sind mir zum kostbaren Besitz geworden. Ich habe die Wüste erlebt als gewaltig, als wohltuend und freundlich, als bunt, vielseitig, faszinierend, als heilend. Ich war mir der Gefahren stets auch bewusst, aber ich habe mich nie geängstigt. (Mein GPS-Gerät und reichlich Trinkwasser hatte ich natürlich stets dabei.) Ich fühlte und fühle mich reich beschenkt. Ich durfte eine Welt erleben, wie es sie bei uns nicht gibt, und die in verschiedener Weise mein Denken und meine Erkenntnisse über die wichtigsten Fragen in mir beeinflusst hat.
Meine Eindrücke von “Wüste” sind beschränkt auf ein kleines Gebiet und einen kurzen Zeitraum. Gut kann ich mir vorstellen, dass andere Wüsten anders sind, dass Wüsten keineswegs immer so freundlich sind, dass tage- oder wochenlange Wüstendurchquerungen noch völlig andere Erfahrungen vermitteln können. Ich bin völlig zufrieden mit dem, was ich bekommen habe. Eine große Dankbarkeit erfüllt mich, eine leise innere Sehnsucht wird bleiben.
Dezember 2008
edit by isis
ich habe deinen bericht mal besser "sichtbar" gemacht
edit by isis
Vielen Dank für deinen Bericht. Ich habe Deinen Bericht gleich mal in die ---> Hotel- und Reise- Empfehlungen kopiert. Januar 2009
faustus, danke für Deinen schönen Bericht, Du hast das "Wüstenfeeling" treffend beschrieben.
Ja: diese "leise, innere Sehnsucht" lässt einem nie wieder los.
Ich ernte hin und wieder verständnislose Blicke, wenn ich wieder einmal verkünde, dass ich in die Wüste gehe und dass die Wüste für mich der schönste Platz der Welt ist. "Was willst du denn da, da ist doch nichts außer Sand?" werde ich manchmal von Ägyptern, manchmal von meinen Bekannten oder Kollegen zu Hause gefragt. Oh doch, da ist sehr viel mehr als Sand: die Wüste lebt, zu unterschiedlichen Jahreszeiten zeigt sie ihr vielfältiges Gesicht. Diese himmlische Stille und unendliche Weite in ihr; die beeindruckende Vielfalt an Farben und Formen des Sandes, der Berge und Felsen; das Gefühl, dem Himmel ganz nah zu sein, wenn ich unterm 1.000-Sternenzelt schlafe; die besonders schönen Farben früh morgens und am späten Nachmittag; der herrliche Geruch blühender Pflanzen und Kräuter; der "Garten Eden" mit Weinstöcken, Granatapfelbäumen, Mandel- und Olivenbäumen in einsamsten Wadis zwischen hohen Sinai-Bergen ...
Ich wünsche Dir noch viele glückliche Tage in der Wüste.
Liebe Grüße
Samira
Ja: diese "leise, innere Sehnsucht" lässt einem nie wieder los.
Ich ernte hin und wieder verständnislose Blicke, wenn ich wieder einmal verkünde, dass ich in die Wüste gehe und dass die Wüste für mich der schönste Platz der Welt ist. "Was willst du denn da, da ist doch nichts außer Sand?" werde ich manchmal von Ägyptern, manchmal von meinen Bekannten oder Kollegen zu Hause gefragt. Oh doch, da ist sehr viel mehr als Sand: die Wüste lebt, zu unterschiedlichen Jahreszeiten zeigt sie ihr vielfältiges Gesicht. Diese himmlische Stille und unendliche Weite in ihr; die beeindruckende Vielfalt an Farben und Formen des Sandes, der Berge und Felsen; das Gefühl, dem Himmel ganz nah zu sein, wenn ich unterm 1.000-Sternenzelt schlafe; die besonders schönen Farben früh morgens und am späten Nachmittag; der herrliche Geruch blühender Pflanzen und Kräuter; der "Garten Eden" mit Weinstöcken, Granatapfelbäumen, Mandel- und Olivenbäumen in einsamsten Wadis zwischen hohen Sinai-Bergen ...
Ich wünsche Dir noch viele glückliche Tage in der Wüste.
Liebe Grüße
Samira
... when you sleep in a house your thoughts are as high as the ceiling,
when you sleep outside they are as high as the stars...
when you sleep outside they are as high as the stars...
Hallo, Faustus,
ich habe Deinen Bericht mit größtem Vergnügen gelesen, denn diese Sehnsucht quält mich auch schon seit längerem! Ich hoffe, dass ich irgendwann auch nochmal in den Genuss eines solchen Erlebnisses komme! Bei der Reizüberflutung, der wir hier ständig ausgesetzt sind, muss es doch wie eine seelische Reinigung sein, mal alles hinter sich zu lassen, was man gerade nicht braucht! Ich wandere auch für mein Leben gern und habe mir angewöhnt, die 5 km vom Arbeitsplatz nach Hause öfters mal zu Fuß zu gehen - es geht auch einen Hügel hoch und ich genieße es jedesmal, auf die Landschaft herunter zu blicken, die mir zu Füßen liegt, und mit jedem Schritt dem Himmel ein Stück näher zu kommen. Wie überwältigend muss erst der Blick auf die Wüstenlandschaft sein...!
Nochmals Danke für Deinen faszinierenden Bericht!
Viele Grüße
bint_hathor
ich habe Deinen Bericht mit größtem Vergnügen gelesen, denn diese Sehnsucht quält mich auch schon seit längerem! Ich hoffe, dass ich irgendwann auch nochmal in den Genuss eines solchen Erlebnisses komme! Bei der Reizüberflutung, der wir hier ständig ausgesetzt sind, muss es doch wie eine seelische Reinigung sein, mal alles hinter sich zu lassen, was man gerade nicht braucht! Ich wandere auch für mein Leben gern und habe mir angewöhnt, die 5 km vom Arbeitsplatz nach Hause öfters mal zu Fuß zu gehen - es geht auch einen Hügel hoch und ich genieße es jedesmal, auf die Landschaft herunter zu blicken, die mir zu Füßen liegt, und mit jedem Schritt dem Himmel ein Stück näher zu kommen. Wie überwältigend muss erst der Blick auf die Wüstenlandschaft sein...!
Nochmals Danke für Deinen faszinierenden Bericht!
Viele Grüße
bint_hathor
Schöner Bericht! Danke!
Das Gefühl, dass um einen herum alles andere unwichtig wird ist befreiend - sich (und wenn es auch nur ein kurzer begrenzter Zeitraum ist) um die alltäglichen Probleme keine Sorgen zu machen - die Gedanken und Gefühle fallen zu lassen...
Schön wenn du die Wüste so alleine erleben konntest!
LG Nane
Das Gefühl, dass um einen herum alles andere unwichtig wird ist befreiend - sich (und wenn es auch nur ein kurzer begrenzter Zeitraum ist) um die alltäglichen Probleme keine Sorgen zu machen - die Gedanken und Gefühle fallen zu lassen...
Schön wenn du die Wüste so alleine erleben konntest!
LG Nane

Hallo,
habe mir den Bericht erst heute angesehen und ich muss sagen: Toll!
So wie Du es geschildert hast, stelle ich mir auch vor mal eine Zeit dort zu verbringen. Völlig allein, am ganzen Horizont nichts als Wüste und vor allem diese Stille würde mich vermutlich unglaublich beeindrucken.
Andererseits weiß ich nicht, ob ich tatsächlich den Mut hätte mich so vollkommen auf ein GPS zu verlassen. Wahrscheinlich würde mein mulmiges Gefühl (verursacht durch dieses Mißtrauen in die Technik) auch diese gelassene Ruhe stören, die man ja eigentlich dort empfinden möchte.
Naja, mal abwarten. Vielleicht packt mich ja eines Tages der Mut und ich wage es genau so wie Du
Gruß
Uli
habe mir den Bericht erst heute angesehen und ich muss sagen: Toll!
So wie Du es geschildert hast, stelle ich mir auch vor mal eine Zeit dort zu verbringen. Völlig allein, am ganzen Horizont nichts als Wüste und vor allem diese Stille würde mich vermutlich unglaublich beeindrucken.
Andererseits weiß ich nicht, ob ich tatsächlich den Mut hätte mich so vollkommen auf ein GPS zu verlassen. Wahrscheinlich würde mein mulmiges Gefühl (verursacht durch dieses Mißtrauen in die Technik) auch diese gelassene Ruhe stören, die man ja eigentlich dort empfinden möchte.
Naja, mal abwarten. Vielleicht packt mich ja eines Tages der Mut und ich wage es genau so wie Du

Gruß
Uli
Uli hat geschrieben:Hallo,
habe mir den Bericht erst heute angesehen und ich muss sagen: Toll!
So wie Du es geschildert hast, stelle ich mir auch vor mal eine Zeit dort zu verbringen. Völlig allein, am ganzen Horizont nichts als Wüste und vor allem diese Stille würde mich vermutlich unglaublich beeindrucken.
Andererseits weiß ich nicht, ob ich tatsächlich den Mut hätte mich so vollkommen auf ein GPS zu verlassen. Wahrscheinlich würde mein mulmiges Gefühl (verursacht durch dieses Mißtrauen in die Technik) auch diese gelassene Ruhe stören, die man ja eigentlich dort empfinden möchte.
Naja, mal abwarten. Vielleicht packt mich ja eines Tages der Mut und ich wage es genau so wie Du
Gruß
Uli
Hallo Uli,
die Geräte funktionieren tadellos und sicher! Nur sollte man immer Ersatzakkus dabei haben, denn wenn man das Gerät ständig eingeschaltet läßt (was man aber gar nicht braucht) verbraucht es relativ viel Strom. Ich hatte meine Akkus noch nie leer unterwegs, aber es heißt, daß sie 12 bis 18 Stunden halten. Na ja, länger sollte wohl auch eine Wanderung nicht dauern

LG von Faustus.

Hallo faustus,
danke fürs Mut zusprechen
Ich denke, wenn ich mich mal genauer mit solchen Geräten beschäftige, könnte meine Skepsis vielleicht schwinden
Ich werds trotzdem langsam angehen, denn für 2009 ist ja der Urlaub schon geplant
Mal sehen, irgendwann werde ich es sicher tun. Viellleicht nehm ich dann ja auch zwei von den Teilen mit. Für den Fall dass einer den Geist aufgibt
Dann wär die Wahrscheinlichkeit, dass man plötzlich orientierungslos in der Wüste sitzt doch ziemlich gering
Gruß
Uli
danke fürs Mut zusprechen

Ich denke, wenn ich mich mal genauer mit solchen Geräten beschäftige, könnte meine Skepsis vielleicht schwinden

Ich werds trotzdem langsam angehen, denn für 2009 ist ja der Urlaub schon geplant

Mal sehen, irgendwann werde ich es sicher tun. Viellleicht nehm ich dann ja auch zwei von den Teilen mit. Für den Fall dass einer den Geist aufgibt

Dann wär die Wahrscheinlichkeit, dass man plötzlich orientierungslos in der Wüste sitzt doch ziemlich gering

Gruß
Uli
Lieber Faustus,
was heißt hier leider erst mit 73 Jahren. Ich finde, Du bist geistig und körperlich fit wie ein Turnschuh
Und jemand wie Du wird noch viele schöne Jahre in Ägypten verbringen. Ägypten ist ein Jungbrunnen, dass sehe ich auch an meiner Tante. Diese wird 75 Jahre alt. Sie reist kreuz und quer durchs Land und kommt jedes Mal verjüngt zurück. Ich wünsche und hoffe, dass ich das auch so erleben werde.
Liebe Grüße
Meretaton
was heißt hier leider erst mit 73 Jahren. Ich finde, Du bist geistig und körperlich fit wie ein Turnschuh

Liebe Grüße
Meretaton
- bint_hathor
- Weltenbummler
- Beiträge: 1782
- Registriert: Mo 01 Mär, 2004 15:31
- Wohnort: bei Trier
Viellleicht nehm ich dann ja auch zwei von den Teilen mit
Hallo, Uli,
ich dachte, Du wolltest schreiben: ich nehme zwei von den Forumsteilnehmern mit - äh, da würde ich mich mal sofort um einen Platz bewerben

LG, bint_hathor
Wenn du redest, dann muß deine Rede besser sein,
als dein Schweigen gewesen wäre
(Arabisches Sprichwort)
als dein Schweigen gewesen wäre
(Arabisches Sprichwort)
Nix für ungut, aber es geht doch gerade darum gaaaanz alleine in die Wüste zu gehen. Total einsam, nur den eigenen Atem und die eigenen Schritte hören. So hat es ja faustus auch gemacht. Und gerade das ist es ja was es ausmacht.
Einfach nur mit jemandem zusammen in die Wüste gehen, da kann man ja auch ne organisierte Tour machen oder nen Führer nehmen.
Wenn ich sowas mal mache werd ich wohl gar niemanden mitnehmen. Sorry
Gruß
Uli
Einfach nur mit jemandem zusammen in die Wüste gehen, da kann man ja auch ne organisierte Tour machen oder nen Führer nehmen.
Wenn ich sowas mal mache werd ich wohl gar niemanden mitnehmen. Sorry

Gruß
Uli
aber Ernie ist doch sicher dabei !!!
Aber ganz sicher. Der kriegt aber auch ne ganz besondere Ausnahmegenehmigung

Gruß
Uli
PS: für die, die nicht wissen, wer gemeint ist: http://www.aegyptenfans.de/Aegypten/Rei ... gypten.htm

- bint_hathor
- Weltenbummler
- Beiträge: 1782
- Registriert: Mo 01 Mär, 2004 15:31
- Wohnort: bei Trier