Huhu, NICO – Dein Bericht war echt überfällig! Fürchte Dich nicht vor Romanen – dieses Thema schreit geradezu danach! Als ob man sich dabei kurz fassen könnte…
Ich hatte glaube ich auch mal versprochen, von meiner letzten Ägyptenreise zu berichten. Und wenn Billbo die Eindrücke vom 1. Mal nicht genügen, dann kriegt er auch noch die vom 3. Mal! Also…
Im März 2007 landeten wir zum zweiten Mal in Luxor, aber zum 1. Mal im neuen Flughafen, wo es im Gegensatz zu 2004 nicht mal die Spur von Gedränge gab: der Ägypter bei der Pass“kontrolle“ kloppte mit einem fröhlichen „Yalla, yalla!“ die Stempel im Akkord in die Pässe, ohne auch nur einmal hinzusehen! Willkommen im Land der Wunder! Neu war dieses Mal auch, dass wir erst nach der Ankunft erfuhren, auf welchem Schiff wir fahren würden – ein paar Eingeweihte aus dem Forum wussten es natürlich schon vorher, und so konnte ich einen gewissen Herrn an der Rezeption dann schon fast mit Namen begrüßen
In Luxor fühlte ich mich gleich wieder wie zu Hause, vieles hatte ich ja schon mal gesehen und beim abendlichen Bummel an der Corniche entlang stellte sich sofort wieder dieses Glücksgefühl ein, das mich wohl nur in Ägypten befällt. Die Geräuschkulisse war mir sofort wieder vertraut mit den Kaleschen, dem Stimmengewirr, dem Tuten der Schiffe… ach, herrlich! Nur manche Sprüche waren mir neu – zur Zeit war wohl „Mensch Meier“ absolut angesagt, das tönte uns alle paar Meter hinterher.
Trotzdem war dieses Glücksgefühl mit etwas Wehmut vermischt, denn es war in mancher Hinsicht doch nicht mehr wie beim ersten Besuch. Die Tempel waren noch genauso imposant wie vorher, die Akustik, die Gerüche, das Essen ließ nichts zu wünschen übrig, aber irgendwas fehlte… Unwillkürlich schaute ich immer wieder hinter jedem Schiff her, ob „unsere“ Nile Rhapsody von damals nicht doch noch aus dem Nichts auftauchte – das Schiff sollte restauriert werden, ist aber nie wieder aufgetaucht (oder fährt es jetzt unter einem anderen Namen über den Nil?). Wir hatten uns dort so wohl gefühlt, fast jeden Abend hatte ich mit meiner Tochter abgetanzt, wir brauchten bloß einmal zu erwähnen, dass wir arabische Musik lieben, und sobald wir an Bord auftauchten, bekamen wir zu hören, was wir wollten – ein Blick genügte! Aber dieses Mal waren wir wohl an die falschen Leute geraten; der Herr an der Rezeption war gleichzeitig auch Herr über ganze 2 oder sogar 3 CDs, mit denen er uns jeden Morgen und jeden Abend zu den Mahlzeiten beschallte; abgesehen davon, dass man mit so „vielen“ CDs nicht eine ganze Woche ausfüllen kann, klangen die auch eher abend- als morgenländisch. Von jedem Schiff, durch das wir beim Anlegen gehen mussten, drang arabische Musik an unsere Ohren, bloß auf unserem Pott wurden wir ständig mit Weichspülern wie „Hotel California“, „Angie“ und Gheorge Zamfirs Panflöte genervt, und als dann auch noch der Titanic-Hit „My heart will go on“ lief, beschlich mich leichte Panik, ob es auf dem Nil nicht doch Eisberge gibt… es grenzte an seelische Grausamkeit.
Nun mag mancher denken: das war doch nur Musik, das kann doch jetzt nicht so wichtig sein!? Aber arabische Musik gehört zu Ägypten dazu wie arabisches Essen! Ich hatte regelrecht Entzugserscheinungen und war damit nicht die einzige. Wir nervten und beschwatzten den DJ täglich aufs Neue, aber es war hoffnungslos… er vertröstete uns erst mal auf den Ägyptischen Abend. EINEN Abend?? Wir sind eine ganze Woche da!! Und wenn dann endlich mal was Arabisches gespielt wurde, waren es schrille Stücke oder Hiphop – spätestens nach 3 Stücken war sowieso wieder Feierabend. Irgendwann gaben wir auf. Man hatte uns etwas Wesentliches vorenthalten. Zum Glück hatte ich den mp3-Player dabei, auch mit der Musik, die ich vor 3 Jahren auf der Nile Rhapsody gehört hatte…
Wenigstens in einem Shop in Luxor habe ich einen Menschen mit Musikverstand getroffen; als ich die Stimme auf der CD, die gerade lief, als die von Mohamed Mounir erkannte, meinte der Verkäufer „Yes, he’s the KING!“ – endlich war ich mal wieder mit einem Ägypter einer Meinung!
Mit dem Reiseführer hatte ich auch ein paar Kämpfchen, er konnte schwer ertragen, wenn jemand mehr wusste als er. Aber mit der Zeit musste er sich damit abfinden – beim Bauchtanz war er sowieso keine Konkurrenz , und nachdem ich das Rezept für Koschari auswendig runtergebetet, seinen Namen auf Anhieb auf Arabisch richtig geschrieben und die Geschichte vom Philae-Tempel erklärt hatte, hat er mir den Titel „Halb-Ägypterin“ verliehen. Leider steht das noch nicht in meinem Pass.
Ach ja, Bauchtanz! Außer mir waren noch zwei Frauen mit Bauchtanzkenntnissen an Bord. Beim Ägyptischen Abend hatten wir reichlich Gelegenheit, uns auszutoben. Peinlich nur, dass die einheimische Tänzerin, die auf dem Schiff auftrat, uns nicht das Wasser reichen konnte - schon ihr Kostüm ließ den meisten Gästen die Kinnlade runterfallen…
Neuland betraten wir dann nach unserer Nilkreuzfahrt, als wir nach Gezirat al Bairat auf der Westbank weiter zogen. Endlich mal aufs Land, endlich die Chance, sich unters Volk zu mischen, hinzugehen, wo man wollte, ohne auf die Uhr gucken zu müssen und vom Reiseführer weitergetrieben zu werden! Wir fühlten uns so richtig frei! Manchmal waren wir die einzigen Europäer auf der Fähre, und da kam ich mir schon fast wie eine Dreiviertel-Ägypterin vor

! In den Dörfern spazieren gehen, einkaufen gehen, wo die Ägypter kauften, sich mit Einheimischen unterhalten, die einem nichts verkaufen, sondern einfach nur reden wollen, Bauernhäuser auch mal von innen besichtigen, der Besuch bei meinem Patenkind und seiner Familie – das alles waren ganz neue einmalige Erlebnisse, die unvergesslich sind. Zu Fuß zu den Gräbern zu wandern, eine individuelle Führung für 2 Personen zu bekommen, Sammeltaxi zu fahren (ach, was hatte unser Reiseführer vor diesen Dingern gewarnt! Ist mir ewig schleierhaft, wieso…) – wir beneideten unsere Tochter, die ganze 2 Monate dort sein durfte (naja, sie arbeitete dort…)! Getrübt wurde unsere Begeisterung nur durch die Sache mit den Taschendieben im neuen Souk von Luxor und leider auch von üblen Nachwirkungen von zu heftig gewürzten und geölten Speisen und einer heftigen Erkältung meines Mannes. Und da passierte, was ich mir nie vorstellen konnte: nach 2 Tagen Übelkeit und null Appetit wollte ich heim… ich hatte genug von der Sonne, konnte keine ägyptische Musik mehr ertragen, fand den ständigen Geruch von verbranntem Zuckerrohrstroh auf einmal unerträglich eklig und war nicht in der Lage, an meinem Reisetagebuch weiter zu schreiben, nicht mal ein einziges Foto gab es an diesem Tag. Wie konnte ich nur…?!?? Kann es einem wirklich so mies gehen, dass man Ägypten nicht mehr mag??? Es ist mir bis heute unverständlich… zum Glück hat dieser Zustand schnell wieder nachgelassen, aber es ist mir heute noch peinlich!
Zwei Tage konnten wir nicht nutzen – der Kamelritt ist wieder ausgefallen, ins Tal der Könige wollte ich noch mal… aber jetzt habe ich ja wieder einen Grund, um zurück zu kommen!
Auf der Fahrt zum Flughafen hätte ich mir gewünscht, meine Augen wären eine Kamera, die alles lückenlos aufzeichnet – inclusive Geräuschen und Gerüchen (von mir aus auch den Qualm vom verbrannten Zuckerrohr…); leider kam ich aber nur mit ca. 860 Fotos von 2 Wochen heim… und es fällt mir ständig was anderes ein, was ich vergessen habe zu fotografieren… aber es würde nichts nützen: wenn man ein Bild nur anguckt, ist man noch längst nicht mitten drin. Es ist nur ein sehr behelfsmäßiger Abklatsch von dem, was man erlebt hat.
Jetzt quält mich nur noch ein Gedanke: wann und wie komme ich wieder hin??
Ich hoffe, das war nicht zu lang, aber bis ich wieder Gelegenheit habe, so einen Roman zu schreiben, habt ihr euch sicher davon erholt…
Viele Grüße
bint_hathor
P.S. ich hab den Text in Word vorgeschrieben und hier reinkopiert - bitte verzeiht mir, wenn ich die eigentlich noch notwendigen Smilies jetzt nicht noch in mühsamer Kleinarbeit reinfummle...
